calendar
« Dez12345678910111213141516171819202122232425262728293031 Feb »

Kartografen gegen Big Brother

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.
Ich liebe es ja, wenn man Datenkraken wie Google für Datenschutz, Aufklärung und Gegeninformationen recycelt. Ein gutes Beispiel, ohne allzu viel Aufwand betreiben zu müssen, ist die auf Google Map basierende CamMap (was man auch mit Google Earth betreiben könnte), die sich das ergeizige Ziel gesetzt hat, einen (geo)grafischen Index aller Videokameras in öffentlichen Räumen amerikanischer Städte zu erstellen. Wie die Leute von CamMap sagen, "sei man noch mit dem Indizierungsprozess beschäftigt, so dass weitere US-Städte folgen werden".
CamMap
Hier eine Kamera in Washington mit maximalem Zoomlevel in Google Map mit Ortsmarke und Kamerlink.
CamMap
Klickt man den Kameralink an, wird er in eine entsprechende Seite "aufgelöst", die weitere Information und / oder einen Kamerstream bietet. Bei dieser Kamera ist es eine Seite bei InstaCam.
CamMap
Alternativ wäre auch ein Verlinkung zu Flickr möglich, wo es bereits etliche Gruppen und Photostreams speziell zu Videoüberwachungskameras gibt, wie zum Beispiel auch die Sammlung zu Videoüberwachungskameras in Stuttgart oder den Fotopool Filmst Du mich, fotografiere ich Dich von get privacy, dessen Aufnahmen ebenfalls in einer Karte referenziert werden können.
Get privacy Flickrpool

Filmst Du mich, fotografier ich Dich Pool.
Ähnliche Kartografierungsprojekte könnte man sich in Zukunft auch für anderen Techniken oder Institutionen vorstellen, die der Kontrolle und Überwachung dienen. Für die Echelon Stationen gibt es zum Beispiel ein Set der Stationen für Google Earth. Werden sich dichtere Netze aus RFID-Lesegeräten, Kontrollpunkten oder Überwachungszentren bilden, bietet sich auch hier ein weites Feld für Kartografen, Filmer und Fotografen. Die Technokraten und Bürokraten des Überwachungskomplexes sehen solchen Nutzungsmöglichkeiten jedenfalls mit Unbehagen und Paranoia entgegen – ein gutes Zeichen.

In der Vergangenheit gab es bereits einige Vorläufer solcher Kortografierungsprojekte für Videoüberwachungskameras wie die ausgefeilte i-SEE Webapplikation für die Videoüberwachungskameras von Manhattan, die seit 2004 im Web steht.

Seit Google Maps / Earth, Flickr braucht es keiner ausgefeilten Programmier- und Designkünste mehr, um Projekte wie i-SEE auf die Beine zu stellen. Mit ihnen gibt es nicht nur die "dunkle Seite" des wunderbaren Web 2.0, das zur Identifizierung und Aufhebung der Anonymität im öffentlichen Raum herangezogen wird, sondern die Möglichkeit, es als Werkzeug zur Information, Aufklärung und "Gegenbeobachtung von unten" zu nutzen.

Ob ihnen Erfolg und Ausdauer beschieden ist, ist an erster Stelle abhängig davon, in welchem Umfang sich die Netzbürger in Projekte einbringen und wie groß das Interesse der Netzkonsumenten ausfällt.

Wichtig ist auch der Ansatz, die genaue Definition und die Zielvorgabe eines Projekts. Kritisch finde ich bei allen Projekten den Anspruch, zentral und umfassend die Kartografierung vorzunehmen. Bei der schieren Anzahl von Videokameras (über die es sich auch zu streiten lohnt) erscheint eine "US-CamMap" eine Nummer zu groß.

Setzt man sonst auf dezentrale und "Grassroot" Organisations- und Plattformen, ist das bei vielen Projekten nicht der Fall. Bei den Videoüberwachungskameras wäre zum Beispiel überlegenswert, ob es nicht sinnvoller ist, Sammlung und Kartografierung in einzelne Städteprojekte aufzuteilen – ob per Google, Flickr oder andere Web 2.0 Dienste ist letztendlich egal – und die in einem zweiten Schritt miteinander zu vernetzen – was ich persönlich bevorzugen würde. Das würde auch das Gefühl befördern, sich persönlicher angesprochen zu fühlen, weil es ja um "die eigene Stadt" geht.

Bei der "Überwachung der Videoüberwachungskameras" ist auch meistens ungenügend dokumentiert und definiert, welche Kameras überhaupt zum "Zielobjekt" werden sollen oder müssen – zählen dazu bereits grob arbeitende "Wetterkameras" wie im US-CamMap Projekt oder die Starenkästen (in UK als "Speedcams" bekannt), die Kameras an Tankstellen, Geldautomaten, nur die mit einer entsprechenden Kennzeichnung versehenen Videoüberwachungskameras, die durch staatliche Sicherheitsbehörden betrieben werden und was ist mit den Videokameras zur Kennzeichenerkennung an deutschen Mautbrücken?

Was soll das Projekt XYZ? Soll es dem Protest, der Demonstration gegen Überwachungs- und Kontrolltechnik dienen? Dann sind Hintergrundinformationen und ein theoretischer, aber verständlicher Kontext nötig. Erhebt es einen wissenschaftlichen Anspruch? Dann ist die Verknüpfung zu Statistiken, wissenschaftlichen Studien und Forschungsprojekten und ein präziser Umgang mit dem Daten- oder Bildmaterial geboten. Soll es als Handreichung zum aktivem Widerstand oder persönlichen Umgang dienen? Dann sind praktische Anleitungen nötig.

Ohne solche Überlegungen bleiben viele Pojekte zwar lobenswerte Unterfangen, aber letztlich von der Gefahr bedroht, in diffuser Beliebigkeit zu versinken oder nach kurzem Hype unattraktiv zu werden.
von rabenhorst - Owl, gepostet am Mittwoch, 3. Januar 2007 um 12:42
Aufgrund der Textinhalte könnten folgende Beiträge thematisch zu diesem Beitrag passen:
  • Anti Big Brother Retro-Pic In einer Mußestunde fabriziert – basierend auf dem alten, bekannten "Big Brother is watching you" Bild
  • Wir sind Big Brother! Zumindest ist unsere Landesregierung (Stellvertreten durch den Ministerpräsidenten Christian Wulff) Big Brother in der Kategorie "Behörden und Verwaltung". Verdient hat
  • Wir sind Big Brother! Zumindest ist unsere Landesregierung (Stellvertreten durch den Ministerpräsidenten Christian Wulff) Big Brother in der Kategorie "Behörden und Verwaltung". Verdient hat
  • Wir sind Big Brother! Zumindest ist unsere Landesregierung (Stellvertreten durch den Ministerpräsidenten Christian Wulff) Big Brother in der Kategorie "Behörden und Verwaltung". Verdient hat
  • Wir kartografieren Ozeanien Ich mag ja Kartenprojekte zur Gegenerfassung von Videoüberwachungskameras. Die verhindern zwar keine Videoüberwachung, können aber das
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: