Big Brothers und das Web 2.0
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Mit Interesse habe ich den Artikel Pentagon sets its sights on social networking websites des New Scientist gelesen und etwas amüsiert beobachtet, wie der Artikel einen Großteil der Blogosphäre und der Web 2.0 Community aufgeschreckt und aufgeregt hat.
Dabei ist es mitnichten ein Geheimnis oder ein Novum, dass sich die U. S. Geheimdienste und das U. S. Verteidigungsministerium verstärkt um das Datamining von Websites und Weblogs bemühen – nicht zuletzt zur Identifizierung sozialer Netzwerke und Beziehungen zwischen einzelnen Personen.
Deshalb ist es nur folgerichtig und logisch, dass man sich in Zukunft auch verstärkt dem widmet, was mit "semantischem Web", "Web 2.0" oder "sozialen Webdiensten" umschrieben wird. In diesem Zusammenhang ist das Aufspüren der ARDA gesponsorten Forschungsarbeit Semantic Analytics on Social Networks bedeutsam.
Alle Quellen, die sich in Webangeboten und -diensten finden, für "Information Exploitation" auszuwerten, um neben interessanten Inhalten die dahinterstehenden Personen und ihre Beziehungen zu anderen Personen zu identifizieren – das waren schon bei den DARPA Total Information Awareness Programmen Ziele, die u. a. als Topsail / Basketball genauso weiterleben wie die zum Disruptive Technology Office (DTO) umbenannte ARDA Behörde. Sie finden sich auch in anderen Forschungsarbeiten wie z. B. Mining Web Documents for Unintended Information Revelation wieder.
Bereits anhand von Äußerungen des Direktors des neuen Open Source Centers (OSC) des Direktorats für Nationale Sicherheit (DNI) und des Deputy Assitant Direktors für Open Source Intelligence des Direktorats wurde deutlich, dass zu den neuen Betätigungsfeldern des OSC auch Weblogs gehören, wie die Washington Times im April 2006 in CIA mines 'rich' content from blogs berichtete. Einen ähnlich großen Widerhall wie der Artikel des New Scientist fand damals der Artikel nicht in der Blogosphäre.
Im März 2006 berichtete das der Geheimdienstcommunity nahestehende SIGNAL Magazin etwas ausführlicher in Intelligence Center Mines Open Sources über das OSC.
Demnach ist das OSC nicht so neu, denn eigentlich handelt es sich bei dem OSC um den "alten" CIA Foreign Broadcast Information Service (FBIS), der seit 1941 existierte und sich auf die Auswertung ausländischer Medien beschränkte. Neben Institutionen wie dem USNORTHCOM für das US-Militär bedient das OSC die gesamte U. S. Geheimdienstcommunity mit geheimdienstlich relevanten Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen (OSINT) und hat zur Aufgabe, eine gemeinsame Infrastruktur für alle Geheimdienste für die Erhebung, den Austausch und die Analyse von OSINT aufzubauen. Das OSC Personal rekrutiert sich aus allen Geheimdiensten und Strafverfolgungsbehörden, umgekehrt werden OSC Agenten landes- und weltweit in verschiedenen U. S. Behörden eingesetzt. Die Größe des Personals soll ein paar Hundert Personen betragen und bis 2009 verdoppelt werden.
Neben der eigentlichen Schnüffelarbeit unterhält das OSC eine Akademie, an der in zwei Dutzend Kursen auch Angehörigen ausländischer "Partnerdienste" das Datamining und die Analyse öffentlicher Quellen beigebracht wird. Außerdem wird im OSC zu neuen Techniken für Data Mining und Analyse geforscht, wo dann Ämter wie das DTO wieder ins Spiel kommen, aber auch zahlreiche privatwirtschaftliche Unternehmen und Universitäten, die für das OSC Anwendungen und Tools für Data Mining und Analyse entwickeln. Der Artikel nennt dazu einen alten Bekannten – die CIA Venturekapitalfirma In-Q-Tel, die für das OSC "topaktuelle Techniken herbeischaffe, die nocht nicht einmal kommerziell verfügbar seien".
Entgegen der Abschottung des OSC wirkt es etwas belustigend, dass über 98% der Informationen aus nicht als geheim klassifizierten Daten bestehen soll, aber schließlich soll auch nicht öffentlich werden, welche Quelle von wem zu welcher Fragestellung ausgeschürft wird oder welche Datenbestände kommerzieller Datenbankanbieter integriert sind. Jeden Monat produziert das OSC 30 Analyseanwendungen und die Filteranwendungen übersetzen 30 Millionen Wörter. Zur Finanzierung sagt der Signalartikel nichts. Dafür findet sich im launigen oss.net Kommentar Open Source Intelligence (OSINT), Foundation for IO/IC die Summe von 100 Millionen US$ – allerdings insgesamt bis 2009, wie man bei oss.net bemängelt.
Einen aktuellen und visuellen Überblick zu den Aktitivitäten des OSC bietet die "OSINT" Präsentation Open Source Enterprise – Were all a part of it! (wie wahr) vom 4. April 2006 des Defense Technical Information Center. Ein paar Slides:
Schwarz und Weiß - Die offenen Quellen für das OSC Intelligence Data Mining.

Der Geheimdienstkomplex und seine Kunden.

Weltweite Zuarbeit für das OSC.
Wer sich einmal unterhaltsam anschauen möchte, wie eines der Interfaces im OSC und den vernetzten Behörden aussehen könnte, sollte sich einmal die Flashtour zu Silobreaker anschauen – dem "web-based current awareness service".
Wegen der kommenden oder bereits laufenden Ausbeutung des "Web 2.0" durch Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden alle "Web 2.0" Dienste oder gar das W3C allgemein zu verteufeln, weil es von der NSA Spenden bekommen hat, wie es in einigen Weblogs anklingt, halte ich für genauso naiv und kindisch, wie dem "Web 2.0" stets alle Daten anzuvertrauen oder ihm mit der realen Identität zu begegnen. Auch die individuelle Risiko-Nutzen Abschätzung dürfte stark variieren. Wie bei vielen Diensten und Techniken mit mehreren Gesichtern kommt es halt immer auf das Brain 2.0 an, das vor dem Web 2.0 hockt.
Dabei ist es mitnichten ein Geheimnis oder ein Novum, dass sich die U. S. Geheimdienste und das U. S. Verteidigungsministerium verstärkt um das Datamining von Websites und Weblogs bemühen – nicht zuletzt zur Identifizierung sozialer Netzwerke und Beziehungen zwischen einzelnen Personen.
Deshalb ist es nur folgerichtig und logisch, dass man sich in Zukunft auch verstärkt dem widmet, was mit "semantischem Web", "Web 2.0" oder "sozialen Webdiensten" umschrieben wird. In diesem Zusammenhang ist das Aufspüren der ARDA gesponsorten Forschungsarbeit Semantic Analytics on Social Networks bedeutsam.
Alle Quellen, die sich in Webangeboten und -diensten finden, für "Information Exploitation" auszuwerten, um neben interessanten Inhalten die dahinterstehenden Personen und ihre Beziehungen zu anderen Personen zu identifizieren – das waren schon bei den DARPA Total Information Awareness Programmen Ziele, die u. a. als Topsail / Basketball genauso weiterleben wie die zum Disruptive Technology Office (DTO) umbenannte ARDA Behörde. Sie finden sich auch in anderen Forschungsarbeiten wie z. B. Mining Web Documents for Unintended Information Revelation wieder.
Bereits anhand von Äußerungen des Direktors des neuen Open Source Centers (OSC) des Direktorats für Nationale Sicherheit (DNI) und des Deputy Assitant Direktors für Open Source Intelligence des Direktorats wurde deutlich, dass zu den neuen Betätigungsfeldern des OSC auch Weblogs gehören, wie die Washington Times im April 2006 in CIA mines 'rich' content from blogs berichtete. Einen ähnlich großen Widerhall wie der Artikel des New Scientist fand damals der Artikel nicht in der Blogosphäre.
"A lot of blogs now have become very big on the Internet, and we're getting a lot of rich information on blogs that are telling us a lot about social perspectives and everything from what the general feeling is to ... people putting information on there that doesn't exist anywhere else"
Douglas J. Naquin, OSC Direktor.
Das im November 2005 angekündigte und im CIA Hauptquartier angesiedelte Open Source Center und das Direktorat für Nationale Sicherheit steht bei der Ausbeutung sozialer Netzwerke und Weblogs viel mehr im Mittelpunkt als die NSA selbst. Warum? Weil aus einem DTO Informationsdokument zum ARDA / DTO Unterprogramm Video Analysis and Content Extraction (VACE) des Forschungsschwerpunktes Information Exploitation (InfoEx) hervorgeht, dass ARDA mit der Umbenennung in das DTO zugleich nicht mehr eine Unterorganisation der NSA ist, sondern als DTO direkt der Abteilung National Intelligence for Science and Technology (ADNI/S&T) im DNI untersteht. Nur am Rande – VACE ist neben der Verwendung zur Videoüberwachung auch für die Auswertung von Videoquellen bei YouTube, MySpace oder Google Video von Interesse.
Douglas J. Naquin, OSC Direktor.
ARDA was a research organization that was jointly established in December 1998 by the U.S. Department of Defense (DoD) (http://dod.gov/) and the U.S. Intelligence Community (IC) (http://www.intelligence.gov/). ARDA was organizationally part of the National Security Agency and its mission was to incubate revolutionary, disruptive research and development (R&D) activities within the broad field of Information Technology. While its mission remains the same, ARDA, renamed the DTO, has become an organization under the Director of National Intelligence (DNI). The DNI, itself, was established on 21 April 2005 to serve as the head of the U.S. Intelligence Community. The DTO falls directly under the aegis of the Associate Director of National Intelligence for Science and Technology (ADNI/S&T).
The DTO's individual research programs are organized around broad research topics called research focuses. One of these research focus areas is Information Exploitation (InfoEx), and under InfoEx is the VACE program. In all cases, DTO's research focus areas and programs have been established and executed for the shared benefit of the DoD and IC. In order to satisfy this mission, DTO, in close cooperation with its DoD and IC partners, originates and manages advanced research and development (R&D) programs...
Über das Open Source Center ist außer der Ankündigung und einzelnen Presseartikeln wie dem Telepolisartikel wenig bekannt. Wer auf den Link zum OSC geklickt hat, sieht, dass man nur mit einem Account an die Angebote kommt. Der Datenverkehr läuft über das abgeschottete INTELINK Netzwerk des Verteidigungsministeriums, Informationen werden über die jeweiligen, ebefalls abgeschotteten Netzwerke der U. S. Behörden wie dem Secret Internet Protocol Router Network (SIPRNET) oder dem Joint Worldwide Intelligence Communications System (JWICS) an die angeschlossenen Behörden ausgeliefert.
The DTO's individual research programs are organized around broad research topics called research focuses. One of these research focus areas is Information Exploitation (InfoEx), and under InfoEx is the VACE program. In all cases, DTO's research focus areas and programs have been established and executed for the shared benefit of the DoD and IC. In order to satisfy this mission, DTO, in close cooperation with its DoD and IC partners, originates and manages advanced research and development (R&D) programs...
Im März 2006 berichtete das der Geheimdienstcommunity nahestehende SIGNAL Magazin etwas ausführlicher in Intelligence Center Mines Open Sources über das OSC.
Demnach ist das OSC nicht so neu, denn eigentlich handelt es sich bei dem OSC um den "alten" CIA Foreign Broadcast Information Service (FBIS), der seit 1941 existierte und sich auf die Auswertung ausländischer Medien beschränkte. Neben Institutionen wie dem USNORTHCOM für das US-Militär bedient das OSC die gesamte U. S. Geheimdienstcommunity mit geheimdienstlich relevanten Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen (OSINT) und hat zur Aufgabe, eine gemeinsame Infrastruktur für alle Geheimdienste für die Erhebung, den Austausch und die Analyse von OSINT aufzubauen. Das OSC Personal rekrutiert sich aus allen Geheimdiensten und Strafverfolgungsbehörden, umgekehrt werden OSC Agenten landes- und weltweit in verschiedenen U. S. Behörden eingesetzt. Die Größe des Personals soll ein paar Hundert Personen betragen und bis 2009 verdoppelt werden.
Neben der eigentlichen Schnüffelarbeit unterhält das OSC eine Akademie, an der in zwei Dutzend Kursen auch Angehörigen ausländischer "Partnerdienste" das Datamining und die Analyse öffentlicher Quellen beigebracht wird. Außerdem wird im OSC zu neuen Techniken für Data Mining und Analyse geforscht, wo dann Ämter wie das DTO wieder ins Spiel kommen, aber auch zahlreiche privatwirtschaftliche Unternehmen und Universitäten, die für das OSC Anwendungen und Tools für Data Mining und Analyse entwickeln. Der Artikel nennt dazu einen alten Bekannten – die CIA Venturekapitalfirma In-Q-Tel, die für das OSC "topaktuelle Techniken herbeischaffe, die nocht nicht einmal kommerziell verfügbar seien".
Entgegen der Abschottung des OSC wirkt es etwas belustigend, dass über 98% der Informationen aus nicht als geheim klassifizierten Daten bestehen soll, aber schließlich soll auch nicht öffentlich werden, welche Quelle von wem zu welcher Fragestellung ausgeschürft wird oder welche Datenbestände kommerzieller Datenbankanbieter integriert sind. Jeden Monat produziert das OSC 30 Analyseanwendungen und die Filteranwendungen übersetzen 30 Millionen Wörter. Zur Finanzierung sagt der Signalartikel nichts. Dafür findet sich im launigen oss.net Kommentar Open Source Intelligence (OSINT), Foundation for IO/IC die Summe von 100 Millionen US$ – allerdings insgesamt bis 2009, wie man bei oss.net bemängelt.
Einen aktuellen und visuellen Überblick zu den Aktitivitäten des OSC bietet die "OSINT" Präsentation Open Source Enterprise – Were all a part of it! (wie wahr) vom 4. April 2006 des Defense Technical Information Center. Ein paar Slides:

Schwarz und Weiß - Die offenen Quellen für das OSC Intelligence Data Mining.

Der Geheimdienstkomplex und seine Kunden.

Weltweite Zuarbeit für das OSC.
Wegen der kommenden oder bereits laufenden Ausbeutung des "Web 2.0" durch Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden alle "Web 2.0" Dienste oder gar das W3C allgemein zu verteufeln, weil es von der NSA Spenden bekommen hat, wie es in einigen Weblogs anklingt, halte ich für genauso naiv und kindisch, wie dem "Web 2.0" stets alle Daten anzuvertrauen oder ihm mit der realen Identität zu begegnen. Auch die individuelle Risiko-Nutzen Abschätzung dürfte stark variieren. Wie bei vielen Diensten und Techniken mit mehreren Gesichtern kommt es halt immer auf das Brain 2.0 an, das vor dem Web 2.0 hockt.
von rabenhorst - Owl,
gepostet am Sonntag, 11. Juni 2006 um 15:40

