Verordnetes Filtern in Great Britain
Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.
Wie im Guardian Artikel Surfing with a safety net zu lesen ist, plant man in Großbritannien nicht nur die Verwässerung der Menschenrechte oder die erzwungene Herausgabe von Passwörtern und Kryptoschlüsseln, sondern auch die landesweit vorgeschriebene Installation von Filtersoftware bei allen britischen Internet Service Providern. Wie bei der Herausgabe von Kryptoschlüsseln, die Bestandteil des dritten Teils des Überwachungsgesetzes "Regulation of Investigatory Powers Acts (RIPA)" sind, argumentiert man auf Seiten der britischen Regierung mit dem Handel von Kinderpornografie und der Kommunikation von Pädophilen, die das Web nutzen würden, um zu handeln und sich auszutauschen.
Vor einem Monat hatte der parlamentarische Unterstaatssekretär des Innenministeriums, Vernon Coaker, ein Ultimatum für die britischen ISPs formuliert. Mit dem Argument, es sei mittlerweile für die ISPs technisch möglich, Websites zu blockieren, egal in welchem Land sie gehostet werden, kündigte Vernon an, dass man erwarte, dass alle ISPs bis Ende 2007 Filtersysteme installieren, die verschlüsselte Listen der Internet Watch Foundation (IWF) integrieren, die Adressen unerwünschter Webinhalte beinhalten. Andernfalls würde die britische Regierung gesetzlich aktiv werden.
Anhand des RIPA Gesetzes und dem ständig in die Öffentlichkeit transportierten Hinweis, das Internet und das WWW diene als Plattform für Terroristen, ist abzulesen, dass der Anschluß aller ISPs an eine einheitliche Filterinfrastruktur auch dem Zweck dient, für die "Nationale Sicherheit" allgemein die Rezipientenfreiheit einzuschränken. Auch wenn es begrüßenswert und notwendig ist, wenn Inhalte der Kinderpornografieszene und einige Angebote terroristischer bzw. krimineller Organisationen international verfolgt werden, muss immer auch im Auge behalten werden, dass derartige Systeme nicht nur die oben angesprochene Freiheit, sich selbst ungefiltert im Internet zu informieren und eine Meinung zu bilden, stark einschränken kann, sondern auch missbräuchlich zur Errichtung von Zensurinfrastrukturen wie in China umfunktioniert werden können.
Von der zweifelhaften Effizienz derartiger Filtersysteme mal ganz abgesehen, denn zahlreiche Experten für Filtersysteme, Strafverfolgung im Internet und selbst die Hersteller von Filtersoftware, die auch im Guardian Artikel zu Wort kommen, erklären durch die Bank, dass derlei Aktionen sinnlos seien. Anbieter könnten z. B. einfach den Port ändern und so die Filterung, die oftmals nur den üblichen HTTP Port 80 erfasst, aushebeln. Auch besitzen z. B. die Websites von Pädophilen nur eine geringe Funktionsdauer – sie werden kurzzeitig aktiviert, man betreibt den gewünschten Austausch und fährt die Site anschließend wieder herunter. Die Bilderkennungsalgorithmen zur Unterscheidung harmloser Abbildungen von kinderpornografischen Fotos seien auch nicht so intelligent, um zuverlässig Inhalte zu filtern. Last but not least würden Kriminelle eher klandestin über Filesharingplattformen, geschlossenen Webforen und Chatchannels kommunizieren und handeln.
Die IWF, deren Filterlisten auch von dem ISP Tiscali und der Suchmaschine Google verwendet werden, kann dagegen in ihrem Bericht für das Jahr 2005 nur stolz verkünden, dass seit ihrer Gründung im Jahr 1996 der Anteil an Kinderpornografie, der in Großbritannien gehostet wird, von 18% auf 0,4% gesunken sei. Da die IWF auch als nationale Meldestelle für illegale Inhalte dient – in Deutschland übernimmt dies jugendschutz.net und die FSM – ein Blick auf die Statistik der Meldungen. Demnach wurden 2005 23658 Meldungen bei der IWF eingereicht und von der IWF 6128 als Angebote mit illegalem Inhalt klassifiziert.
Die IWF ist Gründungsmitglied von INHOPE (Association of Internet Hotline Providers in Europe), dem internationalen Verband aller Meldestellen und Filterlistenanbiter, der 1999 als Bestandteil des EU Safer Internet Programmes gegründet wurde. Zu den ISPs, die der IWF angeschlossen sind, zählen neben Tiscali AOL, British Telecom, Easynet und Wanadoo aber auch der größte Internetaustauschknotenpunkt Englands LINX. Zu den Mitgliedern in der Mobilfunksparte zählen 02, T-Mobile, Vodafone, Nokia und Orange. Zu den angeschlossenen Suchmaschinenanbietern neben Google MSN, Ask Jeeves, Lycos und Mirago. Zu den Filtersoftwareherstellern, die IWF Filterlisten integrieren, zählen Blue Coat, Clearswift, SurfControl, Netintelligence, McAfee, Websense, Sophos und StreamShield. Gesponsort wird die IWF u. a. von Microsoft und Adobe.
Vor einem Monat hatte der parlamentarische Unterstaatssekretär des Innenministeriums, Vernon Coaker, ein Ultimatum für die britischen ISPs formuliert. Mit dem Argument, es sei mittlerweile für die ISPs technisch möglich, Websites zu blockieren, egal in welchem Land sie gehostet werden, kündigte Vernon an, dass man erwarte, dass alle ISPs bis Ende 2007 Filtersysteme installieren, die verschlüsselte Listen der Internet Watch Foundation (IWF) integrieren, die Adressen unerwünschter Webinhalte beinhalten. Andernfalls würde die britische Regierung gesetzlich aktiv werden.
Anhand des RIPA Gesetzes und dem ständig in die Öffentlichkeit transportierten Hinweis, das Internet und das WWW diene als Plattform für Terroristen, ist abzulesen, dass der Anschluß aller ISPs an eine einheitliche Filterinfrastruktur auch dem Zweck dient, für die "Nationale Sicherheit" allgemein die Rezipientenfreiheit einzuschränken. Auch wenn es begrüßenswert und notwendig ist, wenn Inhalte der Kinderpornografieszene und einige Angebote terroristischer bzw. krimineller Organisationen international verfolgt werden, muss immer auch im Auge behalten werden, dass derartige Systeme nicht nur die oben angesprochene Freiheit, sich selbst ungefiltert im Internet zu informieren und eine Meinung zu bilden, stark einschränken kann, sondern auch missbräuchlich zur Errichtung von Zensurinfrastrukturen wie in China umfunktioniert werden können.
Von der zweifelhaften Effizienz derartiger Filtersysteme mal ganz abgesehen, denn zahlreiche Experten für Filtersysteme, Strafverfolgung im Internet und selbst die Hersteller von Filtersoftware, die auch im Guardian Artikel zu Wort kommen, erklären durch die Bank, dass derlei Aktionen sinnlos seien. Anbieter könnten z. B. einfach den Port ändern und so die Filterung, die oftmals nur den üblichen HTTP Port 80 erfasst, aushebeln. Auch besitzen z. B. die Websites von Pädophilen nur eine geringe Funktionsdauer – sie werden kurzzeitig aktiviert, man betreibt den gewünschten Austausch und fährt die Site anschließend wieder herunter. Die Bilderkennungsalgorithmen zur Unterscheidung harmloser Abbildungen von kinderpornografischen Fotos seien auch nicht so intelligent, um zuverlässig Inhalte zu filtern. Last but not least würden Kriminelle eher klandestin über Filesharingplattformen, geschlossenen Webforen und Chatchannels kommunizieren und handeln.
Die IWF, deren Filterlisten auch von dem ISP Tiscali und der Suchmaschine Google verwendet werden, kann dagegen in ihrem Bericht für das Jahr 2005 nur stolz verkünden, dass seit ihrer Gründung im Jahr 1996 der Anteil an Kinderpornografie, der in Großbritannien gehostet wird, von 18% auf 0,4% gesunken sei. Da die IWF auch als nationale Meldestelle für illegale Inhalte dient – in Deutschland übernimmt dies jugendschutz.net und die FSM – ein Blick auf die Statistik der Meldungen. Demnach wurden 2005 23658 Meldungen bei der IWF eingereicht und von der IWF 6128 als Angebote mit illegalem Inhalt klassifiziert.
Die IWF ist Gründungsmitglied von INHOPE (Association of Internet Hotline Providers in Europe), dem internationalen Verband aller Meldestellen und Filterlistenanbiter, der 1999 als Bestandteil des EU Safer Internet Programmes gegründet wurde. Zu den ISPs, die der IWF angeschlossen sind, zählen neben Tiscali AOL, British Telecom, Easynet und Wanadoo aber auch der größte Internetaustauschknotenpunkt Englands LINX. Zu den Mitgliedern in der Mobilfunksparte zählen 02, T-Mobile, Vodafone, Nokia und Orange. Zu den angeschlossenen Suchmaschinenanbietern neben Google MSN, Ask Jeeves, Lycos und Mirago. Zu den Filtersoftwareherstellern, die IWF Filterlisten integrieren, zählen Blue Coat, Clearswift, SurfControl, Netintelligence, McAfee, Websense, Sophos und StreamShield. Gesponsort wird die IWF u. a. von Microsoft und Adobe.
von rabenhorst - Owl,
gepostet am Freitag, 30. Juni 2006 um 10:52

