Ich habe nichts zu verbergen II: Das Stigma in der Post-Datenbank
Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen verspürte ein Großbrief
Heimweh und kehrte in meinen Postkasten zurück, mit dem Vermerk, er wäre
"unzureichend frankiert". Tatsächlich fehlte die Briefmarke - an ihrer
Stelle nur aufgerauhtes Papier, das den Schluß nahelegte, daß die Marke
damals durchaus fest daraufgeklebt worden war.*
Ein kurzer Anruf
bei der Deutschen Post erwies sich als erhellend, wenngleich auf völlig
andere Art als erwartet.
Nach meinem Hinweis, daß es doch
aufschlußreich sein könne, ob sich ähnliche Beschwerden aus diesem
PLZ-Bereich dieser Art fänden - was dann den Schluß nahelegen würde, daß
die Marken sich nicht von selber von ihrem Brief trennten - warf die
Telefonistin einen Blick in ihre Datenbank und meinte, "ach, Sie hatten
sich ja vor ein paar Wochen schon einmal beschwert".
Richtig,
denn damals fehlte eine Benachrichtigungskarte, und die Umstände ließen
fürchten, daß eine weitere langerwartete Sendung ebenfalls verschollen
war.
Falsch, denn eine Beschwerde hatte ich nicht
durchgegeben, nur gefragt, wie ich an solche unbenachrichtigten
Sendungen noch herankommen oder über deren Erhalt in Kenntnis gesetzt
werden könnte - nach einer Woche werden sie ja üblciherweise
zurückgeschickt. Was der Gesprächspartner dann aber offenbar als
Beschwerde in die Datenbank der Deutschen Post eintrug.
Schon stand ich als der gute alte Meckerer da, der sich sofort wegen
jeder Kleinigkeit beschwert. In diesem Falle nur ein unangenehmes Gefühl
im Gesprächsverlauf.
In einem anderen Kontext aber, sei es eine
Bewerbung oder eine gewichtigere Beschwerde, könnte dieser kleine, feine
Datenbankeintrag jedoch ganz andere Folgen haben. Insbesondere dann,
wenn Unternehmen zu größeren Unternehmen gehören und ihre Datenbanken
fleißig miteinander abgleichen.
Wir wünschen viel Vergnügen.
Nachtrag:
Unabhängig von der Dtaenbankgeschichte - gerade kam
ein Briefmarkenheftchen der Post als Entschuldigung (oder Kulanz): Das
freut einen dann wiederum.
Nachtrag II:
Besonders pikant wird das Ganze angesichts
möglicher lukrativer und weltweiter "Daten-Tauschbörsen", über
die in der TP gegrübelt wird; und dort geht es gar um den
Handel mit geheimdienstlichen bzw. kriminalpolizeilichen Datenbanken.
Wie viel einfacher da der Weg aus der Privatwirtschaft in die
Privatwirtschaft.
*) In solchen Fällen ist nicht der
verlorene Euro das Problem, sondern die Zeit - wenn ein Verlag schon auf
die Fahne wartend mit den Hufen scharrt, weil er die Druckerpresse
termingerecht anwerfen muß, ist eine Woche Verzögerung nicht gerade
lustig.
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