23C3 (28.12.) Sicherheit und Überwachung, RFID-Pässe
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Heute gesehene Vorträge auf dem 23C3:
1. Warum wir uns so gerne überwachen lassen…
Zusammenraffung: Wir leben (nach Lyotard) in einer postmodernen Gesellschaft, die durch Unsicherheiten aufgrund ihrer Heterogenität geprägt ist. Die Heterogenität bedeutet auch, dass die Gesellschaft nicht mehr durch eine Theorie zu erfassen ist. Fragen, die Lyotard aufwirft, sind "Wer wird wissen, hat den Zugang zu Informationen und verwaltet sie"? Die Frage nach dem Zugang zu Wissen und Informationen (auch über Personen, "die" Bevölkerung) ist eine Frage der Machtausübung.
In Becks Theorie der Risikogesellschaft der 80er Jahre – die verstärkt wieder aufgegriffen wird, aber statt Umweltzerstörung oder dem nuklearen Albtraum u. a. technisch perfektionierte Überwachung und Kontrolle als Risken – herrscht das "Ideal der Gleichheit", auf der Vielzahl an Risiken, die Unsicherheit schafft, basiert ihr "normativer Entwurf der Sicherheit", da "Ich habe Angst" bei den Mitglieder der Gesellschaft vorherrscht.
Die Verhinderung der Risiken – "des Schlechten", der Bedrohungen (heute: Terrorismus, soziale Lage) – die das System selbst produziert, erzeugt einen Staat, der seine Hauptaufgabe im "Sicherheit schaffen" sieht, mit der "Tendenz zum legitimen Totalitarismus der Gefahrenabwehr". Der "Ausnahmezustand wird zum Normalzustand". Zur heutigen Risikogesellschaft zählt, dass der Staat immer mehr proaktiv statt reaktiv gegen Störungen, Straftaten oder "antisoziales Verhalten" vorgeht und auch neue Definitionen wie das "antisoziale Verhalten" schafft, was neues proaktives Vorgehen nach sich zieht, präventive Aufklärung und Kontrolle im Vorfeld von Straftaten, Störungen usw. und die Umkehrung der Unschuldsvermutung, also jeder gilt solange als verdächtig, wie ihn sein (staatliches) Verdächtigkeitsprofil nicht als unverdächtig ausweist.
Die routinemäßige Überwachung der und Sammlung von Informationen über die Bevölkerung zur Erkennung und zum Management der Risiken, die von der Bevölkerung ausgehen könnten, wird so immer mehr zum integralen Bestandteil der heutigen Risikogesellschaft und schafft so selbst die neuen Risiken der Unkontrollierbarkeit der staatlichen Kontrolleure oder die Beschädigung demokratischer Prinzipien und bürgerlichen Grundrechte.
Foucault ("Überwachen und Strafen" und spätere Vorlesungen) stellt das Subjekt in das Spannungsfeld verschiedener Systeme der Machtausübung, die er in
1. Souveränitätsmacht (Absolutismus, Feudalismus, Herrschaftssicherung durch Gewalt und öffentliche Demonstrationen der Macht - Hinrichtungen, Folter usw.)
2. Disziplinarmacht ("Panoptikum", Gefängnis, Fabrik- und Schuldisziplin)
3. Biomacht
4. Gouvernmentalität (Praxis, Methoden, Theorie, Institutionen des modernen, liberalen Regierungsstaates zur Machtausübung über die Bevölkerung mittels "Sicherheitsdispositiven". Handhabt den Freiheitsbegriff flexibel)
unterteilt, wobei er Macht und Machtausübung an sich nicht negativ bewertet und die vier Machtsystem sowohl eine "Evolution der Machtsysteme" darstellen, sich aber in Facetten alle auch heute wiederfinden. Spricht vom Übergang von der juridischen & disziplinären zur Sicherheitsgesellschaft.
Die Vortragende berichtet anhand des Beispiels "Videoüberwachung" von dem Problem, trotz objektiver Fakten, Informationen und Aufklärung (z. B. Kriminalitätsstatistik) nicht gegen das subjektive Unsicherheitsgefühl und die Ängste (die noch durch Politiker und Medien befördert werden), die die Ansprechspartner beherrschen, anzukommen (tja).
Große Ratlosigkeit vor und hinter dem Redepult, wie das Problem zu lösen und die Bevölkerung zu befähigen ist, die Sicherheitsversprechen und die damit einhergehende Überwachung und Kontrolle zu durchschauen. Vortragende meint, das Aufzeigen obiger Machtsysteme und Machtmechanismen trägt dazu bei und die Einsicht, dass Unsicherheiten, Risiken und Bedrohungen immer Bestanteil der menschlichen Existenz waren und zum Leben dazu gehören. Muss an Schäuble und Sicherheitspolitiker denken, die diese Einsicht geschickt mit der Propagierung der maximalen Sicherheit = Überwachung und Kontrolle verknüpfen, weil die "Bürger" ein "Grundrecht auf Sicherheit" hätten und deshalb "alles Menschenmögliche getan" werden müsse.
Alles in allem dürfte der Stoff für einen einstündigen Vortrag zu heavy sein bzw. könnte man sich ein eigenes Panel dazu vorstellen. Appetitanreger für diejenigen, die von Lyotard, Becks Risikogesellschaft und Foucault noch nichts gelesen oder gehört haben.
Auswahl korrespondierender Webloglinks:
Die YouTube Übernahme und der panoptische Blick, All Along the Watchtower, CFP 2005 - Panopticon, Schäubles neues altes Lied, Schaut TV zur Vorratsdatenspeicherung, Merkel redet Klartext, Es merkelt wieder antidemokratisch
Bis jetzt keine Vortragsfolien vorhanden.
2. Elektronische Reisedokumente
Zusammenraffung: Ich muss gestehen, dass ich nur ab und zu reingehört und -gesehen habe, weil einfach zu viel schon bekannt war. Ganz kurz: EU beugten sich den USA, nicht berücksichtigte kritische Ergebnisse von Studien (BioP II), die "RFID-Bombe", mangelhafte Sicherung der Daten auf dem RFID Chip, Cloning des RFID-Chips, biometrische Pässe und Personalausweise sind, wie ich immer sage: "Sicherheitssimulationen für's Volk". Mehr zu Vernetzung, Datenaustausch der biometrischen Daten in nationalen Datenbanken auf internationalem Level, "Global Envelope", mögliche Verwendung in biometrischen Identifizierungssystemen (RFID Sensornetze, intelligente Videoüberwachung) wäre nicht schlecht gewesen. War aber gut und gleichzeitig unterhaltsam dargebracht.
Auswahl korrespondierender Webloglinks:
Siehe Kategorie Chips, Biometrie
Bis jetzt keine Vortragsfolien vorhanden.
Gleich ab 00:00 kommt noch Biometrics in Science Fiction (könnte man auch ohne weiteres umdrehen in "realisierte Science Fiction Visionen in heutigen biometrischen Identifizierungs- und Überwachungssystemen")
P.S.: Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass Dingledine und Murdoch heute auch zu Tor und Angriffsmethoden zur Trafficanlyse und Identifizierung von Tor Nodes vorgetragen haben, aber Tor könnte ich zur Zeit auch abschalten
1. Warum wir uns so gerne überwachen lassen…
Zusammenraffung: Wir leben (nach Lyotard) in einer postmodernen Gesellschaft, die durch Unsicherheiten aufgrund ihrer Heterogenität geprägt ist. Die Heterogenität bedeutet auch, dass die Gesellschaft nicht mehr durch eine Theorie zu erfassen ist. Fragen, die Lyotard aufwirft, sind "Wer wird wissen, hat den Zugang zu Informationen und verwaltet sie"? Die Frage nach dem Zugang zu Wissen und Informationen (auch über Personen, "die" Bevölkerung) ist eine Frage der Machtausübung.
In Becks Theorie der Risikogesellschaft der 80er Jahre – die verstärkt wieder aufgegriffen wird, aber statt Umweltzerstörung oder dem nuklearen Albtraum u. a. technisch perfektionierte Überwachung und Kontrolle als Risken – herrscht das "Ideal der Gleichheit", auf der Vielzahl an Risiken, die Unsicherheit schafft, basiert ihr "normativer Entwurf der Sicherheit", da "Ich habe Angst" bei den Mitglieder der Gesellschaft vorherrscht.
Die Verhinderung der Risiken – "des Schlechten", der Bedrohungen (heute: Terrorismus, soziale Lage) – die das System selbst produziert, erzeugt einen Staat, der seine Hauptaufgabe im "Sicherheit schaffen" sieht, mit der "Tendenz zum legitimen Totalitarismus der Gefahrenabwehr". Der "Ausnahmezustand wird zum Normalzustand". Zur heutigen Risikogesellschaft zählt, dass der Staat immer mehr proaktiv statt reaktiv gegen Störungen, Straftaten oder "antisoziales Verhalten" vorgeht und auch neue Definitionen wie das "antisoziale Verhalten" schafft, was neues proaktives Vorgehen nach sich zieht, präventive Aufklärung und Kontrolle im Vorfeld von Straftaten, Störungen usw. und die Umkehrung der Unschuldsvermutung, also jeder gilt solange als verdächtig, wie ihn sein (staatliches) Verdächtigkeitsprofil nicht als unverdächtig ausweist.
Die routinemäßige Überwachung der und Sammlung von Informationen über die Bevölkerung zur Erkennung und zum Management der Risiken, die von der Bevölkerung ausgehen könnten, wird so immer mehr zum integralen Bestandteil der heutigen Risikogesellschaft und schafft so selbst die neuen Risiken der Unkontrollierbarkeit der staatlichen Kontrolleure oder die Beschädigung demokratischer Prinzipien und bürgerlichen Grundrechte.
Foucault ("Überwachen und Strafen" und spätere Vorlesungen) stellt das Subjekt in das Spannungsfeld verschiedener Systeme der Machtausübung, die er in
1. Souveränitätsmacht (Absolutismus, Feudalismus, Herrschaftssicherung durch Gewalt und öffentliche Demonstrationen der Macht - Hinrichtungen, Folter usw.)
2. Disziplinarmacht ("Panoptikum", Gefängnis, Fabrik- und Schuldisziplin)
3. Biomacht
4. Gouvernmentalität (Praxis, Methoden, Theorie, Institutionen des modernen, liberalen Regierungsstaates zur Machtausübung über die Bevölkerung mittels "Sicherheitsdispositiven". Handhabt den Freiheitsbegriff flexibel)
unterteilt, wobei er Macht und Machtausübung an sich nicht negativ bewertet und die vier Machtsystem sowohl eine "Evolution der Machtsysteme" darstellen, sich aber in Facetten alle auch heute wiederfinden. Spricht vom Übergang von der juridischen & disziplinären zur Sicherheitsgesellschaft.
Die Vortragende berichtet anhand des Beispiels "Videoüberwachung" von dem Problem, trotz objektiver Fakten, Informationen und Aufklärung (z. B. Kriminalitätsstatistik) nicht gegen das subjektive Unsicherheitsgefühl und die Ängste (die noch durch Politiker und Medien befördert werden), die die Ansprechspartner beherrschen, anzukommen (tja).
Große Ratlosigkeit vor und hinter dem Redepult, wie das Problem zu lösen und die Bevölkerung zu befähigen ist, die Sicherheitsversprechen und die damit einhergehende Überwachung und Kontrolle zu durchschauen. Vortragende meint, das Aufzeigen obiger Machtsysteme und Machtmechanismen trägt dazu bei und die Einsicht, dass Unsicherheiten, Risiken und Bedrohungen immer Bestanteil der menschlichen Existenz waren und zum Leben dazu gehören. Muss an Schäuble und Sicherheitspolitiker denken, die diese Einsicht geschickt mit der Propagierung der maximalen Sicherheit = Überwachung und Kontrolle verknüpfen, weil die "Bürger" ein "Grundrecht auf Sicherheit" hätten und deshalb "alles Menschenmögliche getan" werden müsse.
Alles in allem dürfte der Stoff für einen einstündigen Vortrag zu heavy sein bzw. könnte man sich ein eigenes Panel dazu vorstellen. Appetitanreger für diejenigen, die von Lyotard, Becks Risikogesellschaft und Foucault noch nichts gelesen oder gehört haben.
Auswahl korrespondierender Webloglinks:
Die YouTube Übernahme und der panoptische Blick, All Along the Watchtower, CFP 2005 - Panopticon, Schäubles neues altes Lied, Schaut TV zur Vorratsdatenspeicherung, Merkel redet Klartext, Es merkelt wieder antidemokratisch
Bis jetzt keine Vortragsfolien vorhanden.
2. Elektronische Reisedokumente
Zusammenraffung: Ich muss gestehen, dass ich nur ab und zu reingehört und -gesehen habe, weil einfach zu viel schon bekannt war. Ganz kurz: EU beugten sich den USA, nicht berücksichtigte kritische Ergebnisse von Studien (BioP II), die "RFID-Bombe", mangelhafte Sicherung der Daten auf dem RFID Chip, Cloning des RFID-Chips, biometrische Pässe und Personalausweise sind, wie ich immer sage: "Sicherheitssimulationen für's Volk". Mehr zu Vernetzung, Datenaustausch der biometrischen Daten in nationalen Datenbanken auf internationalem Level, "Global Envelope", mögliche Verwendung in biometrischen Identifizierungssystemen (RFID Sensornetze, intelligente Videoüberwachung) wäre nicht schlecht gewesen. War aber gut und gleichzeitig unterhaltsam dargebracht.
Auswahl korrespondierender Webloglinks:
Siehe Kategorie Chips, Biometrie
Bis jetzt keine Vortragsfolien vorhanden.
Gleich ab 00:00 kommt noch Biometrics in Science Fiction (könnte man auch ohne weiteres umdrehen in "realisierte Science Fiction Visionen in heutigen biometrischen Identifizierungs- und Überwachungssystemen")
P.S.: Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass Dingledine und Murdoch heute auch zu Tor und Angriffsmethoden zur Trafficanlyse und Identifizierung von Tor Nodes vorgetragen haben, aber Tor könnte ich zur Zeit auch abschalten
von rabenhorst - Owl,
gepostet am Donnerstag, 28. Dezember 2006 um 23:34

