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Die “Brillenwanze”

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.
Ich lese immer wieder gerne über die kleinen fiesen Spy Gadgets, die u. a. das britische Weblog Spy Review vorstellt. Wenn man sich die bunte Produktpalette vor Augen führt, die neben privaten Sicherheitsdiensten, Detekteien und Regierungsbehörden auch Privatmännern und -frauen in diversen "Spy Shops" angeboten wird und man davon ausgehen würde, dass sich sehr viele Leute für die Anwendung der Spionagemittel interessieren, müsste man paranoid werden.

Über ein aktuelles Beispiel berichtet Spy Review im Beitrag Listening Device Hidden in Spectacle Case. Dabei geht es um ein "Brillenetui", auf dem das Logo der britischen Optikerkette Specsavers aufgedruckt ist.
Brillenwanze
Hier in Deutschland müsste dementsprechend das Logo bekannter deutscher Optikdiscounter aufgebracht werden, um neugierige Nachfragen, was das denn für ein merkwürdiges Kästchen ist, präventiv auszuschließen – was am Rande die Frage aufwirft, welchen Zusatzprofit Markenhersteller durch die Vergabe ihres Logos für Spy Gadgets erzeugen.

Das eigentlich Interessante ist wie bei vielen der Spy Gadgets aber das Innenleben.

Das besteht beim Specsavers "Brillenetui" aus der kompakten GSM Wanze, die der Hersteller der Brillenetui GSM Wanze, das britische Unternehmen TrackerShack, auch gesondert vertreibt.
GSM Wanze
Die GSM Wanze, in die sich der Spion einwählt, um sie zu aktivieren und mitzuhören, enthält ein GSM Modul, einen Baterriehalter für die Aufnahme dreier AA-Batterien, die das Gerät für zwei Wochen mit Energie im Standby-Betrieb versorgen, ein Mikrofon zur Erfassung der Gespräche in der Umgebung des Brillenetuis und einen Einschub für die SIM-Karte, wobei TrackerShack statt O2 Vodafone empfiehlt – wegen der "besseren Audioqualität" und Datenübertragung für das "Tracking".

Neben der Abhörfunktion kann man die Brillenetui-Wanze natürlich auch für die Lokalisierung und Ortsverfolgung nutzen, für die TrackerShack zugleich den GSM Tracking-Dienst von FollowUs vertreibt, denn TrackerShack ist ja nicht dumm.

Wie bei vielen dieser Tracking-Dienste, die seit Jahren auf dem Markt angeboten werden, braucht man dort nur ein Konto anzulegen und die SIM-Karte, die in der GSM Wanze steckt, registrieren. FollowUs wählt sich dann automatisch in die GSM Wanze ein, gleicht den Standort ab und präsentiert das Ergebnis als SMS-Nachrichten auf ein anderes Mobilfunkgerät oder auf einer zoombaren Kartenapplikation.

Die GSM Wanze ist gemessen an Profiwanzen zwar klobig, aber aufgrund ihrer Brillenetui-Tarnung unauffällig und mit ca. 111 £ (ohne Kosten für den Tracking-Dienst und die Mobilfunknutzung) auch für Privatleute geradezu spottbillig einsetzbar. Das Trimtrac Pro GPS Tracker Modul von TrackerShack ist noch zu groß, um in das Brillenetui zu passen und beinhaltet kein GSM-Modul und Mikrofon, aber das wird mit der Zeit schon passend gemacht werden, die Dienste für das Tracking von Mobilfunkgeräten mit GPS-Modulen existieren ja bereits.

Ob wir nicht nur in einer Überwachungsgesellschaft, sondern auch in einer Gesellschaft des Misstrauens leben? Aber mit Sicherheit.
von rabenhorst - Owl, gepostet am Freitag, 27. Juli 2007 um 15:56
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