Datenlöschen für den Geheimstaat
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"Selbst wenn Herr Wichert die Bänder aufgegessen hätte, würden professionelle Datenrettungsunternehmen nach der Verdauung den Inhalt wieder herstellen können."
Ein schöner und vom Prinzip her richtiger Satz zur Datenvernichtungsaktion des Zentrums für Nachrichtenwesen der Bundeswehr im de.internet.com Artikel Datensicherungsexperte bezweifelt Version des Verteidigungsministeriums.Was neben der unterlassenen Beauftragung eines Datenrettungsunternehmens – wahlweise "Amtshilfe" von den Datenforensikern befreundeter Dienste und Behörden – bis jetzt auch feststeht:
Es handelt sich um Daten, die nicht nur hinsichtlich der Verstrickungen von Angehörigen Spezialkräfte-Kommandos (KSK) der Bundeswehr im Kurnaz-Fall und der Beteiligung von Angehörigen des MAD bei Verhören in US-Geheimgefängnissen der CIA von Wichtigkeit sind, sondern die der Bundeswehr mit Sicherheit auch wichtig sind hinsichtlich zukünftiger Einsätze, Lageanalysen, historischer Forschung usw. Unwahrscheinlich, dass man solche Daten der Gefahr eines Totalverlustes aussetzt. Unwahrscheinlich auch deshalb, weil man sich mit Sicherheit nicht gegenüber befreundeten Geheimdiensten und Militärverbänden die Blöße geben würde, als technisch inkompetenter und unzuverlässiger Partner dazustehen.
Alle Daten sollen nur einmalig auf Bänder gesichert worden sein. Verfügen die ITler und Techniker im Zentrum nur halbwegs über die gleiche Kompetenz wie der Datensicherungsadmin, dessen Ausspruch oben zitiert wurde, handelt es sich also nicht um lobotomisierte Bundeswehrdrohen, wurde die Datensicherung redundant ausgeführt – zumindest für Teile der Daten, denen höchste Priorität beigemessen wurde.
Bei dem Zentrum für Nachrichtenwesen scheint es sich wie das KSK-Kommando selbst, das BKA und den BND um Organisationen und Institutionen zu handeln, die sich mehr oder weniger völlig der Kontrolle des Kontrollgremiums und anderer Kontrollstrukturen entzogen haben bzw. entziehen können.
Am 12. Juni 2007 erzählt Verteidigungsstaatssekretär Peter Wichert, dass Ende 2004 die Datensicherungsaktion durchgeführt und angeblich Anfang Juli 2005 alle angeblich unlesbaren Bänder vernichtet wurden. Also zweieinhalb Jahre nach der "Backup-Aktion", ein Jahr später nach der Bandvernichtung und wieviel später, seidem sich die Ausschüsse mit dem KSK, dem BND und Kurnaz befassen?
Genug Zeit, Daten zu duplizieren, vielleicht sogar Datenrekonstruktionen anzufertigen und danach der Öffentlichkeit trotzdem das Märchen der vernichteten Bänder zu präsentieren. Hinzu kommt, dass Wichert Ströbele noch im November 2006 zusagte, dass der Verteidigungsauschuss Informationen zu den KSK-Einsätzen erhält – mit abhanden gekommener Datenbasis?
Die verschwundenen Daten der Bundeswehr folgen den nicht mehr auffindbaren Akten der Bundesministerien im BND-Ausschuss und der Vertuschungs- und Verweigerungshaltung der Bundesregierung gegenüber den Mitgliedern des Ausschusses. Sie folgen den vernichteten Akten des ehemaligen Bundeskanzlers Kohl, sie folgen auch der verdeckten Datenerhebung aka "Online-Durchsuchung", die man seit zwei Jahren in geheim gehaltenen "Dienstvorschriften" für die Geheimdienste versteckte.
Bei der missglückten "Datenbackupaktion" der Bundeswehr handelt es sich um eine bewußte Vertuschungs- und Geheimhaltungsoperation, um einen Akt einer Abschottungs- und Geheimhaltungspolitik, wie man sie seit 2001 immer stärker im Geheimstaat USA beobachten konnte. Eines der miesen kleinen Phänomene, die die zu Präventions- und Polizeistaaten verkommenenden Demokratien kennzeichnet. Und wieder ein Vorfall, den man nie zur Gänze wird aufklären können, denn dazu ist dieser Staat weder in der Lage noch hat er den Willen dazu.
Siehe auch:
Augen Geradeaus - Das kommt mir spanisch vor....
elementarteile - Warum so aufgeregt?
Farli - Datenverlust bei der Bundeswehr und ich sage nichts?
FreiHeIT - /dev/null die Zweite
von rabenhorst - Owl,
gepostet am Dienstag, 26. Juni 2007 um 17:43

