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Die Gier nach DNA in Großbritannien

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Die Daily Mail ruft den Briten im Artikel Big Brother UK: Police now hold DNA 'fingerprints' of 4.5m Britons und der Guardian im Artikel Lib Dems attack policy on children's DNA records ins Gedächtnis, dass die britische Regierung das Sammeln von DNA Profilen in der Nationalen DNA Datenbank NDNAD unvermindert vorantreibt.

Die Daily Mail schreibt, dass in den letzten zehn Monaten mehr als eine Million DNA Profile der NDNAD hinzugefügt wurden, was nicht stimmt. Von Januar bis September 2007 wurden insgesamt 433514 und 2006 - 2007 667738 DNA Profile durch Poliziebehörden in England und Wales aufgenommen. Die Daily Mail hat die Zahlen des Innenministeriums also einfach addiert. Dennoch sind die Zahlen beeindruckend, besonders, wenn man sich die Entwicklung anschaut, die zu mittlerweile viereinhalb Millionen individueller DNA Profile in der NDNAD geführt hat:

1995-96: 33533
1996-97: 80198
1997-98: 125053
1998-99: 230787
1999-2000: 192994
2000-01: 375765
2001-02: 470971
2002-03: 444395
2003-04: 431727
2004-05: 480288
2005-06: 625797
2006-07: 667738
2007: 433514 (bis September)

Schenkt man der Aussage des Innenministeriums Glauben, dass 13,7 Prozent der Datensätze Duplikate sind, weil das gleiche DNA Profil mit verschiedenen Namensschreibungen gespeichert wurde, kommt man "nur" auf ca. 3,8 Millionen DNA Profile.

Interessant ist besonders, dass sich unter den Millionen laut des Sprechers für Innenpolitik der Liberalen Demokraten Nick Clegg 150000 DNA Profile von Jugendlichen und Kindern unter 16 Jahren befinden und zwar von Kindern und Jugendlichen, die keines Vergehens angeklagt und verurteilt wurden. Laut des Daily Mail Artikels sollen insgesamt ein Drittel der DNA Profile von Personen stammen, die keines Verbrechens angeklagt wurden und keinen Eintrag im Strafregister aufweisen.

Das ist auch kein Wunder, denn die Polizeibehörden können sich nach Polizeirichtlinien und Gesetzen wie dem Police and Criminal Evidence Act von jeder Person das DNA Profil verschaffen, die laut Aussage von Vertretern des Innenministeriums für ein Vergehen in einer Polizeistation festgehalten wurden.

Es ist aber längst bekannt, dass die Polizei generell DNA Proben von allen Personen nimmt, die Gegenstand einer polizeilichen Maßnahme wurden, worunter selbst die Opfer einer Straftat fallen. Die Richtlinien der britischen Polizeivertreung ACPO sehen vor, dass DNA Profile generell 100 Jahre gespeichert werden, eben auch von einer Personen, "von der im Rahmen einer polizeilichen Ermittlung noch kein DNA Profil genommen wurde."

Im britischen Innenministerium zirkulierte zudem vor einem Jahr eine Richtlinie, die vorsah, von allen Familienmitglieder einer Person DNA-Proben zu nehmen, die bereits von der Polizei "behandelt" wurde.

Den Zweck und die hinter der DNA Politik stehenden Wunschvorstellungen formulierte im September Sir Stephen Sedley, Richter am Appellationsgericht ihrer Majestät:
"Going forwards has very serious but manageable implications. It means that everybody, guilty or innocent, should expect their DNA to be on file for the absolutely rigorously restricted purpose of crime detection and prevention."
Für Sir Sedley stellt sich die Frage nach dem Prinzip der Unschuldsvermutung oder dem Recht, vom Staat in Ruhe gelassen zu werden, solange man nicht gegen Gesetze verstößt, jedenfalls nicht mehr.

Was in Großbritannien von Teilen der Justiz und Innenpolitiker angedacht und erstrebt wird, ist die langfristig systematische Erfassung der DNA der Bevölkerung – vom Kind bis zum Greis, von der Wiege bis zur Bahre.

Siehe auch:
Von nationalen DNA Proben & globalen DNA Datenbanken
Unschuldig in der DNA Datenbank
von ravenhorst - Owl, gepostet am Montag, 5. November 2007 um 15:01
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