Offener Brief an Herrn Oettinger
Sehr geehrter Herr Oettinger,
nach Lesen Ihres offenen Briefes, möchte ich Ihnen eine Sorge nehmen.
Wir haben Sie ja gar nicht missverstanden, denn:
Während ein Missverständnis durch das “Anders-als-gemeint-verstehen” zu Stande kommt, handelt es sich bei einem Irrtum im engeren Sinne um eine falsche Annahme, Behauptung oder Meinung. Dabei sind der Behauptende oder Meinende jeweils von der Wahrheit ihrer Aussage(n) überzeugt.
Sie schreiben: “In Teilen der Öffentlichkeit wird mir vorgeworfen, dass ich durch meine Ausführungen zum Leben des Verstorbenen die schreckliche Nazidiktatur in irgendeiner Weise relativieren wollte.” Soweit ich mich als Teil der Öffentlichkeit verstehe, muss ich dem anderen Teil der Öffentlichkeit angehören. Denn ich werfe Ihnen nicht vor, dass Sie die schreckliche Nazidiktatur in irgendeiner Weise relativieren wollten, sondern, dass Sie die unbestreitbare Verantwortung des Herrn Filbinger in der Nazidiktatur relativiert haben.
Wenn man Ihrer Argumentation folgen würde, dass es “in unserem Kulturkreis zu den üblichen und angemessenen Gepflogenheiten [gehört] einer Traueransprache, Verdienste und das Lebenswerk des Verstorbenen positiv zu würdigen und ihm die schwierigen Phasen seines Lebens - ohne sie zu verschweigen - nicht nachzutragen“, kann man nur froh sein, dass es für Adolf Hitler keine Trauerfeier gab.
Der elterliche Rat, “hast du etwas raus genommen, tue es wieder rein”, lässt sich bei in der Öffentlichkeit gemachten Äußerungen nun mal nicht realisieren. Deshalb ein anderer gut gemeinter Rat: Werden Sie doch Kassenwart bei Ihrer schlagenden Verbindung.
Mit freundlichen Grüßen
sabbeljan
PS: Und wenn Sie schon dabei sind, nehmen Sie Ihren Parteifreund und Totengräber unserer Verfassung gleich mit!

