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Ver- und Entkettung digitaler Identitäten

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Zum heißen Eisen der "Verkettung digitaler Identitäten" hat das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein und die Technische Universität Dresden den 236 Seiten starken Bericht "Verkettung digitaler Identitäten" veröffentlicht, der als PDF erhältlich ist und demnächst auch als Buch erscheint. Allein das Inhaltsverzeichnis liest sich schon sehr spannend.
Cover Verkettung Digitale Identitäten
Die "Verkettung digitaler Identitäten". Hinter diesem abstrakt klingenden Titel stecken ganz konkrete praktische Themen, die Menschen in ihrer Rolle z.B. als Bürger, Kunde, Arbeitnehmer oder Internet-Nutzer bewegen: "Wo werden welche Daten über mich erhoben? Wer kann sie miteinander verknüpfen, wo werden Profile über mich erstellt? Wie lassen sich diese verketteten Daten auswerten?" Der Report wurde im Auftrag und unter Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen der Innovations- und Technikanalyse erstellt.

Die Frage, inwieweit persönliche Informationen verkettet werden können und sollen, betrifft die Basis des Konzeptes "Datenschutz" – oder genauer: des Schutzes der Privatsphäre der Menschen. In unserer Informationsgesellschaft geschieht dies vor allem über sog. "digitale Identitäten". Diese finden sich beispielsweise in Nutzerkonten bei Anbietern im Internet, in Kundendatenbanken von Unternehmen oder auch in staatlichen Datenbeständen. Zu digitalen Identitäten gehören auch Ordnungsnummern der Verwaltung, biometrisch aufgenommene Merkmale wie z.B. Fingerabdrücke oder selbst flüchtige Daten, z.B. die einem Gast eines Internet-Cafés zugeordnete IP-Adresse. Mit ihnen lassen sich einzelne Datenspuren verketten und zu umfassenden Persönlichkeitsprofilen oder persönlichen Historien verknüpfen.
Unsere digitalen Identitäten haben also viel mit aktuell bewegenden Themen wie Data Mining, der Anlage und Analyse von Nutzer-Kunden-Bürger Profilen durch kommerzielle und staatliche Datensammler, der Personenkennziffer in Gestalt der Steuer-Identitätsnummer und weiterer eindeutiger Identitätsschlüssel, der Zentralisierung verschiedenster Internetdienste wie bei Google, den sozialen Netzwerken und "Web 2.0 Communities", Aufenthalts- und Bewegungsprofilen per GPS, RFID oder automatischer Kennzeichnenerkennung, Rasterfahndung, Antiterror-Datenbanken und -Watchlisten, Sortierung und Bewertung durch Scoring-Verfahren, Besucher-Monitoring mit Tracking-Cookies, Authentifikationssystemen wie OpenID und InfoCard, Anonymisierung und Pseudonymität etc., etc. zu tun.

Wer als Datenschützer, Bürgerrechtler oder politischer Aktivist reichhaltigen Lesestoff sucht, wird in dem Bericht fündig werden. Zur Ergänzung könnten die Titel Menschenrechte in Zeiten des Terrors von Rolf Gössner, 1984.exe von Sandro Gaycken, Verteidigung des Privaten von Wolfgang Sofsky, Das Ende der Privatsphäre von Peter Schaar oder der Grundrechte-Report 2007 dienlich sein – auch für den diesjährigen Bücher-Gabentisch :-)

Die Anzahl aktueller Titel zeigt, dass Privatsphäre, Datenschutz und Grundrechte zumindest auf dem Papier gefragte Themen sind.
von ravenhorst - Owl, gepostet am Freitag, 2. November 2007 um 13:04
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