calendar
« Jun12345678910111213141516171819202122232425262728293031 Aug »

Am Checkpoint gestrandet

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.
Über eine dieser verrückten Geschichten, die einem passieren können, wenn man in die Post-9/11 USA einreisen will, berichtet Halavar Flake in einem aktuellen Beitrag seines Weblogs ADD / XOR / ROL.

Flake nimmt seit Jahren an den Black Hat Konferenzen in den USA teil, wo er 2-Tage Trainingkurse zur IT-Sicherheit gibt, an denen immer auch Vertreter der US-Sicherheitsbehörden und des US-Militärs teilnehmen, denn Absicherung von Netzwerken und Computersystemen ist dort immer ein Thema der Nationalen Sicherheit.

In den vergangenen Jahren reiste er immer – trotz 9/11 – ohne Probleme über das Visa Waiver Programm in die USA ein. Das Visa Waiver Programm erlaubt es Angehörigen "befreundeter" Staaten ohne spezielle Visa einzureisen und sich als Tourist oder für Geschäftszwecke für maximal 90 Tage in den USA aufzuhalten.

Was aber nicht bdeutet, dass man nicht mit dem US-VISIT oder ATS System des US-Ministeriums für Heimatschutz und den damit verbundenen Terror-Watchlist Datenbanken einem Background-Check unterzogen wird und Pässe, die nach Oktober 2006 ausgestellt wurden, aus einem ePass mit RFID Chip bestehen müssen, dessen biometrische Daten ebenfalls bei der Einreise erfasst und abgeglichen werden.

Aber diesmal hatte Flake den "Fehler" gemacht, Trainingsmaterialien für seinen Kurs auszudrucken und in seinem Aktenkoffer mitzunehmen. Am Zoll Checkpoint wurde sein Aktenkoffer durchsucht und als die Angestellten des US-Zoll die Unterlagen fanden, reichte auf die Frage, was das denn sei, nicht mehr die Antwort von Flake, die seien für ein Training bestimmt. Für die nächsten viereinhalb Stunden musste Flake zum Verhör durch einen weiteren Beamten, in dem er u. a. gefragt wurde, warum das Training nicht durch einen US-Bürger durchgeführt wird und wessen Natur sein Vertrag mit Blackhat sei.

Flake hatte wahrheitsgemäß angegeben, als Privatperson bzw. Freiberufler engagiert worden zu sein, weil so auch die jahrelangen Abmachungen mit Black Hat aussahen. In der Zwischenzeit hatte Flake aber auch die Firma SABRE Security bzw. SABRE Labs gegründet, aber seinen Vertrag mit Black Hat nicht dahingehend geändert, dass er als Vertreter seiner Firma für Black Hat tätig wird. Die Beamten zogen daraus den Schluß, dass Flake in Wahrheit ein Angestellter von Black Hat sei und er unter falschen Angaben versuchte, in die USA einzureisen. Hätte er den Vertrag mit Black Hat geändert und wäre er als Firmenvertreter eingereist, der einen geschäftlichen Auftrag für Black Hat in den USA ausführt, wäre es seiner Meinung nach zu keinen Problemen gekommen. So aber erfolgt wie in vielen anderen Fällen der notgedrungene Rückflug nach Deutschland, denn auf eine unbürokratische ad hoc Lösung ließen sich die Grenzschutzbeamten nicht ein.

Wie Flake in seinem Weblog schreibt, befürchtet er nun, dass er dauerhaft in den Datenbanken der US-Sicherheitsbehörden als Person gespeichert ist, der eine Einreise per Visa Waiver verweigert werden muss und er wie im jetzigen Fall in Zukunft immer ein Geschäfts-Visum in der amerikanischen Botschaft beantragen muss, wenn er in die USA einreisen will. Um doch noch in die USA und zu seinem Black Hat Training zu kommen, hatte Flake nach einem Termin bei der amerikanischen Botschaft nachgefragt und auch einen bekommen – am 24. August. Nun will er morgen versuchen, einen Dringlichkeitstermin bei der Botschaft zu erhalten, um eine schnelle Klärung zu erreichen.

Was man daraus lernen kann? In Papierform sollte man in die USA nur unverfängliches Material mitnehmen – wenn überhaupt und besser Materialien vorher elektronisch zum Abruf in den Staaten aufbereiten oder – wenn man mit dem Laptop reist – alles verschlüsselt und versteckt "einschmuggeln". Am einfachsten gelingt wohl die Einreise als "Tourist", was sich vielleicht auch für Geschäfte eignet, wenn man keine geschäftlichen Aufgaben mit offiziellem bzw. öffentlichen Charakter in den USA erledigt. Und für alle anderen Fälle muss man sich wohl oder übel genau mit den ganzen Einreiseprozeduren und speziellen Visa-Geschichten auseinandersetzen.
von rabenhorst - Owl, gepostet am Montag, 30. Juli 2007 um 8:53
Aufgrund der Textinhalte könnten folgende Beiträge thematisch zu diesem Beitrag passen:
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: