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Transparente Gesichter

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.
National Geographic nimmt sich im Artikel Face Recognition for Online Photo Searches Sparks Privacy Fears der neuen Gesichtserkennungs-Suchmaschine Polar Rose an, auf die bereits im Beitrag Gebt her Eure Gesichter hingewiesen wurde und die endlich auch vermehrt Objekt der Mainstreammedien wird.

Der Artikel geht auf die Technik ein, die Polar Rose benutzt und die bei Polar Rose kurz im eigenen Blogbeitrag Computing 3D portraits from 2D photos vorgestellt wird.


3D-Gitter zur Videoüberwachung beim "Guardia" Wächtersystem.
Die Ähnlichkeit zu neuen Identifizierungstechniken der "intelligenten Videoüberwachung", die bisher noch in der Erprobung oder nur begrenz im Einsatz sind, ist offensichtlich. Polar Rose ist somit die Umsetzung der Identifizierung per "intelligenter Videoüberwachung" für das Web 2.0.

Wie bei den Videoüberwachungssystemen der kommenden Generationen wird mittels spezieller Algorithmen auf einem Gesamtbild (bei der Videoüberwachung ist das ein Einzelbild des Videostreams) das Gesicht einer Person identifiziert bzw. aus dem Kontext als 2D-Abbild extrahiert. Am Anfang steht also wie bei der Videoüberwachung die Gesichtserkennung. Danach wird mit weiteren Algorithmen eine 3D-Gitterrekonstruktion des 2D-Abbildes generiert und aus den Daten des 3D-Gitters ein Hashwert berechnet, der wie das 3D-Gitter in der Datenbank landet. Wird nun ein neues Bild der vielleicht noch unbekannten Person aufgefunden, kann über den gleichen Prozess ebenfalls ein Hashwert berrechnet werden, der mit den bereits gespeicherten Hashwerten abgeglichen wird und als Resultat alle Aufnahmen auswirft, auf dem die Person auch zu sehen ist.
PR Beispiel

Konvertierung des 2D-Gesichts des Result International CEOs Ola Ahlvarsson in das 3D-Gitter per Polar Rose.
Abbildung: Polar Rose.
Da neuere Digitalkameras auch GPS-Koordinaten mitspeichern, die z. B. bei Flickr bereits referenziert werden können, ist es auch möglich, dass zusätzlich der Ort, an dem die Aufnahme gemacht wurde, also der Aufenthaltsort der Person ebenfalls ausgewertet wird.

Da es Aufnahmen unterschiedlicher Qualität gibt und Polar Rose – zum Glück – keinen Zugriff auf Datenbanken mit biografischen Daten und korrespondierenden Bilddaten hat, kann es zu Unschärfen kommen, d. h. sehr ähnlich aussehende Personen werden als ein und dieselbe Person von Polar Rose "erkannt". Hier kommen die unbezahlten Helfer in Gestalt der Nutzer von Polar Rose ins Spiel, die per Browsererweiterung angeben können "Das ist Hans Mustermann" und "Das gespeicherte Gesichtsbild ist nicht Hans Mustermann". Mit der Präzision der richtigen Gesichtserkennung und Personenidentifizierung, die bei 10000 Aufnahmen laut Polar Rose bei 90% liegen soll – also der Mitwirkung der Nutzer – steht und fällt der Erfolg von Polar Rose.

Interessant ist auch, dass laut des National Geographic Artikels Riya, ein weiterer Pionier der "webbasierten Gesichtsüberwachung", der vor einiger Zeit für Aufsehen gesorgt hatte, mittlerweile in Sachen Gesichtserkennung die Segel gestrichen hat und mit dem neuen Service Like Visual Search auf die Wiedererkennung von Produkten, die man auch haben möchte, umgestiegen ist.

Die Polar Rose Macher haben auf die zunehmend kritische Berichterstattung mit dem Blogbeitrag On Privacy and Polar Rose reagiert, in dem sie behaupten, die Polar Rose Gesichtserkennung sei nichts anderes als das, was Google & Co auch machen würden, nur eben mit Aufnahmen statt Texten. Darin versprechen sie auch, dass "Fotos hinter Firewalls, Logins oder auf dem Desktop Computer der Neutzer" nicht indexiert würden, was ja noch schöner wäre. Wie das aussschaut, wenn Polar Rose oder ähnliche Techniken auch in lokale Desktopsuchmaschinenangebote und Suchdienste im Netz per Polar Rose API integriert werden, bleibt der Fantasie der Leser überlassen.

Polar Rose würde auch den Ausschluss der Polar Rose Robots per robots.txt und Löschersuchen beachten und nie, nie zulassen, dass die Polar Rose Technik in Sicherheits- und Überwachungsanwendungen integriert wird. Das wird "Anwender" aus dem Sicherheits- und Überwachungsbereich, Personalberatungsbereich oder Stalker allerdings auch nicht daran hindern, Polar Rose für ihre Zwecke einzuspannen – wenn sie überhaupt darauf angewiesen sind (siehe "intelligente Videoüberwachung").

Das Aufkommen von Diensten a la Polar Rose gebietet aus meiner Sicht als Ergänzung der "Tipps" von Polar Rose die Beachtung einiger Regeln:
  • Gemäß der Prinzipien Datenvermeidung und Datensparsamkeit und des Rechts am eigenen Bild sollte sich jeder Nutzer öffentlich zugänglicher Fotodienste und Betreiber von "Fotogallerien" dreimal überlegen, welche Fotos er von sich und auch von anderen Personen ins Netz stellt.
  • Bei anderen Personen ist eh ihre Einwilligung einzuholen, bevor man ihre Bilder mir nichts, dir nichts ins Web stellt. Das trifft doppelt und dreifach zu, wenn der Bildkontext, in dem eine Person auftaucht, für die Person kompromittierend sein könnte.
  • Bei Aufnahmen, auf denen man selbst zu sehen ist oder andere Personen, die der Veröffentlichung zugestimmt haben, sollte der Zugriff ggf. restriktiv durch geschlossene Nutzerkreise und -zugriffe geregelt werden.
  • Die Verwendung von Geolokalisierungsdaten in oder mit digitalen Aufnahmen ist sparsam zu handhaben und ggf. bei Aufnahmen, auf denen Personen zu sehen sind, zu unterbinden.
  • Man sollte das Angebot von Polar Rose annehmen und seine robots.txt und .htaccess Dateien bearbeiten.
  • Ich würde mich nicht an Diensten wie Polar Rose aktiv beteiligen, indem ich die nötigen persönlichen Daten zum Gesichtsbild einer Person abliefere.
Siehe auch:
The Register - Web stalkers to get face search plug-in.
von rabenhorst - Owl, gepostet am Sonntag, 7. Januar 2007 um 12:23
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