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Das Spiel mit dem Feuer

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Die Infiltration und Manipulation islamistischer Gruppierungen durch Geheimdienstagenten des SIS / MI6 - auch über die Beteiligung in Webforen - eigentlich nichts Besonderes, worüber der Guardian in Revealed: MI6 plan to infiltrate extremists berichtet.

Ob in Deutschland, den USA oder Großbritannien, überall wird wohl intensiv in den Geheimdienstzirkeln darüber nachgedacht, wie man sich in die mehr oder weniger klandestin operierenden, islamistischen Organisationen und Grüppchen einklinken kann, um Insiderinformationen zu erhalten, militante Teile zu identifizieren, Organisationstrukturen festzustellen und das Meinungsbild in der islamistischen Szene zu beeinflußen.

Bevor man überhaupt deratige Operationen starten kann, stellen sich für die Geheimdienste eine Reihe von bekannten Problemen: Es mangelt an Geheimdienstexperten, die nötige linguistische Skills mitbringen und es mangelt an Geheimdienstexperten, die sich in die Weltanschauung und den soziologisch-religiösen Kontext der Islamisten hineindenken können, besser noch aus dem gleichen Kulturkreis stammen - ein Grund, warum man in den westlichen Geheimdiensten seit einigen Jahren Rekrutierungsprogramme fährt, die auf genau diesen Agententyp abzielen.

Es drohen aber auch Gefahren, die in dem als vertraulich klassifizierten Brief des Generaldirektors für Verteidigungs- und Geheimdienstbelange im britischen Außenministerium Ehrman an den ehemaligen Geheimdienstkoordinator der Regierung Sir David Omand anklingen, der ebenfalls vom Guardian mit dem Artikel veröffentlicht wurde.

Darin geht Ehrmann davon aus, dass man radikalere Kreise unter den Islamisten eh nicht mit der Argumentation erreicht, dass man dazu beitragen sollte, den Mittleren Osten zu einer Sphäre des Friedens und des Wohlstands zu entwickeln und die arabische Welt dahingehend zu bewegen, sich an westlichen Wirtschafts- und Demokratiemodellen zu orientieren, weil das angeblich einen höheren Lebensstandard für alle mit sich bringt. Folglich, so Ehrman, wäre es sinnvoller, wenn sich verdeckte Geheimdienstoperationen religiöser und anti-westlicher Argumente bedienen, bei gleichzeitiger Botschaft, sich des Terrorismus zu enthalten.

Damit wird deutlich, wie heikel die Frage ist, für solche Operationen spezielle Agenten zu benutzen. Denn wenn die sich nicht ausreichend in das islamistische Umfeld "verankern" können, droht die Gefahr, von den Kommunikationspartnern enttarnt zu werden oder aber die Botschaft, dem Terrorismus zu entsagen, nicht in ausreichendem Maße vermitteln zu können und damit eher zum Agent Provocateur zu werden. Im schlimmsten Fall würden Geheimdienste mit derartigen Operationen also das genaue Gegenteil erreichen: Eine Erhöhung der militanten Bereitschaft, Stärkung der Jihadisten und eine größere Abschottung. Ein Spiel mit dem Feuer, auf das sich Geheimdienste da einlassen, das von Leuten wie Beckstein oder Schily unerwähnt bleibt, wenn sie in der Öffentlichkeit davon berichten, man wolle den islamistischen Terror auch durch die Unterwanderung und Beobachtung von Moscheen und muslimischen Gruppierungen stärker in den Griff bekommen.
von rabenhorst - Big Brother, gepostet am Sonntag, 4. September 2005 um 10:55
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