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Das große Sammeln von Kinderfingerabdrücken

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Die Daily Mail berichtet heute in Schoolchildren to be fingerprinted in Big Brother-style shake-up, dass mittlerweile an mehr als 3500 britischen Schulen die Fingerabdrücke von geschätzten 1 Million Schulkindern in schulischen Datenbanken gespeichert sind.

An die Fingerabdrücke gelangen die Schulen über Fingerabdrucksysteme, die von den Schulen entweder bei der Bezahlung von Mahlzeiten in den Schulmensen oder als Teil der Ausleihsysteme in den Schulbibliotheken eingesetzt werden – zum Teil ohne das die Zustimmung der Eltern eingeholt wird, zum Teil auch mit Hilfe mieser Tricks wie an der Ghyllside Grundschule, wo der Schuldirektor den Kindern einredete, die Fingerabdrücke seien Teil eines Spiels, in dem die Kinder Spione seien und weil es sich nur um ein Spiel handele, bräuchten sie auch ihren Eltern nichts davon zu erzählen.

Aus den Informationen, an die die Konservative Partei über eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz gelangte und eigenen Nachfoschungen der Partei bei den regionalen Schulbehörden geht dem Artikel zufolge weiter hervor, dass nur 39 der 171 Schulbehörden den Einsatz von Fingerabdrucksystemen und die Erhebung biometrischer Fingerabdrücke den ihnen unterstehenden Schulen nicht erlaubt hätten, was bedeuten würde, dass in nächster Zeit die Erhebung der Fingerabdrücke von weiteren 4,9 Millionen britischer Schüler an 17000 Schulen möglich wäre.

Von den Schulen wird bei Kritik immer wieder behauptet, die Fingerabdrücke wären zum Beispiel für die Sicherung des Buchbestandes in den Bibliotheken nötig und wenn ein Schüler die Schule verlässt, würden auch die Aufzeichnungen der Fingerabdrücke vernichtet. Eine generelle Vorschrift gibt es aber nicht, denn sonst würden die Konservativen nicht einen umfangreichen Forderungskatalog erheben, der auf die strengere Regelung der Finagerabdrucksammelei abzielt.

Wenn man dazu bedenkt, dass sich mittlerweile ein wahres Spinnennetz behörderlicher miteinder vernetzter Datenbanken und Kontrollprojekte um jeden Minderjährigen in Großbritannien zusammengezogen hat (über eines der aktuellen Projekte mit der Bezeichnung Reducing Youth Offending Generic National Solution berichtete das ARCH Blog), während die derzeitige Regierung besonders scharf darauf ist, über die Nationale ID-Card an die Fingerabdrücke ihrer Bevölkerung zu gelangen, was auf den potentiellen Widerstand von Millionen Briten stößt, liegt der Schluß nicht fern, dass die Überwachungsfanatiker der Regierung sich zumindest überlegen werden, dass man über die frühzeitige Erfassung der Kinder und den Zugriff auf bereits gesammelte Fingerabdruckdaten in ein paar Generationen alle Daten hätte – ohne Widerstand.

Wie bei der Manipulation von Schulkindern für die "sprechenden Videoüberwachungskameras" oder ihrer Markierung mit RFID-Tags ergeben sich dazu Nebeneffekte, die sich jeder Verfechter von Überwachung und Selbstkontrolle herbeiwünscht und die der Artikel auch anspricht:
Kritiker sagen, es ist Teil einer weichklopfenden Einübung, um Kinder auf die Akzeptanz einer schleichenden Überwachungsgesellschaft zu konditionieren.

Phil Booth von der NO2ID Kampagne [gegen die ID-Cards und die biometrische Gesamterfassung] sagte: "Das ist eine Aufhebung moralischer Verpflichtung. Schulen sollten Kinder lehren, ihre biometrischen Informationen zu hüten. Sie sind dabei in einer Welt aufzuwachsen, in der es enorm wichtig ist, sie sicher zu bewahren, aber ihnen wird beigebracht, dass es OK ist, sie für gewöhnlichste Zwecke auszuhändigen. Es ist eine Schande."
Das man die Prozesse zur Konditionierung, präventiven Frühüberwachung und Repression von Kindern und Jugendlichen im 1984-Staat No. 1 auch hierzulande aufmerksam wahrnimmt, haben uns bereits die Pläne für Schülerdatenbanken und ihre Erschließung über eine Schüler-ID gezeigt. Was die Repression gegen Kinder angeht, mit dem sich der Staat bezüglich seiner Bildungs-, Sozial- und Familienpolitik seine eigene Bankrotterklärung ausstellen würde, prescht ja derzeit NRWs Ministerpräsident voran, wenn er vom Wegschließen von unter 14-jährigen Kindern in die Sicherheitsverwahrung in der BILD geifert.

Der alte und eindringliche Spruch "Wehret den Anfängen" ist aktueller den jeh.
von rabenhorst - Owl, gepostet am Montag, 9. April 2007 um 19:17
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