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Emotionen und Gefühle für Big Brother

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Über das Forschungsprogramm "Feel Europe" im Rahmen des 6. Forschungsrahmenprogramms der EU, das der Grundlagenforschung zur Verbesserung des Verständnisses und der Entwicklung von Techniken zur Erfassung und Nutzung menschlicher Gefühle und Emotionen dient, berichtet der Forschungsinformationsdienst der EU im englischsprachigen Artikel Europäische Expertenplattform befasst sich mit dem Messen menschlicher Emotionen mit einer passenden Abbildung, die dem Artikel beigefügt ist:
Massive Production

"Massive Production" © Yannis Ntousiopoulos
Hauptbeteiligte des mit 195395 € geförderten Programms, das vom 1. Februar 2007 bis 31. Juli 2008 läuft, sind die Abteilung für Medizintechnik und Neuroprothetik am Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik und die Medizinische Fakultät der spanischen Universität Miguel Hernandez.

Das Resultat des Programms bzw. Workshops soll aus einem White Paper bestehen, das neue Ideen und wissenschaftlich-technische Möglichkeiten aufzeigt, um das zu entwicklen, was die Fraunhofer Forschungsabteilung als ihren Forschungsgegenstand beschreibt:
Der Forschungsgegenstand der Abteilung ist die Entwicklung und Anwendung von intelligenten invasiven und nichtinvasiven Schnittstellen zum Nervensystem und ihre Nutzung sowohl für die Stimulation als auch Erfassung bioelektrischer Potenziale.

Die dafür benötigten Hard- und Softwarekomponenten werden entwickelt und gefertigt. Dabei reicht das Spektrum von miniaturisierten, implantierbaren Elektroden über Monitoringsysteme und Signalverarbeitung bis hin zur Applikation.
Das White Paper soll außerdem als Grundlage dienen, um Anknüpfungspunkte für Anschlussförderungen aus dem Topf des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU zu finden.

Zu den Möglichkeiten der Nutzung menschlicher Emotionen zählen Anwendungen für Roboter- und Computersysteme, die einerseits die Systeme dazu befähigen sollen, menschliche Emotionen, die sich in Gestik und Gesichtsmimik ausdrücken, besser zu erkennen bzw. zu interpretieren und andererseits dazu beitragen, dass Robotersysteme selbst künstliche Emotionen ausdrücken können, die mit der Situation und den erkannten Emotionen des menschlichen Gegenübers übereinstimmen.

Praktische Anwendungsfeldern wären zum Beispiel Service-Roboter, die medizinische oder betreuende Aufgaben in Haushalten wahrnehmen, deren Einsatz vor allem in Japan bereits bei älteren oder hilfebedürftigen Personen erprobt werden. Ein anderes Gebiet sind neue Computer-Mensch "Schnittstellen", die einem direktern und weniger technischen "Dialog" zwischen Computer und menschlichem Anwender dienen sollen, was zum Beispiel für comutergestützte e-Learning Systeme interessant wäre.

Weitere Anwendungsfelder mit kritischerer Zielsetzung werden nur im "Vision Paper" der Forschungsgruppe genannt und nicht auf den Webseiten um das "Feel Europe" Projekt.

Als relevant für die kommerzielle Verwertung stellen sich die Forscher Werbeplattformen vor, die anhand der emotionalen Reaktionen der Konsumenten bewerten, ob eine Werbung beim Konsumenten erfolgreich einschlägt, was man zum Beispiel für neuartige Werbedisplays und Werbetechniken nutzen könnte. Weitere Beispiele der Forscher sind PKWs, die automatisch besänftigende Musik einspielen oder erst gar nicht starten, wenn ihre "Emotionssensoren" starken Ärger oder Stress erkennen, PCs, die passend zur Emotion des Nutzers entsprechende Wallpaper einblenden (welch zivilisatorische Errungenschaft) oder CD-Player, die Friede-Freude-Eierkuchen Sound abspielen, wenn sie eine traurige Gemütsverfassung feststellen.
Feel Europe Logo

Feel Europe Logo.
Zivile Forschungsprojekte sind heutzutage noch mehr von Wert – auch hinsichtlich zu erschließender Forschungsgelder, wenn sie ebenfalls "Dual-Use" Aspekte hinsichtlich ihrer Nutzung für Kontroll- und Überwachungstechniken berücksichtigen. Auch dazu finden sich im Vision Paper Überlegungen der Forscher, die an die "Voight-Kampff" Maschinerie erinnern, die amerikanische Forscher imaginieren.

Was den Forschern zuerst einfällt ist natürlich die "intelligente "Verhaltens-Videoüberwachung:
Emotionen für Videoüberwachung
Aus dem "Vision Paper":
In öffentlichen Umgebungen wird Videoüberwachung zur Aufzeichnung von Personen und ihrer Aktivitäten angewendet, um vor allem Sicherheit zu bieten. Neue Methoden, Algorithmen und die wachsende Rechenkraft von Computern erlauben zu diesem Zweck die Auswertung von Videodaten in Echtzeit. Eine aktuelle Anwendung mit biometrischem Hintergrund ist die Identifizierung von Terroristen in öffentlichen Räumen und in diesem Zusammenhang die Analyse der Gesichtsausdrücke von Menschen, die in Verbindung zu Emotionen stehen. Weitere Forschungsaktivitäten decken die kontaktlose Aufzeichnung des Pulses mittels Thermografie und des EGG mittels Sensorik für elektrische Felder ab. Diese Beispiel sind noch nicht für den öffentlichen Einsatz geeignet, zeigen aber die Möglichkeiten und die Bedeutung des Messens von Biosignalen auf.
Was den Forschern außerdem einfällt, sind natürlich Lügendetektor-Systeme für Verdächtige "oder gar zur Kriminalitätsprävention", wie die Forscher zur kriminalistischen Relevanz ihrer Forschung ausführen:
In der Kriminalistik könnte eine zuverlässige Möglichkeit zur Messung von Emotionen eines Verdächtigen Polizeibeamte in die Lage versetzen, Lügen eines Verdächtigen zu durchschauen oder gar einem Verbrechen vozubeugen. Heutige Lügendetektoren messen nur Parameter wie den Puls oder den elektrischen Hautwiderstand. Um die daraus resultierenden Daten zu interpretieren, bedarf es einer speziell ausgebildeten Person. Deswegen ist so ein Test sehr kostenintensiv. Abseits davon sind diese Tests nicht sehr exakt und weisen die hohe Wahrscheinlichkeit von Fehlinterpretationen auf. Diese Tatsachen und die damit einhergehenen großen Auswirkungen auf das Leben eines Verdächtigen muss die Frage aufwerfen, ob solch ein Test ethisch gerechtfertigt ist. Man hat also auf der einen Seite den Wunsch der Gesellschaft nach Sicherheit und Schutz und auf der anderen Seite die Befürchtung, zu einer komplett gläsernen Person zu werden. Wegen dieser ehtischen Fragen sind diese Tests in den meisten Ländern als Beweismittel vor Gericht unzulässig.
Wie man an den Ausführungen zur kriminalistischen Relevanz und der Gesamtbeschreibung des Projekts ablesen kann, sollen im Rahmen von "Feel Europe" auch die ethischen Fragen und Konsequenzen eine Rolle spielen, die sich beim invasiven Messen von Emotionen, Gefühlen bzw. "Biosignalen" stellen. Aus meiner Sicht dient die ethische Bewertung mehr dazu, zu entwickelnden (und vermarktungsfähigen) biometrischen Techniken für die Ausbeutung menschlicher Emotionen direkt am Anfang den Ausweis ethischer Unbdenklichkeit ausstellen zu können und sie hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit rechtlichen Bestimmungen abzuklopfen.

Alles noch Zukunftmusik, aber im Raum der Überwachung und Kontrolle kann die Zukunft schneller eintreten, als man denkt. Zur "Einstimmung" am Ende eine kleine Auflistung der Individualmerkmale, die über Forschungsprogramme, Prototypen und Systeme im Einsatz für Sicherheitstechniken erschlossen werden bzw. sind:
  • Schädelgeometrie
  • Gehirnwellenmuster
  • Gesichtsgeometrie
  • Gesichtsausdruck
  • Iris
  • Mundbewegungen
  • Stimme
  • Gang
  • Körperhaltung
  • Gestik
  • Fingerabdrücke
  • Fingervenenmuster
  • Schriftbild
  • Tastaturanschläge
  • Körpergeruch
  • DNA
von ravenhorst - Owl, gepostet am Sonntag, 28. Oktober 2007 um 11:03
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