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Freiheit für die es sich zu sterben lohnt?

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.

In einem Land wie dem unseren ist die Überschrift mehr als übertrieben, schließlich lässt sich im nüchternen Licht der Relation schnell erkennen, dass es tausend andere Flecken auf diesem Planeten gibt, die nach kleinen Stücken der Freiheit streben, die wir täglich genießen. Dort wird tatsächlich auch menschliches Leben riskiert.

“Lieber in Freiheit sterben, als unfrei leben” war auf einem der Plakate der Demo gegen die Vorratsdatenspeicherung und weiterer Überwachungsmaßnahmen am Samstag in Berlin zu lesen. Liest sich heroisch und entfaltet auf eine Art gedankenloses Zustimmen. Gedankenlos ist die spontane Zustimmung, weil niemand sterben will - nicht mal “lieber”. Es ist sogar allgemein nicht davon auszugehen, dass wir als ungeübte Freiheitskämpfer der Tragweite einer solchen Parole jenes Bewusstsein entgegen bringen, dass es eigentlich verdient. Und auch jene Plakatträger werden sich über jeden Einsatz von Sicherheitskräften freuen, die ihre eigene körperliche Unversehrtheit bewahren, online wie offline. Wer sich davon losspricht, ist nahe am Selbstbetrug. Nur wenigen ist das eigene Leben egal.

Genau da setzt absichtlich oder unabsichtlich der innere Zersetzungsprozess des freiheitlichen Fundamentes unseres Denkens an. Die persönliche und täglich erfahrbare Unsicherheit vermengt sich mit den immer neuen Meldungen über Bedrohungen und Vorschlägen zu ihrer Verhinderung zu einem bedauerlich stabilen Gefühlsbeton. Parallel mit dem Aufbau einer tragenden Betondecke, die sich tröstlich unter den manchmal wackeligen Füssen verfestigt, bröckelt langsam aber sicher die Substanz unser freien Gesellschaft. Am Ende sperren wir die eigene Privatsphäre aus. Wir tauschen die Offenheit gegenüber den anderen mit der freiwilligen Offenlegung des eigenen Lebenswandels ein.

Unausweichlich ist daher, sich doch auf die theoretischen Auswirkungen der eigenen Geisteshaltung einzulassen. Selbst unter Konstatierung eines zutiefst abstrakten Gedankengebäudes bleibt keine andere Schlussfolgerung, als für die eigene, begründete Kritik an den überzogenen Überwachungsmaßnahmen mit der vollen Konsequenz einzustehen. Diese Konsequenz bedeutet, dass es mir lieber wäre mein eigenes Leben oder das geliebter Menschen zu verlieren, als in einem Land zu leben, dass die Freiheit hinter die Sicherheit stellt. Und auch wenn die Materialien schon im Gefühlsbeton festzutrocknen drohen, bastel ich mir gerade genau solches ein inneres Plakat.

von Sabbeljan Jagdfieber, gepostet am Sonntag, 23. September 2007 um 23:40
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