Terroristen sind Mörder
Die Headline ist vermutlich unstrittig, zumindest wenn Terroristen, in ihrem Sinne tödlichen “Erfolg” haben. Nimmt man also diese einfache These und legt sie kurzfristig als Maßstab an die nachfolgenden geplanten und schon umgesetzten sogenannten Sicherheitsmaßnahmen, ergibt sich eine interessante Perspektive:
- Online-Durchsuchungen von Privatcomputern zur Abwehr von Mördern
- Biometrische Pässe zur Abwehr von Mördern
- Vorratsdatenspeicherung zur Abwehr von Mördern
- Flächendeckende Kameraüberwachung zur Abwehr von Mördern
Gäbe es einen Anti-Mörderkampf mit solcher Einschränkung der Bürgerrechte, wäre die Gegenwehr in der Bevölkerung sicher lauter als derzeit. Aber zurück zur Ausgangsthese, Terroristen sind Mörder. Das greift natürlich zu kurz.
Unter Terrorismus (von lateinisch terror: „Furcht, Schrecken“) sind Gewalt bzw. Gewaltaktionen (wie z.B.: Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge etc.) gegen eine politische Ordnung zu verstehen, um einen politischen Wandel herbeizuführen. Der Terror dient als Druckmittel und soll vor allem Unsicherheit und Schrecken verbreiten, daneben aber auch Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen. Terrorismus ist keine militärische Strategie, sondern primär eine Kommunikationsstrategie. Terroristen greifen nicht militärisch nach Raum (wie z.B. der Guerillero), sondern wollen das Denken besetzen.
Demnach hat der Terrorismus - ob nun realer oder abstrakter - in den Köpfen unserer Innenpolitiker schon massiven Erfolg. Er hat das Denken besetzt. Wäre die Gleichsetzung der Terroristen mit unpolitischen Mördern nicht eine denkbare Kommunikationsstrategie, die wirkungsvoller ein Gegengewicht setzt, als die nur an die eigene Bevölkerung gerichtete Angststrategie?
Insofern ist die “Stasi 2.0“- Kampagne zwar sympatisch, der Slogan geht meiner Ansicht nach jedoch am Kern vorbei. Die auffallende Ähnlichkeit in der Bespitzelung der eigenen Bevölkerung macht den Slogan eingängig. Herr Schäuble und seine Mitstreiter fürchten aber nicht die Unterwanderung des politischen Systems durch den Nachbarn von nebenan. Herr Schäuble und Konsorten unterliegen wohlwollend formuliert vielmehr der irrigen bis irrsinnigen Annahme, dass der Staat seiner Schutzfunktion in Zeiten der globalisierten Probleme, Verwerfungen, Auswüchse, Anschläge und Bewegungen nur durch maximale Datenerfassung nachkommen kann. Würde diese verzweifelte Sammlungswut nicht unsere Freiheit unterminieren, könnte einem die zum Teil hilflos wirkende Politikerkaste fast leid tun.
Auch wenn Jürgen in seinem lesenwerten Artikel zu Kontrolle und Transparenz zurecht zusammenfasst, dass das eigene Tun zum “Schattenboxen” verkommt, empfehle ich dennoch den Text von su-shee, die darauf hinweist, dass jede und jeder von uns im eigenen Verhalten dazu beitragen kann, dass die Sammlung von Daten - sei es von Privatunternehmen oder staatlichen Einrichtungen - sich auf ein Minimum reduzieren lassen.
Und das geht weit über das Tragen von symbolischen T-Shirts hinaus. Da ich aber ohnehin noch frische Trageware für den Sommer brauchte, hab ich das Teil bestellt. Ein großer Teil der Einnahmen ist ja für einen guten Zweck. Und es gibt mit ‘I love your data‘ inzwischen auch ein alternatives Motiv.

