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Lese-Rüstzeug für & gegen die Reise in die Diktatur

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Am 21. Mai wird anlässlich des Jahrestages der Verkündigung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 der Grundrechte-Report für das Jahr 2007 vorgestellt, den die Humanistische Union zusammen mit neun weiteren Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen jährlich herausgibt.
Cover Grundrechte-Report 2007
Wenn ich in einem Flashback den Zeitraum Januar 2006 - Mai 2007 Revue passieren lasse, kann ich nur sagen, dass es mit Menschen- und Bürgerrechten in unserem Staat weiterhin oder besser gesagt verstärkt schlecht bestellt ist. Dafür haben eine Reihe von Politikern und Entscheidungsträgern der Innen-, Sicherheits-, Sozial- und Justizpolitik, Polizei- und Geheimdienstbehörden, Richter und Staatsanwälte, Konzerne und Lobbyverbände, Universitäten und Forschungsinstitute und nicht zuletzt die Bevölkerung Deutschlands gesorgt.

Dementsprechend heißt es auch in der Pressemitteilung zur Vorstellung des Reports:
Staatliche Überwachung, Übergriffe, Ungleichbehandlung und Missachtung höchstrichterlicher Rechtsprechung haben auch im letzten Jahr deutlich gemacht, dass die Achtung der Grundrechte nicht dem entspricht, was das Grundgesetz fordert. Ängste und Rufe nach immer mehr Sicherheit höhlen die freiheitliche Demokratie aus.
In 42 Beiträgen auf 256, die den jeweiligen Artikeln des Grundgesetzes zugeordnet sind, setzen sich verschiedene Autoren mit einer wahren Flut von Angriffen und Bedrohungen auseinander, die in ihrer Gesamtheit und Fortsetzung drohen, die Freiheitlich Demokratische Grundordnung und den sozialen Rechtsstaat mittel- bis langfristig in einen totalitären Staat zu transformieren. Ein Ausschnitt aus dem Verzeichnis der Beiträge macht das deutlich:

Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art. 1 I)
  • Burkhard Hirsch
    Menschenwürde und die Verteidigung der Luftsicherheit
  • Rosemarie Will
    Das absolute Folterverbot gilt auch bei der internationalen Terrorismusbekämpfung
Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit (Art. 2 I)
  • Heiko Habbe
    Eigentor für Grundrechte
    Ein Rückblick auf die Fußball-WM 2006
  • Julia Kühn
    Auf dem Weg zum gläsernen Patienten
    Speicherung sensibler Gesundheitsdaten mittels der elektronischen Gesundheitskarte
  • Wilhelm Achelpöhler
    Verfassungsgrenzen für die Rasterfahndung
Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Freiheit der Person (Art. 2 II)
  • Marei Pelzer
    Auslieferung in Folterstaaten?
    Sorgloser Umgang mit Auslieferungsanträgen der Türkei
  • Helmut Pollähne
    Und verwahre uns vor dem Bösen
    Die Renaissance der Sicherungsverwahrung
Die Freiheit des Glaubens und des Gewissens ist unverletzlich (Art. 4 I)
  • Till Müller-Heidelberg
    Kampf den christlichen Fundamentalisten
    Das Kopftuch und kein Ende
Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern (Art. 5 I–III)
  • Eckart Spoo
    Geheimdienstliche Medienüberwachung
    Symbiotische Beziehungen zwischen BND und Journalisten
Alle Deutschen haben das Recht, sich zu versammeln (Art. 8 I, II)
  • Alexander Wagner
    Polizeilicher Gewaltexzess im Frankfurter Studierendenhaus
Das Fernmeldegeheimnis ist unverletzlich (Art. 10 I, II)
  • Tobias Singelnstein
    Größte Hürde im "Kampf gegen den Terror" wird umgangen
Die Wohnung ist unverletzlich (Art. 13 I–IV, VI, VII)
  • Helmut Pollähne
    Verfassungswidrige Durchsuchungen und kein Ende
Wird jemand durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt, so steht ihm der Rechtsweg offen (Art. 19 IV)
  • Till Müller-Heidelberg Kein Kraut gewachsen gegen vorsätzlich rechtswidriges Handeln der Polizei?
    Die Polizeistrategie der Einkesselung
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat (Art. 20 I)
  • Frank Schreiber
    Hartz IV
    Gefühlter Missbrauch und reale Einschnitte
Die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden (Art. 20 III)
  • Elke Steven
    Eine außerparlamentarische Initiative als Staatsfeind
    Zur Überwachung des Berliner Sozialforum durch den Verfassungsschutz
  • Andreas Fischer-Lescano
    Hausrecht als Metagrundrecht?
    Wie die Privatisierung öffentlichen Raums die Grundrechte aushöhlt
  • Fredrik Roggan
    Über die Guantánamoisierung des Rechts
    Die neue Sicherheitsarchitektur am Beispiel von Anti-Terror-Datei und Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz
  • Wolfgang Kaleck
    Amerikas Gegenwart ist unsere Zukunft
    Rechtsstaat versus Guantánamo
Verbot der Vorbereitung eines Angriffskrieges (Art. 26 I, II)
  • Ulrich Finckh
    Sind Angriffskriege nicht strafbar?
  • Eckart Spoo
    Kein Schutz für Zivilisten
    Bundesregierung und Bundesverwaltungsgericht ignorieren das Kriegsvölkerrecht
Die Freiheit der Person kann nur auf Grund eines förmlichen Gesetzes beschränkt werden (104 I, II)
  • Jochen Goerdeler
    Jugendstrafvollzug
    Kann das BVerfG den "Wettbewerb der Schäbigkeit" verhindern?
  • Moritz Assall
    Getrübte Sicht
    Polizei blendet Demonstrationsteilnehmer/-innen
Bibliografische Angaben:
Herausgeber: Till Müller-Heidelberg
Titel: Grundrechte-Report 2007 Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland
Einband: kartoniert
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag
Seitenzahl: 256
ISBN-10: 3-596-17504-6
ISBN-13: 9783596175048
Preis: 9,95 €
Als weiteres Lese-Rüstzeug, um sich gegen die Reise in die "demokratisch" herbeigeführte Dikatur zu wappnen bzw. ihr gewahr zu werden, bietet sich der erst jüngst erschienene Titel Menschenrechte in Zeiten des Terrors — Kollateralschäden an der "Heimatfront" von Rolf Gössner an (der auch Mitherausgeber des obigen Grundrechte-Reports ist), in dem die politische Propaganda- und Ideologiemaschinerie des von den USA nach 09/11 2001 initiierten globalen "Kampfes gegen den Terror" und ihre gesetzliche, sicherheits- und überwachungstechnische, strukturelle und mediale Umsetzung in Deutschland mit der einhergehenden Vernichtung von Freiheit, Menschlichkeit und Rechtlichkeit demaskiert wird.
Cover Menschenrechte in Zeiten des Terrors
Aus der Zusammenfassung des Konkret Literatur Verlages, in dem der Titel erschienen ist:
Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 kommt es weltweit zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen – nicht allein durch Terrorakte, sondern durch die weltweite "Terrorismusbekämpfung". Auch in der Bundesrepublik übertreffen sich seit den Terroranschlägen von New York, Madrid und London Parteien und Sicherheitspolitiker gegenseitig mit Gesetzesvorschlägen, die der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger dienen sollen, mit Sicherheit aber ihre Freiheitsrechte einschränken. Mit den "Antiterror"-Gesetzen von 2002 wurden u.a. Polizei- und Geheimdienstbefugnisse ausgeweitet, Sicherheitsüberprüfungen von Arbeitnehmern auf "lebens- und verteidigungswichtige Betriebe" ausgedehnt, "biometrische Daten" in Ausweispapieren erfasst, Migranten unter Generalverdacht gestellt und einer noch intensiveren Überwachung unterzogen. Der staatliche "Antiterrorkampf" stellt sich immer mehr als ein enormes Umorientierungs-, Umerziehungs- und Umgestaltungsprogramm heraus – ein Programm der Demontage hergebrachter Grundsätze des Völkerrechts, der Menschen- und Bürgerrechte und des liberal-demokratischen Rechtsstaates. Im Kern geht es um den Umbau der Sicherheitsarchitektur und um die Entgrenzung staatlicher Macht: Der Bundeswehreinsatz im Inland und damit die Militarisierung der "Inneren Sicherheit" sowie die Zentralisierung und Vernetzung aller Sicherheitsbehörden stehen für diese verhängnisvolle Entwicklung.
Lesenswert zu Gössners Titel und dem laufenden Aus- und Aufbau des umfassenden Sicherheits-Überwachungs-Komplexes unter der Flagge des "Antiterrorkrieges" sind auch die Artikel Existenzvernichtung per Willkürakt, Ende der Vertraulichkeit, Kollateralschäden an der "Heimatfront" von Rolf Gössner und sein Interview mit Birgit Gärtner.

Bibliografische Angaben:
Autor: Rolf Gössner
Titel: Menschenrechte in Zeiten des Terrors — Kollateralschäden an der "Heimatfront"
Einband: kartoniert
Verlag: Konkret Literatur Verlag
Seitenzahl: 288
ISBN-10: 3-89458-252-9
ISBN-13: 9783894582524
Preis: 17,00 €
P.S.: Wie man das Auge auf dem Cover des Grundrechte-Reports biometrisch erfasst wird in dem Beitrag HIIDE - Biometrische Erfassung und Identifizierung mobil beschrieben.
von rabenhorst - Owl, gepostet am Donnerstag, 17. Mai 2007 um 13:29
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