RFID und CCTV Überwachung in der Stadt der Zukunft
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Ausgewählte Testobjekte für neue Überwachungsprojekte
Ich bin aufgrund etlicher Beobachtungen seit langem der Auffassung, dass viele neue und invasivere Überwachungssysteme und -anwendungen zuerst bei bestimmten Personenkreisen getestet werden, bevor eine breitere Anwendung ins Auge gefasst wird.
Zu diesen Personenkreisen zählen Menschen, die entweder einen geringen gesellschaftlichen Status besitzen, einen niedrigen Wert aufweisen, was ihre Eignung als Objekt medialer Berichterstattung betrifft, die sich in mehr oder weniger von der Gesellschaft und der Öffentlichkeit abgeschotteten Lebens- und Arbeitsbereichen bewegen oder deren Schutz- bzw. Kontrollwürdigkeit sich mit Emotionen der Bevölkerung verknüpfen lassen.
Dazu zählen Häftlinge, psychisch Erkrankte, die geschlossen behandelt werden, Kinder, Soldaten, sozial Hilfebedürftige, Arbeitslose.
Über ein neues Projekt, das diesen Prozess verdeutlicht und sich diesmal auf Schulkinder als Personenkreis konzentriert, wird laut des RFID in Japan Beitrages Saitama Schools to Use Active RFID Tags an zwei Grundschulen der japanischen Stadt Warabi in der Präfektur Saitama durchgeführt.
Dem Beitrag zufolge wurden um die Schulen herum und entlang der Schulwege – also im öffentlichen Raum jenseits der Schulmauern – jeweils 30 RFID Stationen installiert, die diesmal nicht als Sender die Daten passiver RFID Tags abfragen, wie bei den meisten RFID Lösungen, da passive im Vergleich zu aktiven Chips (noch) kostengünstiger sind und aufgrund der unnötigen Energiequelle einen geringeren Platzbedarf aufweisen.
Stattdessen handelt es sich um RFID Sender / Empfänger, die Signale aktiver RFID Chips, die von den Chips selbst abgestrahlt werden, auffangen und weiterverarbeiten.
Das Ganze dient dazu, jederzeit persönliche Aufenthaltsorte und Bewegungen jedes Kindes festzustellen, die dann vom Lehrpersonal und den Eltern über ein Webinterface permanent verfolgt und abgerufen werden können. Dabei weisen dem Beitrag zufolge die aktiven Chips eine Kommunikationsreichweite von 30 - 40 Metern auf, was einen entschieden größeren Überwachungsraum bildet, als die bekannten Terminals und Sicherheitsschleusen für passive RFID Tags.
Die Emotionen Sorge, Angst oder Mißtrauen auf Seiten der Eltern und die Kontroll- und Disziplinaraufgaben des Lehrpersonals, gepaart mit der unzweifelhaften Schutzbedürftigkeit von Grundschülern und der gleichzeitigen, von mir unterstellten Abwesenheit alternativer Lösungen wie Schulbegleiter, Schülerlotsen oder Schulbusse dürfte die Bereitschaft einer Mitwirkung bei derartigen Projekten immer garantieren, wenn man alle beteiligten Personen von Anfang an in ein Projekt integriert und nicht vor den Kopf stößt wie seinerzeit an einer amerikanischen Schule, die nach Protesten der Eltern ihr RFID Überwachungsprogramm wieder einstampfen musste.
Das NextCom / RF Code System - RFID Überwachung wird aktiv
Die technischen Komponenten für das Projekt (Stationen und RFID Chips) wurden von dem japanischen Unternehmen NextCom unter der Bezeichnung "Spider" bereitgestellt, das dafür eigens eine RFID Website unterhält, aber eigentlich nur auf die Produkte des Unternehmens RF Code zurückgreift. Die Anbindung und Übertragung der Daten des RFID Chips wird dabei von dem Netzwerkanbieter Warabi Cable Vision realisiert. Den Abbildungen bei NextCom zufolge, bekommen die Kinder einen aktiven RF Code 303 Mhz Mantis RFID Chip , der in eine ca. 6 x 3 Zentimeter große Plastikhülle eingekapselt ist und wie die Bezeichnung schon aussagt, mit einer Funkfrequenz von 303 Mhz arbeitet. Entgegen des RFID in Japan Beitrages weist der Hersteller eine Reichweite von ca. 90 Metern aus. Der Chip kann zwei Arten von Signalen automatisch aussenden. Bewegt sich das Objekt, sendet der Chip jede Sekunde ein Signal, bleibt es stationär, nur alle 12,5 Sekunden. Erhöht einerseits die Genauigkeit von Positionen und schont gleichzeitig die Knopfzellenbatterien, die eine durchschnittliche Funktionsdauer von mehr als sieben Jahren aufweisen. Die Platine, auf dem der RFID Chip aufgebracht ist, besitzt zusätzliche Slots, um weitere Sensormodule zu integrieren (Mikrofon?).

Der RF Code Mantis RFID Chip. Die Breite der Abbildung entspricht der realen Länge.
Abbildung: RF Code.
Wie man auf den beiden NextCom Abbildungen leicht erkennen kann, spielt entweder die gleichzeitige Videoüberwachung ebenfalls eine Rolle oder das System kann durch zusätzliche CCTV-Videoüberwachung erweitert werden. Außerdem, dass man nicht nur an Schulkinder denkt, die man mit dem Mantissystem überwachen will.
Das Qinetiq / LastMile System
Ein ähnliches System wird zur Zeit auch in Europa, namentlich von dem Unternehmen und Ausrüster der britischen Geheimdienste und Armee Qinetiq in Kooperation mit dem Unternehmen LastMile gestartet. Das Ziel laut der Qinetiq Pressemitteilung QinetiQ wins £6.2m contract to deliver high speed communications through road signs and lamp posts:
Man wird ein Hochgeschwindigkeits-Funknetzwerk für die LastMile WDirect Information Nodes entwickeln, die an Lampenmasten, Verkehrsschildern, Werbetafeln usw. angebracht werden. Also überall dort, wo bereits die ca. 4,2 Millionen Videoüberwachungskameras in Großbritannien hängen. Steht das Netzwerk mit den Nodes, können sich Einheimische und Touristen auf alle mobilen Geräte wie PDAs, Handys usw. Informationen zum jeweiligen Standort laden. Dazu benötigt man nur ein Stück Software mit der Bezeichnung "MagicBook". Und so wird Qinetiq das System den britischen Stadträten schmackhaft machen:
Once commissioned, LastMile expects these systems to allow retailers and other commercial services like hotels, restaurants and shops to communicate special offers and useful information instantly and very cheaply to all motorists within a given radius of a specific site, extending the current pedestrian model enabled by LastMile today. Users will be able to access this localised information via a range of mobile devices.
Aber das System ist auch für den umgekehrten Weg gedacht, denn zu den "Features" der WDirect Nodes zählt LastMile die Überwachung per RFID und das weiß Qinetiq ganz genau:
- Security provides secure delivery of content to the point of comsumption with appropriate services authorization
- Modular Design can support remote data collection and management, e.g. Radio Frequency Identification (RFID) readers for asset tracking or sensors
Stadt der Zukunft
Man beachte, dass erst seit einigen Jahren von der beginnenden RFID Revolution gesprochen wird und sowohl Produktionskosten weiter sinken, als auch eine höhere Integration und Miniaturisierung von RFID Tags erfolgt. Auch ein Ende der Installationen von CCTV Videoüberwachungskameras und -netzwerken ist nicht absehbar, im Gegenteil. In Kombination mit dem beginnenden Siesgeszug von WiFi-Accesspoints bis hin zu ganzen Wifi-Stadtnetzen, über die in Zukunft auch die Daten von RFID-Chips und Videoüberwachungskameras in die Kontrollzentren transportiert werden, haben wir hier die zukünftige Überwachungsinfrastruktur in unseren Städten und Straßen vor uns. Der neue RFID Personalausweis, der ab 2007 ausgegeben wird, hat eine Gültigkeitsdauer von zehn Jahren und die Generation der ID-Dokumente, die danach folgt, wird ganz andere Funktionen mit sich bringen.
von rabenhorst - Owl,
gepostet am Dienstag, 27. Juni 2006 um 14:14




