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CCTV-Panoptikum

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Der San Francisco Chronicle hat wieder einen jener Artikel im Programm, die mittlerweile wöchentlich, wenn nicht täglich, über den Ausbau und die Installation von CCTV Videoüberwachungsnetzen in amerikanischen Städten berichten, die entweder durch Antiterror-Finanzierungsprogramme des U. S. Heimatschutzministerium oder die Hersteller von Videoüberwachungsequipment gesponsert werden.

In dem Artikel Future fuzzy for government use of public surveillance cameras berichtet die Zeitung über Clovis. Eine jener Kleinstädte, die ihre Gründung im Westen der Eisenbahn verdanken, mit ca. 86 - 90000 Einwohnern, südlich von San Francisco gelegen, konservativ und relativ ruhig, was die Kriminalität angeht - laut des Artikels im laufenden Jahr noch kein Mord oder Totschlag.

Aber die Stadt hat bereits 100 Videoüberwachungskameras installiert, die in Polizeiautos, Polizeibüros und Überwachungszentralen bedient werden. Wie der Artikel aufzeigt, ist Clovis mit seinem bereits seit fünf Jahren bestehendem Netz und der großen Anzahl an Kameras zwar Vorreiter, aber gleichzeitig auch ein typisches Beispiel für den Rollout von Videoüberwachungsnetzen in kleinen und großen Städten in der gesamten Bay Area von San Francisco.
Clovis Guide

Der Besucherleitfaden von Clovis berichtet über allerlei betuliche Attraktionen, CCTV-Überwachungsnetze und -Experimente gehören nicht dazu.
In Clovis kommt hinzu, dass dort das Unternehmen Pelco seinen Sitz hat, dort größter Arbeitgeber und laut eigener Aussage einer der größten Hersteller für das gesamte Spektrum an Videoüberwachungstechnik, was auch die Entwicklung von Software zur Personen- und Gesichtserkennung einschließt. Deshalb ist es auch einleuchtend, wenn der Chronicle Clovis als das private "Labor" und "Ausstellungsstück" von Pelco bezeichnet. Ein weiteres Indiz: Zusätzlich zu den im gesamten Stadtgebiet verteilten Kameras werden demächst 60 Polizeiwagen mit einem neuen Überwachungskamerasystem ausgestattet, das aus zwei CCTV-Kameras besteht, die an der Wagenvorder- und -rückseite angebracht auch die mobile Überwachung von der Straße aus erlauben werden.
"'Can you read that?' Keyes asked. He had swiveled his office chair toward a television displaying the view from one of the more than 100 surveillance cameras in the city of 90,000, and then zoomed in on a small protest sign held by a woman at a downtown rally."
Überhaupt stellt der Artikel sehr gut eine weitere Entwicklung dar, der sich schon zu Anfang des beginnenden CCTV-Überwachungsbooms abzeichnete – die Zusammenschaltung und die Kooperation zwischen staatlich-polizeilichen und privaten CCTV-Netzwerken und Kameras. Eine Entwicklung, die sich in immer mehr Städten abspielt, nicht nur in und um San Francisco. Entweder arbeiten die Netze bereits permanent simultan oder aber Polizeibehörden können sich jederzeit zuschalten und eine bestimmte Kamera übernehmen.

Mit einer Intensivierung des Trends wird sich überall die Überwachungsdichte drastisch erhöhen (lassen), denn die behördlichen Kameras, deren Installation zumeist und mit geflissentlichem Ignorieren aller gegensätzlichen Studien mit dem Totschlagargument, man müsse kriminelle Hot-Spots überwachen und dort würde ja dann auch die Kriminalität zurückgehen, legitimiert und verteidigt werden, beschränken sich (noch) oft auf eben diese Punkte. Diese Spezialisierungen sind im privaten Einsatz eher selten und alle Hersteller können eigentlich nur noch über einen reißenden Absatz und steigende Verkaufskurven jubeln.
"'This is moving so quickly that it's moving faster than the controls,' Nestel said. 'Not too many people are evaluating whether it succeeds. Nobody was able to tell me that. The overwhelming response I got was, 'The public loves it. The public thinks it's great.''"
Im Artikel des Chronicle kommt auch der langjährige Polizeioffizier Thomas J. Nestel III zu Wort, der in seiner Arbeit Using Surveillance Camera Systems to Monitor Public Domains: Can Abuse Be Prevented untersuchte, wie es mit den Richlinien und dem Datenschutzauditing polizeilicher, städtischer Videoüberwachungsnetzwerke ausschaut. Das Ergebnis: Die wenigsten Behörden und Städte erlassen entsprechende Richtlinien, schulen die polizeilichen Überwacher auch hinsichtlich datenschutzrechtlicher Vorschriften oder führen gar Untersuchungen durch, wie effizient oder unnötig ihre Kameras eigentlich sind. Das trifft auch auf Clovis zu.
Pelco Clovis

Die andere Seite von Clovis: Schneller Brüter für das globale Videopanoptikum. Hier in Belo Horizonte, Brasilien.

Aus Pelco Pressemappe Sommer 2006
Homeland Security professionals appear to be nudging toward the United Kingdom's model of public domain monitoring. As we emulate the Panopticon vision for protecting urban areas, we must do so with concern for privacy expectations and with an eye on preventing abuse. Our responsibility as protectors of society requires us to relentlessly pursue persons and organizations that threaten the safety of our citizens. The zeal directed towards completing that task cannot overshadow the need to prevent the potential for abuse.

Aus der Schlußfolgerung von Nestels Arbeit.
Die Welle der Videoüberwachungsnetze ist nicht mehr aufzuhalten. Allenfalls kann das Ausmaß an Überwachung noch über strenge Richtlinien und Datenschutzgesetze, die sich speziell der Videoüberwachung widmen, etwas begrenzt werden, wenn ihre Einhaltung kontrolliert wird und sich die Öffentlichkeit für ihre Überwachung interessieren würde, anstatt der Propaganda der Hersteller und Sicherheitspolitiker zu folgen.

Scheint ja heute ein Videoüberwachungsschwerpunkt zu werden.
von rabenhorst - Owl, gepostet am Montag, 24. Juli 2006 um 10:50
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