BILD Terrorschwerpunkt
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Die BILD, das Fachblatt für Angstbewältigung, Heimat- und Selbstschutz, hat heute mal wieder einen Terror- und Überwachungsschwerpunkt.
Nicht nur darf im Interview mit Schily mit der Schlagzeile "Wann geht bei uns die erste Bombe hoch?" der Bundesinnenminister die Anschläge in Sharm El-Sheikh dazu nutzen, seine Forderung nach Ausweitung der Überwachungsbefugnisse für das BKA zur Terrorprävention zu wiederholen, ohne dass die BILD Schily dazu befragt, was er konkret darunter versteht und welche konkreten Resultate damit verbunden wären oder gar nachhakt, ob es nicht problematisch sei, wenn in Polizeibehörden vermehrt geheimdienstliche Funktionen einsickern. Aber bekanntlich folgt die Sicherheitspolitik im "Krieg gegen den Terror" immer mehr dem Motto "der Zweck heiligt alle Mittel" bis sie sich irgendwann selbst bekämpfen muss.
Der geneigte Leser wird in Wie erkenne ich Selbstmord-Attentäter? auch zu einem Selbsttest aufgefordert, der sein Ergebnis schon vorwegnimmt: Nämlich gar nicht, weil jeder ein Terrorist sein kann, weshalb "die Angst jetzt ständig da ist: in der Bahn, im Flugzeug, im Bus" weiß die BILD. Ob das der vermeintlichen "Kaltblütigkeit" der Londoner und der "Gelassenheit" zuträglich ist, zu der Schily im BILD-Interview rät? Man darf's bezweifeln, auch angesichts der Gefahr, die einem in London droht, wenn man mit dem falschen Erscheinungsbild auf "Shoot-to-Kill" eingestellte Sonderkommandos trifft.
Der im "Test" versteckte Umstand, dass Terroristen nicht nur aus eingereisten Al-Quaida Kämpfern bestehen müssen, die für kurze Aktionen zuschlagen, sondern vielleicht aus Söldnern oder gar Landsleuten, die deshalb von Videoüberwachungskameras allenfalls nachträglich zu betrachten sind - denn zur Identifizierung bedarf es entweder herkömmlicher Polizeiarbeit, Hinweisen aus der Bevölkerung und Bekannten oder einer Verbindung zu biometrischen Datenbanken mit orwell'schen Ausmaßen, hindert die BILD aber nicht, die Videoüberwachung mit "Denkende Kameras können Terroristen stoppen - Wunderwaffe Video-Überwachung" in Verkennung der Fakten aus London als Allheilmittel anzupreisen.
Auch Studien und Untersuchungen, die Überwachungskameras als ineffizient zur Kriminalitätsbekämpfung einstufen und das Problem der Kriminalitätsverlagerung bei der Bekämpfung "normaler" Stadt- und Straßenkriminalität spielen für die BILD keine Rolle, wenn sie begeistert von dem Erfolg der Videoüberwachungskameras in Leipzig berichtet, wo die "Straßenkriminalität in diesen Bereichen um bis zu 50 Prozent zurückging".
Auch vom Einsatz von Bilderkennungssoftware in Videoüberwachungssystemen zwecks Autokennzeichenabgleich ist die Rede, die Niedersachsens Innenminister Schünemann von der CDU "hervorragend" findet und deshalb flugs seine Ministerkollegen dazu ermuntert, sie doch auch einzusetzen.
Als Beispiel wird außerdem ein "Klassiker" der Videoüberwachung für den Einsatz zur Terrorbekämpfung und in Sportstadien vorgeführt: Die FaceFinder Software von Viisage. "Unsere Technologie würde definitiv auch vor bekannten Terroristen schützen" zitiert die BILD Hartmuth von Maltzahn, der seit der Fusion von Viisage und ZN Vision im Vorstand der Viisage Technology AG sitzt. Klassiker deshalb, weil ZN Vision bzw. Viisage als Pionier auf dem Gebiet der biometrischen Indentifizierung gilt.
Während des Abgleichs mit FaceFinder.

Nach dem Abgleich mit FaceExplorer.
"FaceFINDER ist ein Produkt zur biometrischen Identifikation und basiert auf Viisages führender Gesichtserkennungstechnologie. Die patentierte Echtzeit-Videotechnologie ermöglicht unaufdringliche und diskrete Überwachungsanwendungen in nicht-kooperativen Szenarien.
FaceFINDER analysiert die Informationen mehrer Videokameras, vergleicht die aufgenommenen Gesichter mit den gespeicherten Gesichtern in der systemeigenen Datenbank und gibt Meldung, sobald eine Person im Kontrollbereich identifiziert wird."
Informationstext von Viisage zu FaceFinder.
Abbildungen: Viisage.
Das FaceFinder - FaceExplorer Duo ist eine der immer zahlreicher werdenden Lösungen, die auch hier vorgestellt wurden, die mittels Bilderkennungs- und verarbeitungsalgorithmen Personen über den Abgleich aufgenommener Videobilder mit den bildlichen bzw. biometrische Daten in Datenbanken in Echtzeit identifizieren. Von der Überprüfung von 300000 Aufnahmen in der Sekunde ist im BILD Artikel die Rede, Viisage selbst spricht auf ihren Webseiten zum FaceExplorer das Beispiel einer Gesichtserkennungsanwendung im US-Bundesstaat Illinois an, die auf FaceExplorer basiert, mit der täglich 15000 Aufnahmen mit 16 Millionen Bildern abgeglichen werden.
Bemerkenswert, dass noch vor ein paar Jahren Informationen und Daten zu Anwendungen, die der Verbindung von Videoüberwachung mit biometrischen Datenbanken zum massenhaftem Abgleich rar gesät waren, mittlerweile aber als wichtiges Kriterium bei vielen Herstellern von Gesichtserkennungs- oder Videoüberwachungsanwendungen zu finden sind.
Eigentlich wollte ich ja nur das Schilyinterview lesen...
Nicht nur darf im Interview mit Schily mit der Schlagzeile "Wann geht bei uns die erste Bombe hoch?" der Bundesinnenminister die Anschläge in Sharm El-Sheikh dazu nutzen, seine Forderung nach Ausweitung der Überwachungsbefugnisse für das BKA zur Terrorprävention zu wiederholen, ohne dass die BILD Schily dazu befragt, was er konkret darunter versteht und welche konkreten Resultate damit verbunden wären oder gar nachhakt, ob es nicht problematisch sei, wenn in Polizeibehörden vermehrt geheimdienstliche Funktionen einsickern. Aber bekanntlich folgt die Sicherheitspolitik im "Krieg gegen den Terror" immer mehr dem Motto "der Zweck heiligt alle Mittel" bis sie sich irgendwann selbst bekämpfen muss.
Der geneigte Leser wird in Wie erkenne ich Selbstmord-Attentäter? auch zu einem Selbsttest aufgefordert, der sein Ergebnis schon vorwegnimmt: Nämlich gar nicht, weil jeder ein Terrorist sein kann, weshalb "die Angst jetzt ständig da ist: in der Bahn, im Flugzeug, im Bus" weiß die BILD. Ob das der vermeintlichen "Kaltblütigkeit" der Londoner und der "Gelassenheit" zuträglich ist, zu der Schily im BILD-Interview rät? Man darf's bezweifeln, auch angesichts der Gefahr, die einem in London droht, wenn man mit dem falschen Erscheinungsbild auf "Shoot-to-Kill" eingestellte Sonderkommandos trifft.
Der im "Test" versteckte Umstand, dass Terroristen nicht nur aus eingereisten Al-Quaida Kämpfern bestehen müssen, die für kurze Aktionen zuschlagen, sondern vielleicht aus Söldnern oder gar Landsleuten, die deshalb von Videoüberwachungskameras allenfalls nachträglich zu betrachten sind - denn zur Identifizierung bedarf es entweder herkömmlicher Polizeiarbeit, Hinweisen aus der Bevölkerung und Bekannten oder einer Verbindung zu biometrischen Datenbanken mit orwell'schen Ausmaßen, hindert die BILD aber nicht, die Videoüberwachung mit "Denkende Kameras können Terroristen stoppen - Wunderwaffe Video-Überwachung" in Verkennung der Fakten aus London als Allheilmittel anzupreisen.
Auch Studien und Untersuchungen, die Überwachungskameras als ineffizient zur Kriminalitätsbekämpfung einstufen und das Problem der Kriminalitätsverlagerung bei der Bekämpfung "normaler" Stadt- und Straßenkriminalität spielen für die BILD keine Rolle, wenn sie begeistert von dem Erfolg der Videoüberwachungskameras in Leipzig berichtet, wo die "Straßenkriminalität in diesen Bereichen um bis zu 50 Prozent zurückging".
Auch vom Einsatz von Bilderkennungssoftware in Videoüberwachungssystemen zwecks Autokennzeichenabgleich ist die Rede, die Niedersachsens Innenminister Schünemann von der CDU "hervorragend" findet und deshalb flugs seine Ministerkollegen dazu ermuntert, sie doch auch einzusetzen.
Als Beispiel wird außerdem ein "Klassiker" der Videoüberwachung für den Einsatz zur Terrorbekämpfung und in Sportstadien vorgeführt: Die FaceFinder Software von Viisage. "Unsere Technologie würde definitiv auch vor bekannten Terroristen schützen" zitiert die BILD Hartmuth von Maltzahn, der seit der Fusion von Viisage und ZN Vision im Vorstand der Viisage Technology AG sitzt. Klassiker deshalb, weil ZN Vision bzw. Viisage als Pionier auf dem Gebiet der biometrischen Indentifizierung gilt.

Während des Abgleichs mit FaceFinder.

Nach dem Abgleich mit FaceExplorer.
"FaceFINDER ist ein Produkt zur biometrischen Identifikation und basiert auf Viisages führender Gesichtserkennungstechnologie. Die patentierte Echtzeit-Videotechnologie ermöglicht unaufdringliche und diskrete Überwachungsanwendungen in nicht-kooperativen Szenarien.
FaceFINDER analysiert die Informationen mehrer Videokameras, vergleicht die aufgenommenen Gesichter mit den gespeicherten Gesichtern in der systemeigenen Datenbank und gibt Meldung, sobald eine Person im Kontrollbereich identifiziert wird."
Informationstext von Viisage zu FaceFinder.
Abbildungen: Viisage.
Bemerkenswert, dass noch vor ein paar Jahren Informationen und Daten zu Anwendungen, die der Verbindung von Videoüberwachung mit biometrischen Datenbanken zum massenhaftem Abgleich rar gesät waren, mittlerweile aber als wichtiges Kriterium bei vielen Herstellern von Gesichtserkennungs- oder Videoüberwachungsanwendungen zu finden sind.
Eigentlich wollte ich ja nur das Schilyinterview lesen...
von rabenhorst - Big Brother,
gepostet am Montag, 25. Juli 2005 um 14:21

