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Überwachungscams mit Terminatorqualitäten

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In Die vernetzte Video-Überwachung kommt reißt Futurezone das "State of the Art" Videoüberwachungssystem am Wiener Karlsplatz und 19 weiteren Plätze an, wobei vernetzte Videoüberwachungssysteme schon seit einiger Zeit in vielen Städten der Welt im Einsatz sind, nun eben bald auch in Wien.

Neben der Vernetzung und Fernsteuerung (und bald Selbststeuerung) werden zukünftige Videoüberwachungsnetzwerke weitere Merkmale auszeichnen - Automatisierung und eine "Vorverlagerung" der Bildverarbeitung in die Kameras selbst, die zukünftig den menschlichen Operatoren einen Großteil ihrer Aufgaben abnehmen werden.

Zu den Aufgaben gehört die Identifizierung verdächtiger Personen, Fahrzeuge und Objekte, das Erkennen von der Norm abweichenden bis "asozialen" Verhaltens, der Schutz von "No Go Areas", zu denen nur befugte Personen Zugang haben sollen bis hin zum Abgleich aufgenommener Gesichter mit den biometrischen Daten entsprechender Datenbanken.

An den Aufgaben lässt sich ablesen, dass zu den erfassten Zielobjekten nicht nur der Terrorist zählt, der mit der Bombe in der Tüte seinem Einsatzort zusteuert, sondern auch manch "unbescholtener Bürger", der durch sein Aussehen und sein Verhalten zufällig in das Raster der Bildverarbeitungsprogramme fällt. Hier stellt sich das gleiche Problem wie bei dem Einsatz von "Terrorist Watch Lists" und bei der Erfassung und dem Abgleich biometrischer Merkmale. Wie intelligent und ausgeklügelt sind die Systeme, um das "Gute" vom "Bösen" trennscharf zu unterscheiden, den "Bösen" immer zu erkennen und auch noch die Grauzonen miteinzubeziehen?
Ganz zu schweigen von dem Problem, wie legitim die Kategorisierung dessen ist, was die Big Brothers noch tolerieren oder als abnormal, verdächtig und asozial selektieren und wie groß der Anpassungsdruck werden könnte, um nicht in die ungeliebten Raster der Videokameraaugen zu fallen.

An der Entwicklung der "perfekten", aber auch "umfassenden" Videoüberwachung wird in Forschungslaboratorien und bei Herstellern der Sicherheitstechnik fieberhaft gearbeitet. Der endlose "Krieg gegen den Terror" und die miserable Lage eines Großteils der Menschheit mit den damit zwangsläufig einhergehenden Terroranschlägen verspricht eine steigende und nicht abbrechende Kurve des Profits. Dafür werden allein in den USA die 800 Millionen US$ sorgen, mit denen das U. S. Heimatschutzministerium 2005 50 Städte bei der Installation von CCTV-Netzwerken sponsorn wird.

Ein System, das - wie Dutzende andere auch - verspricht, einen großen Schritt hin zur perfekten Videoüberwachung unternommen zu haben, ist die Kombination der Überwachungssoftware der Firma ActiveEye mit einem Chip des Unternehmens Cradle.
ActiveEye Demo

ActiveEye Demo
ActiveEye Demo

Demovideos von der ActiveEye Software in Aktion.
Videos: ActiveEye.
Das Portfolio von ActiveEye umfasst das Dreigespann aus Active Alert, ActiveEye Smart Impressions und ActiveEye Forensics.

ActiveEye Forensics dient dabei der "smarten", weil automatischen Indizierung und Filterung der Videoaufnahmen. Mit 50 Parametern legt der Operator fest, wann die Software in welchem Kontext welche Personen, Fahrzeuge und Objekte identifizieren und als Bedrohung klassifizieren soll. Gleichzeitig werden irrelevante Aufnahmen und Objekte aussortiert und eliminiert. Basierend auf der bearbeiteten Datengrundlage können menschliche Operatoren zu einem späteren Zeitpunkt die Datenbasis nach relevanten Aufnahmen und Ereignissen durchsuchen.
ActiveEye Events

Tabelle mit Ereignissen, die von der ActiveEye Überwachungssoftware registriert wurden.
Abbildung: ActiveEye.
Smart Impressions dient dazu, Bewegungen und Ansammlungen von Objekten und Personen zu verfolgen und mengenmäßig zu erfassen. Wird für die Verkehrsüberwachung eingesetzt, könnte aber auch dazu verwendet werden, Zusammenrottungen frühzeitig zu erkennen.

Das Herzstück von ActiveEye ist Active Alert. Wie der Name schon sagt, werden über Active Alert Alarmmeldungen ausgelöst und an die Operatoren versendet, wenn ein verdächtiges Ereignis stattfindet oder ein Objekt / eine Person als verdächtig klassifiziert wurde. Daneben enthält die Software die Algorithmen zur Analyse der Videoaufnahmen in Real-Zeit, bei Tag und bei Nacht, drinnen und draußen. Die Software enthält bereits eine Bibliothek mit 35 Ereignissen, die verdächtiges Verhalten festhalten. Daneben sorgen "Artificial Intelligence" Algorithmen dafür, normale Verhaltensmuster von Personen und Objekten zu "erlernen", die der Operator nutzen kann, um ergänzend zur Bibliothek eigene Ereignisse zu programmieren, die "normales" oder "abweichendes" Verhalten für die Analysesoftware charakterisieren. Und hier kommt jetzt das Unternehmen Cradle in's Spiel.

Cradle fertigt komplexe und spezielle Multiprocessor Digital Signal Processing (MDSP) Chips, die u. a. der Verarbeitung von digitalen Audio- und Videoinhalten dienen. Für ihren CT3600 MDSP hat Cradle einen Deal mit ActiveEye abgeschlossen, der die Portierung der Active Alert Software für den CT3600 MDSP vorsieht. Ein Blick auf die Spezifikation der stärksten Variante des Chips enthüllt ein kleines Kraftpaket:
Grafik Cradlechip Design

Blockdiagramm des CT3616 Cradle Chips.
Abbildung: Cradle.
Mit 16 DSP und 8 GPP Prozessoren mit insgesamt 3072 DSP Datenregistern, einem internen Bus mit 500 MHz und einem Core Takt bis 375 MHz, mit DDR DRAMs aufgerüstet, kann der Chip 16 MPEG4 (480fps, SIF), 4 MPEG4 ASP@L5 Kanäle oder 1 AVC/H.264 Kanal in Realzeit codieren. Audio können 16 G.711 Sprachkanäle codiert werden, was praktisch ist, wenn Videoüberwachungskameras mit Mikrofonen bestückt sind, die nicht nur der Erkennung von Schüssen dienen. Der Chip besitzt eine 10/100 Fast Ethernet Schnittstelle mit DHCP Client,Telnet- und HTTP-Server zur Übertragung der Daten und Steuerung per Netz.

Das ist grob geschildert die ganze Hardwareplattform, auf dem die komplette ActiveEye Überwachungssoftware laufen wird.
Der Clou und der zukünftige Trend auf dem Gebiet der Videoüberwachung besteht eben darin, draußen keine "dummen" Kameras mehr herumstehen zu lassen, die ihre Daten in CCTV-Kontrollzentren übertragen, wo sie auf extra Rechnern von einer Besatzung menschlicher Operatoren verarbeitet, ausgewertet und analysiert werden, sondern jede Kamera mit einem eigenen, kleinen "Chipgehirn" zu versehen, die sie in die Lage versetzen wird, vor Ort die Überwachung, Verhaltensbewertung und Analyse in Realzeit halbautonom durchzuführen. Die Vernetzung ist dabei das kleinste Problem, neue Vernetzungsanforderungen tauchen dann auf, wenn es darum gehen wird, die intelligenten Kameras mit den Datenbanken, in denen unsere biometrischen Daten lagern, zusammenzuschalten.
Cradle Werbetext

"Digital IP Surveillance" per Cradle Chip.
Abbildung: Cradle Website.
Das Bundesverfassungsgericht hatte in seinem Urteil zum "Großen Lauschangriff" mit der Bezeichnung der Wohnung als "Kernbereich der privaten Lebensgestaltung" eine gute Formulierung gewählt, denn mittelfristig wird es nur noch diesen Kern geben, in dem sich Leben wirklich noch "privat" abspielen kann.
von rabenhorst - Big Brother, gepostet am Dienstag, 19. Juli 2005 um 22:27
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