Netzwerk der Angst
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Die Presseagentur UPI lässt in der Meldung Jihadis using Web-based traffic cameras den "Jordanien-Experten" und "Beobachter der Cyber-Taktiken islamistischer Extremisten" Abdul Hameed Bakier ein wenig über dessen Entdeckungen schwätzen, die er im Auftrag der Jamestown Foundation für Artikel in deren TerrorismMonitor wiedergibt.
Um einzuschätzen, woher der Wind weht, sollte man zur Jamestown Foundation wissen, dass zur Foundation laut des Wikipedia-Artikels und der darin verlinkten Quellen so illustre "Persönlichkeiten" wie der Ex-CIA Direktor, Vizepräsident bei Booz Allen Hamilton, politischer Architekt des Echelon-Überwachungsnetzwerks und Vertreter des "4. Weltkriegs" James R. Woolsey und US-Vizepräsident Dick Cheney gehören. Der Präsident der Foundation ist wiederum Glen Howard, der vorher Analyst beim Rüstungs- und Geheimdienste-Konzern SAIC und Lobbyist beim US-Verteidigungsministerium und dem National Intelligence Council war. Am besten fasst wohl der Artikel The Jamestown Foundation: A News Agency Made to Measure die Intentionen des neokonservativen rechten Think Tanks zusammen. Daraus:
Darin schreibt Bakier nach einer Vorstellung des Verschlüsselungsprogramms "Secrets of the Mujahideen", das von der GIMF ("Global Islamic Media Front") verteilt wird, über den "weitergehenden elektronischen Dschihad".
Der besteht nach Beobachtungen in Dschihad-Foren und Interpretation von Bakier im Austausch und der Anwendung eines unentdeckbaren Hack- und Spionage-Programm namens "al-Mojahid al-Electroni" zur Übernahme ungläubiger Rechner, "das als 'actskn43.ocx' auftauche und auf Windows XP und 98 Systemen arbeite", so Bakier.
Nun kennt man als Windowsnutzer *.ocx Dateien spätestens dann, wenn man einmal den Internet Explorer genutzt hat. Ansonsten offenbaren Informationsquellen wie die Wikipedia und Google, dass OCX für "OLE custom controls" steht, allgemeiner bekannt als ActiveX-Steuerelemente, die vor allem vom Internet Explorer geladen werden. Schon erschreckend und beeindruckend, mit welchen elektronischen Waffen der gefährliche elektronische Dschihad-Terrorismus aufwartet oder?
Aber es kommt noch besser.
Erinnert sich noch jemand an die Geschichten über die Nutzung von Google Earth durch islamistische Terrorkommandos, mit denen die Zielprogrammierungen für ihre Raketen vornehmen könnten oder das nächste Anschlagsziel auskundschaften, die vor einer Zeit die Presse wuschelig machten? So etwas hat Bakier auch zu bieten.
Am Ende des Artikels berichtet er über den Dschihad-Foren Nutzer "Al-Fors", der die Suchanfrage "intitle:liveapplet inurl:LvAppl" postet, mit dem sich netzwerkfähige Kameras aufspüren lassen.
Jeder Google Nutzer und jeder, der die Berichterstattung zu Google verfolgt, kennt diese und ähnliche Google Suchanfragen, mit denen sich zumeist langweilige Videofeeds der Kameras anaschauen lassen, die den Straßenverkehr kontrollieren, städtische Sehenswürdigkeiten zeigen oder das Innere von Verkaufs- und Büroräumen, weil die Betreiber der Kameras entweder zu dämlich sind, sie zum Internet hin abzuschotten oder weil sie wollen, dass Nutzer ihre netzwerkfähigen Videokameras nutzen.
Für Bakier allerdings ein weiteres Werkzeug des elektronischen Dschihads und Indiz für die zukünftigen Absichten der Mudschahidin. Der gleiche Forenuser kündige laut Bakier auch "Codes" an, "mit denen man einige Länder durch die Kameras beobachten kann, der Länder, die sie für unterwürfige Leute installiert haben".
Womit der Dschihad-Foren Nutzer gar selbst auf eine mögliche Gefahr verweist, die Datenschützer mit dem Spruch umschreiben, dass "ein Mehr an Sicherheit bzw. Überwachungstechnik ein Mehr an Unsicherheit" mit sich bringen kann. Ob Ansammlungen von Daten, staatliche Trojaner oder Videoüberwachungskameras, die eine schweigende oder zustimmende Mehrheit von den "Funktionären der Sicherheit" für ein Optimum an Sicherheits-Maximierung installieren lässt, könnten eben auch für Terroristen attraktiv und zugänglich sein.
Für die meisten der derart verlinkten Netzwerk-Kameras sind allerdings keine "Codes" nötig, die, wie Bakier munkelt, Al-Fors möglicherweise an interessierte Mitstreiter nur über verschlüsselte E-Mails weitergibt mit – natürlich – den "Secrets of the Mujahideen", womit er der freien Nutzung von Verschlüsselung direkt auch eins ausgewischt hat. Handelt es sich um Standard Log-in Daten für die Webinterfaces der Kameras, so dürften die ebenfalls über Suchen und Handbücher der Hersteller in Erfahrung zu bringen und zu nutzen sein, denn die nachlässige Verwendung der Standard-Zugriffsdaten oder Passwrötern wie "Pipi" und "Susi" für technisches Gerät wie Router und auch Videokameras scheint ja immer noch eine beliebte Verhaltensweise zu sein.
Als "Beweis" für die "Bedrohung" durch Netzwerk-Kameras und die sie nutzenden "Cyber-Dschihadisten" führt Bakier dann noch den Forenmoderator "Al-Fedayee" an, der ebenfalls "aktive Links" zu Verkehrsüberwachungskameras in Israel gepostet habe. Die sollte man sich mal anschauen, denn Details zeigen die meistens nicht, sondern Weitwinkelaufnahmen in pixeliger Qualität oder Straßenkreuzungen. Da wäre sogar ein Falk-Stadtplan mit verzeichneten Sehenswürdigkeiten als Aufklärungsinstrument attraktiver.
Man kann also schön sehen, wer hinter den ganzen Bedrohungs- und Angstkulissen steht, welche mit Halbwissen ausgestattete und mit Übertreibungen operierende "Terrorexperten" die Sicherheits-Agenda der "Funtionäre der Sicherheit" in die Medien und die Presse transportieren und wie die sich zu unreflektierenden Sprachrohren missbrauchen lassen.
Um einzuschätzen, woher der Wind weht, sollte man zur Jamestown Foundation wissen, dass zur Foundation laut des Wikipedia-Artikels und der darin verlinkten Quellen so illustre "Persönlichkeiten" wie der Ex-CIA Direktor, Vizepräsident bei Booz Allen Hamilton, politischer Architekt des Echelon-Überwachungsnetzwerks und Vertreter des "4. Weltkriegs" James R. Woolsey und US-Vizepräsident Dick Cheney gehören. Der Präsident der Foundation ist wiederum Glen Howard, der vorher Analyst beim Rüstungs- und Geheimdienste-Konzern SAIC und Lobbyist beim US-Verteidigungsministerium und dem National Intelligence Council war. Am besten fasst wohl der Artikel The Jamestown Foundation: A News Agency Made to Measure die Intentionen des neokonservativen rechten Think Tanks zusammen. Daraus:
Actually, the Jamestown Foundation is only an element in a huge machine, which is controlled by Freedom House and linked to the CIA. In practice, it has become a specialized news agency in subjects such as the communist and post-communist states and terrorism. Although it publishes high quality information on issues that can be checked up, it does not hesitate to launch the most blatant imputations on the rest, thus providing neo-conservative think tanks with a world image that matches their ghosts and justifies their policy. There are also many other tools or means of support with which the U.S. espionage tries to interfere or control, whether by public debate or by having an effect on the citizen's opinion.
Der Artikel, auf den sich UPI bezieht: GIMF Develops Defensive and Offensive Software for Jihadi Operations.Darin schreibt Bakier nach einer Vorstellung des Verschlüsselungsprogramms "Secrets of the Mujahideen", das von der GIMF ("Global Islamic Media Front") verteilt wird, über den "weitergehenden elektronischen Dschihad".
Der besteht nach Beobachtungen in Dschihad-Foren und Interpretation von Bakier im Austausch und der Anwendung eines unentdeckbaren Hack- und Spionage-Programm namens "al-Mojahid al-Electroni" zur Übernahme ungläubiger Rechner, "das als 'actskn43.ocx' auftauche und auf Windows XP und 98 Systemen arbeite", so Bakier.
Nun kennt man als Windowsnutzer *.ocx Dateien spätestens dann, wenn man einmal den Internet Explorer genutzt hat. Ansonsten offenbaren Informationsquellen wie die Wikipedia und Google, dass OCX für "OLE custom controls" steht, allgemeiner bekannt als ActiveX-Steuerelemente, die vor allem vom Internet Explorer geladen werden. Schon erschreckend und beeindruckend, mit welchen elektronischen Waffen der gefährliche elektronische Dschihad-Terrorismus aufwartet oder?
Aber es kommt noch besser.
Erinnert sich noch jemand an die Geschichten über die Nutzung von Google Earth durch islamistische Terrorkommandos, mit denen die Zielprogrammierungen für ihre Raketen vornehmen könnten oder das nächste Anschlagsziel auskundschaften, die vor einer Zeit die Presse wuschelig machten? So etwas hat Bakier auch zu bieten.
Am Ende des Artikels berichtet er über den Dschihad-Foren Nutzer "Al-Fors", der die Suchanfrage "intitle:liveapplet inurl:LvAppl" postet, mit dem sich netzwerkfähige Kameras aufspüren lassen.
Jeder Google Nutzer und jeder, der die Berichterstattung zu Google verfolgt, kennt diese und ähnliche Google Suchanfragen, mit denen sich zumeist langweilige Videofeeds der Kameras anaschauen lassen, die den Straßenverkehr kontrollieren, städtische Sehenswürdigkeiten zeigen oder das Innere von Verkaufs- und Büroräumen, weil die Betreiber der Kameras entweder zu dämlich sind, sie zum Internet hin abzuschotten oder weil sie wollen, dass Nutzer ihre netzwerkfähigen Videokameras nutzen.
Für Bakier allerdings ein weiteres Werkzeug des elektronischen Dschihads und Indiz für die zukünftigen Absichten der Mudschahidin. Der gleiche Forenuser kündige laut Bakier auch "Codes" an, "mit denen man einige Länder durch die Kameras beobachten kann, der Länder, die sie für unterwürfige Leute installiert haben".
Womit der Dschihad-Foren Nutzer gar selbst auf eine mögliche Gefahr verweist, die Datenschützer mit dem Spruch umschreiben, dass "ein Mehr an Sicherheit bzw. Überwachungstechnik ein Mehr an Unsicherheit" mit sich bringen kann. Ob Ansammlungen von Daten, staatliche Trojaner oder Videoüberwachungskameras, die eine schweigende oder zustimmende Mehrheit von den "Funktionären der Sicherheit" für ein Optimum an Sicherheits-Maximierung installieren lässt, könnten eben auch für Terroristen attraktiv und zugänglich sein.
Für die meisten der derart verlinkten Netzwerk-Kameras sind allerdings keine "Codes" nötig, die, wie Bakier munkelt, Al-Fors möglicherweise an interessierte Mitstreiter nur über verschlüsselte E-Mails weitergibt mit – natürlich – den "Secrets of the Mujahideen", womit er der freien Nutzung von Verschlüsselung direkt auch eins ausgewischt hat. Handelt es sich um Standard Log-in Daten für die Webinterfaces der Kameras, so dürften die ebenfalls über Suchen und Handbücher der Hersteller in Erfahrung zu bringen und zu nutzen sein, denn die nachlässige Verwendung der Standard-Zugriffsdaten oder Passwrötern wie "Pipi" und "Susi" für technisches Gerät wie Router und auch Videokameras scheint ja immer noch eine beliebte Verhaltensweise zu sein.
Als "Beweis" für die "Bedrohung" durch Netzwerk-Kameras und die sie nutzenden "Cyber-Dschihadisten" führt Bakier dann noch den Forenmoderator "Al-Fedayee" an, der ebenfalls "aktive Links" zu Verkehrsüberwachungskameras in Israel gepostet habe. Die sollte man sich mal anschauen, denn Details zeigen die meistens nicht, sondern Weitwinkelaufnahmen in pixeliger Qualität oder Straßenkreuzungen. Da wäre sogar ein Falk-Stadtplan mit verzeichneten Sehenswürdigkeiten als Aufklärungsinstrument attraktiver.
Man kann also schön sehen, wer hinter den ganzen Bedrohungs- und Angstkulissen steht, welche mit Halbwissen ausgestattete und mit Übertreibungen operierende "Terrorexperten" die Sicherheits-Agenda der "Funtionäre der Sicherheit" in die Medien und die Presse transportieren und wie die sich zu unreflektierenden Sprachrohren missbrauchen lassen.
von rabenhorst - Owl,
gepostet am Donnerstag, 4. Oktober 2007 um 11:45

