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Die Augen und Ohren über unseren Köpfen

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.
Immer wieder werden UAVs und Zeppeline mit UFOs verwechselt, so auch diese Woche von Bürgern Trinidads.
Wie der Trinidad & Tobago Express in Spy in the sky und The Trinidad Guardian in Spy-in-the-sky excites residents berichten, sichteten gestern Einwohner der Städte Port-of-Spain, Tunapuna und Arima ein Objekt, das viele für ein UFO, eine Rakete oder gar ein fliegendes U-Boot hielten.
Dabei handelt es sich um einen Airshipman Überwachungszeppelin SkyShip 600, ähnlich dem SkyShip von Airshipmans Schweizer Partner SkyCruise, das bereits 2004 während der Olympischen Spiele in Athen zum Einsatz kam. Die Überwachungszeppeline werden u. a. vom U. S. Heimatschutzministerium, dem britischen Verteidigungsministerium, dem U. S. Secret Service, der U. S. Navy und der Polizei von Tokyo zur Überwachung von Küsten, Häfen und Städten, bei Kampfeinsätzen und für Observierungen (z. B. Aufspüren von illegalen Cannabispflanzungen im "Drogenkrieg") verwendet. Nächstes Jahr vielleicht auch zur WM 2006?
In Trinidad hatte laut eines der Artikel das Ministerium für nationale Sicherheit das SkyShip für die Terrorbekämpfung angeschafft, benutzt wird es zur Zeit von der "Special Anti-Crime Unit".
SkyShip Foto SkyShip FotoÜberwachung per Zeppelin - das SkyShip von Trinidad. Auf den Aufnahmen der beiden Zeitungsartikel ist gut zu erkennen, dass keine Passagiergondel den Bauch ziert, sondern die Überwachungstechnik.
Womit die Überwachungszeppeline bestückt sind, wird in dem Airshipman Bericht Athens 2004 Olympics - Olympic Security Airship Programme erklärt. Der Bericht führt aus, der Zeppelin, dem die Hersteller den Namen "Athena" gaben, wurde 2004 auf dem ehemaligen, internationalen Flughafen Hellenikon von SkyCruise Technikern mit umfangreichen Überwachungssystemen ausgerüstet.
SkyShip Gondel
Die Gondel des Überwachungszeppelins "Athena" in Athen 2004.
Abbildung: Airshipman.
Zur Überwachungsausstattung gehörten zwei militärische Wescam MX-15 Sensormodule, die aus einer elektrooptischen Kamera und einer Infrarotkamera bestehen, einer Wescam 16SS Kamera für Fernsehübertragungen, die für schlechte Lichtverhältnisse ausgelegt ist, drei digitale Videorekorder für's Archiv, ein Navtech Mikrowellensender mit Verschlüsselung, mit dem live und kontinuierlich die Aufnahmen an ein Netz von Mikrowellenempfängern gesendet wurden, das die Daten an das Sicherheitskommandozentrum in Athen weiterleitete.

Die Crew bestand aus zwei Piloten, einem Verbindungsoffizier der griechischen Polizei und drei Kameramännern, "ehemaligen Anti-Terror Spezialisten aus dem Militär mit Erfahrung in luftgestützten Überwachungsoperationen", wie der Bericht zu erzählen weiß.
So, nun weiß man doch, was über einem schweben kann, wenn man es mal nicht mit einem Werbezeppelin zu tun hat.

Da die Beispielbilder der Überwachung von Besuchern der Olympischen Spiele mit der Wescam MX-15 bei Tag und Nacht leider aus dem Bericht entfernt wurden, hier einmal zur Anschaung etwas von Wescam selbst:
Wescam MX-15
Das Wescam MX-15 Modul

MX-15 mittel MX-15 nah
Zoom mit mittlerer Reichweite (man beachte das kleine Boot am Brückenpfiler) und mit Zoom in den Spot-Nahbereich.

MX-15 nachts

MX-15 IR
Nachtaufnahme mit und ohne Infrarot.
Abbildungen: Wescam.
Das ist doch schon was, oder?

Aber Zeppeline und Ballone sind nicht nur wie UAVs und MAVs für die Überwachung ein paar hundert oder tausend Meter über einer Stadt oder Grenze zu gebrauchen. Seit kurzer Zeit denkt man auch darüber nach, Zeppeline zur Überwachung und Übertragung militärischer Kommunikation in einem Bereich der Atmossphäre einzusetzen, der bis dahin ungenutzt blieb - der "Near Space" Region.

Wie Associated Press und das Air Force Magazine Anfang Juli berichtete, hat das U. S. Air Force Space Command auf der Peterson Air Force Basis in Colorado damit begonnen, Spionagezeppeline und -ballone für den Einsatz im "Near Space" Bereich zu testen. Ein einfacher Prototyp mit dem Namen "Combat SkySat" hat bereits bis März 12 Teststarts absolviert. Der "Near Space" Bereich ist eine Region der Atmossphäre ab einer Höhe von ca. 21 Kilometern, die für herkömmliche Flugzeuge zu dünn und zu kalt ist, für Satelliten zu niedrig, aber nicht für heliumgefüllte Zeppeline und Ballone. Die Vorteile: Sie können anders als Spionageflugzeuge und UAVs Tage, wenn nicht gar Wochen kontinuierlich in der Luft gehalten werden, kosten aber in der Herstellung und Wartung viel weniger als Überwachungssatelliten, wobei sie viel bessere Überwachungsaufnahmen und -bilder machen als Satelliten, da sie 10- bis 20-mal näher an der Erdoberfläche sind. Die geringere Höhe ist auch von Vorteil beim Abfangen von Kommunikationsübertragungen mit geringerer Sendeleistung. Die Nachteile: Aufgrund der Höhe ist die Korrosion durch Ozon und ultraviolettes Licht stärker und die Vorbereitung bis zum Start ist zeitintensiver. Trotzdem will die Air Force wegen der offensichtlichen Vorteile 15 Millionen US$ für Near Space Projekte im Haushalt 2007 bewilligt bekommen.

Weitere Pläne sehen den Einsatz von "High Altitude Airships (HAAs)" vor, den größeren und kostenintensiveren Brüdern der Near Space Flugobjekte, die als Überwachungs- und Kommunikationsplattformen in Zeppelingestalt ganze Jahre über uns wachen könnten.
HAA Zeppelin
HAA Zeppelinstudie.
Abbildung: GlobalSecurity.
Wie man sieht, steht die Technik zur Video- und Kommunikationsüberwachung auf allen Ebenen bereit: Am Boden und knapp über unseren Köpfen durch Videoüberwachungskameras - wahlweise mit Mikrofonen, Wanzen, Richtfunkmikrofone und Echelonabhörsysteme, darüber mit MAVs und UAVs, dann folgen Near Space & HAA Zeppeline und Ballone, gekrönt von Aufklärungssatelliten im Orbit.
von rabenhorst - Big Brother, gepostet am Sonntag, 17. Juli 2005 um 19:32
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