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Vom Rauchen im Auto und dem Problem mit der Freiheit

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.

Ich habe ein Problem.

Anders angefangen. Wenn Eltern mit Kindern im Auto rauchen, finde ich das scheisse. Wenn Leute ihren Hund mitten auf den Weg kacken lassen, rege ich mich auf. Wenn mir Vollpfosten ohne Licht auf der falschen Seite mit einem Klapperrad entgegenschlingern, möchte ich am liebsten gleich selber Bußgelder verhängen. Und wenn sich die Menschen darüber freuen, dass man im Supermarkt zig Kilo Fleisch für knapp ein Euro kaufen kann, dann schüttel ich verständnislos den Kopf.

Insofern drängt sich die Idee eines Verbotes von Rauchen im Auto in Anwesenheit von Kindern durchaus auf.

Aber wie gesagt, ich habe ein Problem. Denke ich den Gedanken konsequent weiter, komme ich zu dem Schluß, dass ich mich dann ab morgen dafür stark machen müsste, dass man ein gesetztliches Verbot erlässt, mit einem Auto weniger als 5km ohne besonderen Grund fahren zu dürfen. Ohne besonderen Grund ist zum Beispiel die Fahrt zum Bäcker oder auch zur Arbeit. (Transport schwerer Gegenstände oder nachweisbare Erkrankungen könnten Ausnahmen sein.)

Warum? Weil PKWs auf diesen Kurzstrecken am meisten verbrauchen und auch den meisten Dreck hinten rauspusten. Das ist nicht nur schlecht fürs innerstädtische Verkehrsaufkommen, das Weltklima und den Ressourcenverbrauch insgesamt. Nein, das ist auch schlecht für Kinder! Denn die lieben Kleinen - jedenfalls bis sie die 1,40 m überschritten haben - nehmen uns das Einatmen der Abgase ab. Zum Schutz der Allgmeinheit und der Kinder im Besonderen sollte das dumme Kurzfahrverhalten also reglementiert werden.

Oder nicht? Schränken wir dann nicht die Freiheit des einzelnen ein, sich für oder gegen ein - zugegebenermaßen dummes oder schädliches - Verhalten selbst zu entscheiden? Ist es nicht dasselbe Spannungsfeld wie bei Sicherheit und Freiheit? Klar, hätte ich mich gefreut, wenn eine Kamera den letzten Fahrraddiebstahl aufgezeichnet hätte und der Täter dafür auf die Finger bekommen hätte. Trotzdem setze ich mich vehement gegen den Gedanken zur Wehr, dass wir ein von der angeblichen Mehrheit beanspruchten Verhaltens über staatliche Repressionen herbeiführen können oder auch sollten. Das heisst nicht, den Diebstahl zu legalisieren. Wohl aber heisst das, den öffentlichen Raum so weit wie es geht frei von verhaltensändernden Maßnahmen zu lassen.

Schon deshalb, weil der Konsens über “richtiges” und “genehmes” Verhalten nicht statisch ist. Wertvorstellungen in diesem engeren Definitionsrahmen sind dynamischer als man glaubt. Meine Großeltern hielten vieles nicht für opportun, was meinem selbstbestimmten Leben sicher im Weg gestanden hätte.

Auch das Faß mit den entstehenden gesellschaftliche Kosten können wir so lange ungeöffnet lassen, bis das oben schon erwähnte Beispiel des verschacherten Billigfleisches den Ruin von Gesundheit, Handel, Ressourcen und Landwirtschaft wissentlich herbeiführt.

Mit diesen Widersprüchen müssen wir ein stückweit leben und die anstrengende Variante des Überzeugens wählen. Anreize können übrigens auch helfen.

von Sabbeljan, gepostet am Montag, 30. Oktober 2006 um 10:11
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