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Mein Name ist Hase

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Gestern Abend. 19:45 Uhr. Es klingelt es an der Tür. Ich erwarte niemanden. Draussen steht ein normal aussehender Mittvierziger in routiniertem Businessanzug und einem Schreibblock unter dem Arm. Mit einem fröhlichen “Guten Abend, Herr Sabbeljan, wie war Ihr Arbeitstag?”, begrüsst er mich, bevor ich was sagen kann. Woher weiss der Typ denn, ob ich überhaupt Arbeit habe? “Jo, ok.”, stammel ich, “aber worum geht`s denn bitte?”

“Wenn es Ihnen nichts ausmacht, wollte ich mal sehen, was Sie so für Bücher im Regal stehen haben”, antwortet der Fremde selbstbewusst. “Äh, was? Wer sind Sie denn überhaupt?”, frage ich leicht irritiert? “Ach, entschuldigungen Sie, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Hase “, sagt er mit ernster Miene. “Nee, klar!”, bringe ich raus. Super diese Vertretertypen. Lernen die so was auf den “Wie-verkaufe-ich-mit-blöden-Sprüchen”-Seminaren? In Gedanken habe ich ihm schon die Tür vor der Nase zugeschlagen, aber irgendwie bin ich auch neugierig, was er von meinen Büchern will. “Was interessiert Sie, welche Bücher ich habe?”, frage ich. “Sie haben doch Bücher, oder?” “Klar, hab ich. Ne Menge sogar.” “Und Sie haben doch sicher spezielle Interessen?”, kommt es insistent vom Hasen im Einreiher.

Um 20:15 Uhr habe ich den Wetterbericht der Tagesschau verpasst und zeige dem grauen Schlappohr gerade meine kleine Sammlung von Robert Gernhardt-Büchern. Er notiert sich alles ordentlich, während er höflich meinen schnell aufgesetzten Tee schlürft. “Und ich sehe, Sie haben auch einiges an Reiselektüre. Was ist denn das nächste Reiseziel, wenn ich fragen darf?” Klar darf er. “Och, genau weiss ich nicht genau, aber es stehen noch einige Länder auf der Wunschliste. Kanada wäre klasse.” Die Pfoten vom Fragehäschen fliegen über das Papier.

Als die Katze sich langsam beschwert, dass sie immer noch nicht gefüttert wurde, stelle ich verwundert fest, wie lange ich schon mit dem unbekannten Herrn quatsche. Hat wohl doch Talent, denke ich so bei mir. Unaufdringlich in seiner ganzen Art, irgendwie. Ich bin ja kein Türkäufer. Trotz der angenehmen Atmosphäre will ich den Abend langsam mal in Ruhe ausklingen lassen. Das Gerede über Bücher hat meine Lust geweckt, noch was wegzuschmöckern.

Herr Hase bemerkt mein nachlassendes Interesse über Gebundenes zu schwadronieren und erhebt sich abrupt aus dem Sessel. “Vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft, es wird Zeit für mich zu gehen.” “Keine Ursache, war spannend mit Ihnen zu plaudern. Und danke noch mal für den Tipp, dass Lonely Planet demnächst eine Neuauflage zu Westkanada rausgibt.”

Um meinem leselampengrossen Gewissen Genüge zu tun, rufe ich ihm ein “Für wen arbeiten Sie denn nun eigentlich?”, ins Treppenhaus hinterher. Aber er ist schon aus der Tür und durchs Küchenfenster kann ich ihn noch um die Straßenecke hoppeln sehen.

Katze füttern. Mit dem restlichen Tee, spüle ich ein paar Seiten Gernhardt Lichte Gedichte runter und wälze mich ins Bett. Mit nervenden Fragen wie “Hab ich jetzt irgendein Abo gekauft?” und “Nächstes Mal läßt Du Dir aber irgendeinen Ausweis zeigen!”, antworte ich mich in einen oberflächlichen Schlaf.

Heute komme ich von der Arbeit nach Hause und leere mit alltäglichem Schwung den Briefkasten. Rechnungen. Nix besonderes. Und eine Visitenkarte. Hartmut Hase. Senior Account Manager. Nomaza Deutschland. Hinten drauf steht: Vielen Dank für das nette Gespräch.

von Sabbeljan, gepostet am Samstag, 19. August 2006 um 0:36
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Gestern Abend. 19:45 Uhr. Es klingelt es an der Tür. Ich erwarte niemanden. Draussen steht ein normal aussehender Mittvierziger in routiniertem Businessanzug und einem Schreibblock unter dem Arm. Mit einem fröhlichen “Guten Abend, Herr Sabbeljan, wie war Ihr Arbeitstag?”, begrüsst er mich, bevor ich was sagen kann. Woher weiss der Typ denn, ob ich überhaupt Arbeit habe? “Jo, ok.”, stammel ich, “aber worum geht`s denn bitte?”

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Um 20:15 Uhr habe ich den Wetterbericht der Tagesschau verpasst und zeige dem grauen Schlappohr gerade meine kleine Sammlung von Robert Gernhardt-Büchern. Er notiert sich alles ordentlich, während er höflich meinen schnell aufgesetzten Tee schlürft. “Und ich sehe, Sie haben auch einiges an Reiselektüre. Was ist denn das nächste Reiseziel, wenn ich fragen darf?” Klar darf er. “Och, genau weiss ich nicht genau, aber es stehen noch einige Länder auf der Wunschliste. Kanada wäre klasse.” Die Pfoten vom Fragehäschen fliegen über das Papier.

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Herr Hase bemerkt mein nachlassendes Interesse über Gebundenes zu schwadronieren und erhebt sich abrupt aus dem Sessel. “Vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft, es wird Zeit für mich zu gehen.” “Keine Ursache, war spannend mit Ihnen zu plaudern. Und danke noch mal für den Tipp, dass Lonely Planet demnächst eine Neuauflage zu Westkanada rausgibt.”

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Katze füttern. Mit dem restlichen Tee, spüle ich ein paar Seiten Gernhardt Lichte Gedichte runter und wälze mich ins Bett. Mit nervenden Fragen wie “Hab ich jetzt irgendein Abo gekauft?” und “Nächstes Mal läßt Du Dir aber irgendeinen Ausweis zeigen!”, antworte ich mich in einen oberflächlichen Schlaf.

Heute komme ich von der Arbeit nach Hause und leere mit alltäglichem Schwung den Briefkasten. Rechnungen. Nix besonderes. Und eine Visitenkarte. Hartmut Hase. Senior Account Manager. Nomaza Deutschland. Hinten drauf steht: Vielen Dank für das nette Gespräch.

von Sabbeljan, gepostet am um 0:36
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