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Biometrischer Anti-Terror Irrsinn

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Erinnert sich noch jemand an das Problem, das die Amerikaner mit ihrer explodierenden "Terroristen" Datenbank haben? Nein? Verständlich, wenn man sich den rasenden Durchsatz der Big Brother News anschaut: Es wird einem schwindelig.

Zum Problem der falsch aufgenommenen Personen bzw. falsch oder unterschiedlich geschriebenen Namen der "Terrorverdächtigen" in der Datenbank hat der aktuelle Boss des Terrorist Screening Centers (TSC), das die Masterliste erstellt, eine Lösung wortwörtlich "ins Auge gefasst". Die Lösung besteht natürlich nicht im Einstampfen oder Einkochen der Terrorliste auf Personen, für deren Terrorambitionen harte Beweise vorliegen, sondern – wie sollte es auch anders sein? – im verschärften Einsatz von Biometrie für die unfreiwilligen Entitäten der Datenbank.

Laut dem Artikel Terrorist screening chief: Biometrics crucial to accuracy der Federal Computer Week hat der TSC-Chef Leonard Boyle am 8. November dem Ausschuss für Heimatschutz des Repräsentantenhauses des U. S. Kongresses erklärt, das Problem mit der Terrordatenbank liege eben daran, dass sie allein auf Namen beruht und der Nachlässigkeit seitens seiner Kollegen aus den US-Geheimdiensten und Polizeibehörden, Namensschreibungen und -änderungen nicht korrekt nachzuhalten.

Das führt zu den bekannt gewordenen Effekten, dass Unschuldige in der Terrordatenbank landen, unbescholtene Bürger an den Checkpoints als Terrorverdächtige auf den Schirmen auftauchen und die wahren bösen Buben dagegen durch das Raster flutschen. Probleme die – wie man seit einiger Zeit weiß – auch die UN und EU-Terrorlisten plagen und das wachsend, sollten die beiden internationalen Organe weiterhin unkontrolliert Schindluder mit ihren Terrorlisten treiben dürfen.

Was hat nun der amerikanische Schnüffelboss für Lösungsideen? Naja, wenn die Namen Mist sind, sind für ihn natürlich biometrische Techniken, was logisch auch die Erfassung biometrischer Merkmale in der Terrordatenbank einschließt, der "sicherste Weg, die Identität von Reisenden (=Terrorverdächtige) zu überprüfen". Dafür arbeite das TSC auch bereits mit Partnerbehörden zusammen, "um Wege zu entwicklen, wie die Techniken nutzen könne, um besser die wahre Identität einer Person zu erfassen". Und der republikanische Senator Mark Souder soufflierte im Ausschuss: "Ohne biometrische Techniken – entweder Fingerabdrücke oder Irisscans – sehe ich keine klare Lösung des Problems." Ja Herr Senator und wenn es auch mit den Augäpfeln und Fingerkuppen hapert, kann man ja noch zig weitere physische Individualmerkmale der Verwertung zuführen.

Bevor das große Sammeln und zentralierte Speichern biometrischer Merkmale anfängt, gilt es jedoch, noch einige Hürden zu überwinden: Wie kommt man an die Hunderttausenden (und bald Millionen) biometrischer Merkmale heran, die zudem zu 95% von Ausländern abzugreifen und der Terrordatenbank einzuflößen sind. Wie macht man das Konzert kritischer Stimmen mundtot, die von Bürgerrechtsorganisationen, der Presse und Rechtsgelehrten ausgehen und welcher Hersteller kann die ultimative Erfassungs- und Identifizierungstechnik liefern, die nicht wieder im praktischen Einsatz versagt und zu hohe Fehlerkennungsraten liefert.

Man könnte den Beitrag auch drastischer betiteln: "Wie setzt man auf einen sicherheitspolitischen Scheißhaufen einen noch größeren drauf" oder "Wie sich aus bestehenden und anfälligen Kontrolltechniken Kapital für die Anwendung weiterer Kontrolltechniken schlagen lässt".

Ich bin nur gespannt, wann die US-Ideen – europäisch gewendet – wieder im Europäischen Raum der Sicherheit, des Rechts und der Freiheit auftauchen. Mit dem aufzubauenden System der Überprüfung von Flugpassagierdaten, den Ansätzen für ein EU-VISIT Sytem, der Überführung des Vertrages von Prüm in den Rechtsrahmen der EU und dem ganzen Rattenschwanz von Anti-Terror- und Biometrie-Datenbanken, die in Europa zur "Bekämpfung des Terrorismus" aufgerüstet werden, ist man ja bestens aufgestellt.
von ravenhorst - Owl, gepostet am Mittwoch, 14. November 2007 um 0:01
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