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Der Vormarsch von Orwells Videoüberwachunskameras

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.
Eine Aktualisierung zu den Videoüberwachungskameras, die zuerst in Middlesbrough mit Lautsprechern ausgerüstet und demnächst mit Mikrofonen aufgerüstet werden könnten, liefert der Artikel Talking CCTV cameras will order thugs to start behaving der Daily Mail und der Artikel Talking CCTV gives Big Brother a voice des Telegraph.
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Mit RESPECT in Richtung INGSOC.

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Auf der Ankündigung des britischen Innenministeriums beruhend, berichten beide Zeitungen, dass vom Innenministerium im Rahmen der staatlichen RESPECT Offensive gegen "anti-soziales Verhalten" in öffentlichen Räumen, zusätzlich 465000 £ bereitgestellt werden, um die Verbreitung der Videoüberwachungskameras mit Lautsprechern in zwanzig weiteren Kommunen voranzutreiben. Die treffendste kritische Anmerkung zur Ausbreitung der "Talking CCTVs" fand Simon Davis von Privacy International:
Es ist psychologische Kriegsführung gegen die Bevölkerung. Es ist Einschüchterung und Schikanierung.
Stimmt. Bei der bloßen Präsenz von Videoüberwachungskameras handelt es sich um reine Überwachung, aber um eine Überwachung, die mehr oder weniger diskret und lautlos geschieht. Zumindest in Großbritannien bereits so verbreitet, dass die Mehrheit sich an das alltägliche Beäugen so gewöhnt haben dürfte, dass sie die Überwachung kaum mehr wahrnimmt.

Damit ergibt sich aber auch die Gefahr, dass sich die verhaltenssteuernden Effekte der Videoüberwachung mit der Zeit relativieren. Also muss der Bevölkerung ihre Überwachung und der Grad des Eingriffs, den man mit Überwachung vornehmen kann, permanent ins Bewusstsein gerückt werden. Bei der Videoüberwachung gibt es dazu keine besseren Methoden als Mikrofone, damit jeder Bürger begreift, dass der Staat jederzeit mitlauschen kann, Lautsprecher, damit jeder Bürger begreift, dass sein Verhalten und sein Gesicht jederzeit die Aufmerksamkeit der Überwacher erregen und entsprechend öffentlich oder per Webpranger bloßgestellt werden kann.

Ist die Bewusstseinsanpassung hergestellt, ist auch der Umfang an Selbstkontrolle und -überwachung, die jeder Bürger unbewußt oder "instinktiv" aufbringen wird, maximiert. Die "psychologische Kriegsführung" hat Erfolg. Diese Effekte will man gleichfalls mit anderen Mitteln in anderen Lebensbereichen erreichen, wenn man z. B. ständig den "Bundestrojaner" und die "Online-Durchsuchung" im Munde führt.

Aber zurück zur sprechenden und lauschenden Videoüberwachung.

Was das Programm des Innenministeriums und die RESPECT Offensive besonders pervers macht, ist die Einbeziehung und Indoktrination britischer Schulkinder und Jugendlicher ganz nach dem Vorbild von 1984.

Wie aus der RESPECT Mitteilung Children remind adults to act responsibly on our streets hervorgeht, wird man parallel zur Ausbreitung des "Talking CCTV" Schemas "Wettbewerbe" und Propagandaveranstaltungen in allen britischen Schulen und Jugendprojekten in den zwanzig Gemeinden durchführen, die vom Großen Bruder John Reid im Innenministerium mit den neuen Videoüberwachungskameras bedacht werden.

Bei Malprojekten werden z. B. die Kinder dazu ermutigt, Poster gegen "anti-soziales Verhalten" zu gestalten, es finden Diskussionsgruppen statt, in denen den Schulkindern eingehämmert wird, was "anti-sozial" ist und wie man sich so in der Öffentlichkeit zu verhalten hat, dass es dem Staat genehm ist oder sie können Rap-Songs zum Thema "Verhalten" komponieren.

Den Kindern und Jugendlichen, die sich bei diesen Manipulationsprojekten besonders hervorgetan haben, winkt eine besondere Anerkennung: Sie werden mit einer Uniform des RESPECT Action Teams und einem Elektroschocker ausgestattet...Nein, war ein Scherz. Aber sie werden zur "Voice of the talking CCTV", d. h. sie dürfen in den städtischen CCTV-Kontrollzentren an den Überwachungsmonitoren sitzen und die anti-sozialen Mitbürger per Lautsprecher massregeln. Das dürfte nicht nur der Verankerung erwünschten Verhaltens und der positiven Konditionierung auf Videoüberachung bei den Kindern und Jugendlichen dienen, sondern auch als Test, weil man sich bei den Massregelungen mit Kinderstimmen vielleicht eine Potenzierung der Effekte zur Verhaltenskontrolle errhofft.
von rabenhorst - Owl, gepostet am Donnerstag, 5. April 2007 um 12:19
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