calendar
« Mrz123456789101112131415161718192021222324252627282930 Mai »

Unterschriften-Plazebo

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.
Ich finde die Unterschriftenaktion der PC-Welt gegen den Bundestrojaner im Gegensatz zum Schnüffelblog überhaupt nicht unterstütztenswert.

Ich habe in den letzten fünfundzwanzig Jahren einen Haufen von Unterschriften für alle möglichen politischen Forderungen real oder virtuell geleistet. Heute halte ich überhaupt keine Unterschriftenaktion für unterstützenswert, besonders wenn sie von einer Zeitschrift wie der PC-Welt ausgeht, bei der mich das mulmige Gefühl beschleicht, dass sich auch der Überwachungsstaat prima für die eigene PR eignet.

Aber eigentlich lehne ich mittlerweile Unterschriftenlisten kategorisch ab, weil sie als politisches Aktionsmittel absolut nutzlos und ineffizient sind. Werden solche Aktionen auf große Mitwirkung ausgelegt, binden sie ein gehöriges Volumen an Zeit- und Manpower, die für andere Aktionen und mittel sinnvoller einzusetzen wären. Für die Unterzeichnenden sind sie ein politisches Plazebo, mit denen sich die bequeme Simulation erzeugen lässt, man "hätte ja was getan", man wäre ja "aktiv".

Sind dann die virtuellen und materiellen Listen gefüllt und in Toilettenpapierrollen- oder Aktenform gebündelt, werden sie zumeist von irgendeiner untergeordneten Polit-Knallcharge am Eingang von Ministerium X oder Behörde Y mit einem Grinsen in Empfang genommen. Danach wird – wenn es hoch kommt – der eigentliche Verantwortungs- oder Entscheidungsträger kurz mit der Unterschrifftenrolle belästigt. Realistischer wird die Rolle einer höheren Knallcharge weitergereicht, die sie anschließend der Archivkammer oder dem Reißwolf übereignet.

Auch medial eignen sich Unterschriftenlisten nur höchst marginal. Sie geben keine guten Bilder ab und tauchen meistens – wenn überhaupt – als Randnotiz in Randmedien auf.

Die einzige Form der Unterschrift, die meiner bescheidenen Meinung nach überhaupt noch akzeptabel erscheint, ist die Petition beim Petitionsausschuss des Bundestages, denn dort wird die Unterschrift zum Politikum, wenn ausreichende Mengen an Unterschriften gesammelt werden können und von ausreichendem PR-Wirbel begleitet wurden. Diese Unterschriften müssen von einigen Politikern in irgendeiner Form gewürdigt werden und tauchen auch im Bericht des Petitionsausschusses auf, was den normalen 08/15-Unterschriften nicht beschieden ist. Ihr Ende finden sie immer im Behördenorkus.

Deshalb ist es an der Zeit, sich von diesem Plazebo der politischen Aktion endgültig zu verabschieden. Unterschriftenlisten gehören zu den nutzlosesten poltischen Handlungsformen, die es gibt, allenfalls noch übertroffen von den Betroffenheits-Menschenketten, weshalb es hier im Weblog weder Unterstützung noch Aufrufe für irgendwelche Unterschriftenaktionen mehr geben wird.
von rabenhorst - Owl, gepostet am Donnerstag, 5. April 2007 um 23:15
Aufgrund der Textinhalte könnten folgende Beiträge thematisch zu diesem Beitrag passen:
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: