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Echelon Inside

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Auch die New York Times berichtete gestern in Documents Show Link Between AT&T and Agency in Eavesdropping Case über die Abhöreinrichtungen und -programme, die insgeheim von der NSA in Kooperation mit AT&T in deren Schaltzentralen eingerichtet wurden und wohl in Zusammenhang mit dem geheimen NSA Abhörprogramm stehen, dass die Bush Administration nach 2001 starten ließ.

Richtig bekannt wurde die Geschichte durch die beiden Wired Artikel Whistle-Blower Outs NSA Spy Room und Wiretap Whistleblower's Statement.

In den Artikeln berichtete der ehemalige AT&T Techniker Mark Klein über den Besuch eines NSA Beamten in der AT&T Niederlassung in San Francisco im Jahr 2002. Ein Jahr später machte Klein im Januar die Beobachtung, dass in der Hauptzentrale in San Francisco ein neuer Raum mit technischem Equipment eingerichtet wurde, der an einen Raum angrenzte, in dem die Anlagen für das Routing von Telefongesprächen standen. Der Zugang zu diesem Raum wurde den AT&T Technikern der unteren Ebene verwehrt. Verantwortlich für die Einrichtung war der gleiche AT&T Manager, an den Klein 2002 den NSA Agenten vermittelt hatte.

Seine zweite interessante Beobachtung folgte im Oktober, als er die Aufgabe hatte, Probleme bei den fiberoptischen Schaltungen im Schaltraum für AT&Ts WorldNSANet Internetangebot zu beheben. Während seiner dortigen Tätigkeit gelangte Klein in den Besitz von drei technischen AT&T Dokumenten, aus denen hervorging, dass die WorldNet Schaltungen, die WorldNet mit den Backbones anderer Internetprovider verbindet über fiberoptische Kabel und einer Einrichtung, die von Klein als "Splitter Cabinet" bezeichnet wurde, mit den Anlagen in dem 2003 eingerichten Raum verbunden wurden.

In anderen Dokumenten, die Informationen zur Ausrüstung im AT&T Geheimraum enthielten, war wiederum die Rede von Narus ST-6400, einem Gerät zur semantischen Trafficanalyse. Wie Klein auch aussagte, habe er aus Gesprächen mit Kollegen erfahren, dass ähnliche Installationen an AT&T Standorten in Seattle, San Jose, Los Angeles und San Diego vorgenommen wurden. Aber es gibt ja in den USA nicht nur AT&T.
"This took expert planning and hundreds of millions of dollars to build," said Brian Reid, director of engineering at the Internet Systems Consortium in Redwood City, Calif. "This is the correct way to do high volume Internet snooping."
Diese Dokumente hat nun die NYT vier unabhängigen Experten für Teko- und Computersicherheit für eine Beurteilung vorgelegt. Im Ergebnis sagten alle Experten, dass die Dokumente zeigen, dass AT&T eine Vereinbarung mit der Bundesregierung - sprich auch der NSA - eingegangen ist mit dem Ziel systematisch den Informations- und Datenfluss, der über das AT&T Netzwerk abgewickelt wird, nach Informationen zu durchsuchen.
EFFs ATTNSA Logo
Wohl zu dem gleichen Schluß ist man längst bei der Electronic Frontier Foundation gekommen, die ein Gerichtsverfahren gegen AT&T angestrengt hat und dazu auch Kleins Aussagen und die AT&T Dokumente verwendet. Bisher sind die Dokumente noch nicht öffentlich zugänglich - was AT&T und die Bundesregierung auch am liebsten beibehalten würde, weil es sich ja eigentlich um den Besitz von AT&T handelt und eine Veröffentlichung der Bushregierung verständlicherweise sehr unangenehm wäre. Die EFF will aber eine Veröffentlichung der Dokumente erreichen. Eine ausführliche Dokumentation findet sich auf der EFF Seite EFF's Class-Action Lawsuit Against AT&T for Collaboration with Illegal Domestic Spying Program.

Über Narus und deren Produktreihe NarusInsight zur Netzwerküberwachung berichtete Daily Kos ausführlich in All About NSA's and AT&T's Big Brother Machine, the Narus 6400. Kurz gesagt können u.a. auch Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden für Überwachungsaktionen mit Hilfe der Narus Produkte sehr große Mengen an Daten abfangen, klassifizieren und analysieren.

Eine paar anschauliche Erklärungen und Grafiken bietet neben dem Daily Kos Beitrag die PDF Präsentation Configurable IP Platform for Network Analytics, die man bei SCAMPI (Scaleable Monitoring Platform for the Internet (...) a two-and-a-half-year European project, part-funded by the European Commission, to develop a scaleable monitoring platform for the Internet. It also aims to promote the use of monitoring tools for improving services and technology.) findet, in der auch auf die semantische Trafficanalyse eingegangen wird:
Narus Semantic Traffic Analyse
Was Narus für die Intelligence Community bietet, wird kurz und grafisch in der PDF Präsentation NARUS Intelligence dargestellt:
Narus Intelligence
Das Erschreckende an der ganzen Sache ist die Dreistigkeit, mit der sich mittlerweile die Geheimdienste bzw. Regierungen offen und direkt um die Überwachung ihrer Bürger bemühen, der Wegfall jeglichen Richtervorbehalts und dem Ausradieren rechtsstaatlicher Prinzipien wie der Unschuldsvermutung oder dem Grundrecht auf private Kommunikation.

Waren es in den 90er Jahren noch die Carnivore Blackboxen, die das FBI bei Providern aufstellte, um nach einer Überwachungsanordnung die Telekommunikation abzuhören, das Echelonsystem, das doch mehr oder weniger extern auf die Kommunikationsströme und -hardware zugriff oder hierzulande die SINA-Box, mit der Strafverfolgungsbehörden nach einer Überwachungsanordnung die ETSI konformen Überwachungsschnittstellen der ITK-Provider nutzen, sitzen sie nun bereits in den USA direkt mit ihren Total Information Awareness Data-Mining Programmen in den ITK-Zentralen, um allgemein und mit voller Bandbreite jegliche Kommunikation zu durchsieben.

Die AT&T / NSA Kooperation zeigt aber auch anschaulich und mahnt uns, in welche Richtung sich die generelle Überwachung der Telekommunikation in Europa entwickeln könnte, für die in den 90er Jahren der Grundstein gelegt und die mit der EU-Direktive zur Verkehrsdatenvorratsspeicherung weiter ausgebaut wurde. Angesichts dieser Entwicklungen ist der Spruch "Ich habe doch nichts zu verbergen" und das damit abhanden gekommene Rechtsbewustsein nur noch grotesk.
von rabenhorst - Owl, gepostet am Samstag, 15. April 2006 um 11:04
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