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Die Schergen des Großen Bruders

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Seien wir doch ehrlich: wir Verfechter der bürgerlichen Freiheiten haben immer ne große Klappe, wenn wir im Internet für unsere Überzeugungen eintreten und selbst in üblen Fällen des Mißbrauchs unseren Prinzipien treu bleiben wollen. Aber wenn wir vor einem geifernden Publikum stehen, wo uns unsere Gegner mit plumpesten Schlagwörtern Schach-Matt setzen, da sind wir dann ganz klein mit Hut.
Hier ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie Ottos Schergen vorgehen, um die Mehrheit der DAUs und sonstigen Bürger auf ihre totalitäre Seite zu bringen: Vorratsspeicherung der Daten für mindestens 1 Jahr - weil ja sonst der Kinderpornografie Tür und T(h)or geöffnet würde. Wer es jetzt wagt, sich dagegen auszusprechen, wird automatisch in die Nähe eines Kinderschänders gerückt oder als noch nicht überführter Krimineller, mindestens jedoch als Sympathisant verdächtigt. (Der Terminus Sympathisant wurde ja schon gerne in den 70er und 80er Jahren zur Denunziation gegenüber Kritikern verwendet …)
Auch die eher “zivilen” Forderungen wie “Generell wäre es wichtig, die Telefonüberwachung auf Delikte wie bandenmäßigen Betrug und Untreue sowie Korruption auszudehnen” klingen ja plausibel - wer will schon, dass white collar-Kriminelle mit ihren ergaunerten Millionen davon kommen, während die tumben Ladendiebe mit Glück eingeknastet werden? Da ist eine zusätzlich geforderte Kronzeugenregelung doch nur konsequent, schließlich sehen wir ja an den USA, wie überzeugend dort die Kriminalität besiegt wurde. Und weil wir schon gerade bei Datenspeicherung sind: ein Korruptionsregister für Firmen, die in Bestechungsfällen kriminell aktiv geworden sind, ist da genauso gerechtfertigt wie eine Datenbank für Kindermörder und -vergewaltiger. Aber was ist mit den notorischen Ladendieben? Warum ist der Ladenbesitzer weniger schützenswert als das Kind nebenan? Und was ist mit den notorischen Schwarzfahrern, die unsere Volkswirtschaft jährlich um Milliarden schädigen? Ich habe einen arbeitslosen Hartz IV-Nachbarn, der nebenher Motorräder kauft und mit Gewinn weiterverkauft, gleichzeitig jedoch an meinen Sozialversicherungsbeiträgen schmarotzt und mir aus Bosheit seinen Werbemüll in meinen Briefkasten stopft. Wenn ich seine DNA in ner Datenbank speichern lassen könnte ….
Der Punkt ist doch der: Das Internet verrät doch mehr über einen Menschen als eine plumpe Telefonüberwachung. Oder?
Oder nicht?
Wenn man mal genauer überlegt, ist das vielleicht eher umgekehrt: Bei der Auswertung von Internetdaten erhält man scheinbar exzellente Informationen und kann einen Täter überführen (weswegen auch immer). Aber kann man tatsächlich beweisen, dass er und nur er der Täter war? Was, wenn jemand anderer seinen PC benutzt hat und der Verdächtige gar nichts davon weiß? Überführt, weil er eine CPU mit eingravierter ID-Nummer hat? Was ist mit einem geknackten WLAN? Dein geklautes Handy kann auch jemand anderes für einen Anschlag mißbrauchen. Oder es durch Bluetooth zum Zünden seiner Bombe als Durchleitung verwenden. Du kannst nichts dafür? So, so …. beweise erstmal das Gegenteil. Oder glaubst du etwa, dass das Rechtstaatlichkeitsprinzip der Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils unter solchen Umständen noch gilt? ;)
Beim Telefon hat man ja wenigstens eine zuordnenbare Stimme, die hoffentlich auch was Strafbares sagt, gell? Aber das ist ja momentan zweitrangig.

Vielleicht geht man aber auch strategisch schlau den umgekehrten Weg: Mit der Kinderschänder-Argumentation zuerst die Totalüberwachung und -speicherung der Daten, um danach sagen zu können “Die Telefonüberwachung ist dagegen ja kaum nennenswert, also sollte man konsequenterweise auch das zulassen.”
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Eines Tages sind wir dann ja vielleicht soweit, dass wir Verbrechen vor ihrer Realisierung aufklären können, so wie bei “Minority Report” …. ;)

Ein Kritiker behauptete witzigerweise, der Grund, warum die Polizei eine 1jährige Datenspeicherung haben wolle, liege simpel darin, dass diese Holzk****e einfach nur langsam arbeiteten. :-) Da ist m.E. was dran - deswegen bin ich nicht bange. Mit Mitteln, die Otto aufgrund seiner Borniert- und Unwissenheit gar nicht kapiert und deswegen nicht richtig nutzen kann, brauchen sich nicht einmal tatsächliche Kriminelle zu fürchten. Die Superbullen werden in der Datenflut ertrinken. Und vielleicht deswegen Fehler machen. Leidtragende werden nur unschuldige Bürger sein, die durch einen unglücklichen Zufall in die Mühlen des Apparats geraten - aber hey, Verkehrsopfer gibt es überall …. :mrgreen:

von DonBoscoes kleine tRoLL-Ecke, gepostet am Samstag, 9. Juli 2005 um 18:40
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