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Usenet ohne Augen und Speicher

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Im Tor TorifyHowto ist vor einiger Zeit der neue 3proxy Proxy-Server aufgetaucht, den es für alle unixoiden Betriebssysteme und für Windows als Open Source gibt.

3proxy integriert HTTP/HTTPS, FTP, Socks und POP3 Proxy- und TCP/UDP Portmapper-Funktionen. Konfigueriert wird 3proxy über das Editieren einer Konfigurationsdatei, die man dem Serverprogramm als Startargument übergibt und schwupps hat man einen universalen lokalen Proxy für viele Internetdienste. Gibt man für die jeweiligen Dienstkonfigurationen in der Konfigurationsdatei Tor als übergeordneten Socks 4+ Proxy an, werden die Verbindungen der jeweiligen Dienste an Tor weitergeleitet und so anonymisiert. Im TorifyHowto gibt es dazu genug Beispielkonfigurationen. Benötigt man nur für einen Dienst eine Proxy, gibt es auch eigenständige Proxymodule statt des universalen Proxyprogramms. Lohnt also einen Blick – früher oder später.

Ich hatte einen groben Blick auf 3proxy geworfen, weil ich etwas für NNTP, also News, also anonymer Nutzung des Usenets suchte. Ich weiß, Usenet genießt in der Blogosphäre, unter Bloggern und Webforennutzern nur eine geringe oder überhaupt keine Priorität. Ich lese aber wenigstens immer noch ganz gerne im Usenet, zum Schreiben fehlt mittlerweile die Zeit. Es ist aus meiner Sicht auch begrüßenswert, im Usenet immer noch eine weitere Kommunikationsinfratsruktur zur Verfügung zu haben, denn man weiß ja nie, was Innenpolitiker und Sicherheitsbehörden mit der Blogosphäre und den ganzen Webforen noch alles vorhaben – etwas Positives mit Sicherheit nicht. Außerdem kann man über und mit dem Usenet eine Menge anstellen, was Anonymität betrifft.

Nun gut, 3proxy bietet, wie mir scheint, bis jetzt kein NNTP "Modul" (die Entwickler habe ich deswegen mal angefragt), also habe ich mich für die Zwischenzeit nach einer anderen Lösung (für Windows)umgeschaut. Klar, ich kann auch im Thunderbird das Torbutton Add-on nutzen, aber dessen generelle An-Aus Funktion hat mir noch nie gefallen, auch nicht im Firefox, wo ich deshalb das FoxyProxy Add-on nutze.

Bei der Suche bin ich auf den CCProxy gestoßen, der genau die gleichen Funktionen wie 3proxy bietet, für die Klickibunti-Liebhaber sogar mit grafischer Oberfläche, über die man alles ein-, ab- und anstellen kann und die noch nicht einmal als überladenes Tab-Labyrinth daherkommt, wie es bei vielen Windowsapplikationen leider der Fall ist. Und NNTP war beim CCProxy auch dabei.

Einen "Schönheitsfehler" hat CCProxy: Er ist Closed Source und in der Demoversion kann man nur drei Benutzer administrieren (wer das oder mehr braucht), besitzt aber ansonsten keine weiteren Einschränkungen wie ein Zeitlimit oder nervende Nagscreens. Im Betrieb mit und ohne Proxyaktivitäten konnte ich auch keine zusätzlichen, verdächtigen Verbindungen feststellen.

Aber bevor ich CCProxy in Betrieb genommen habe, wurde zuerst das Konto des Newsservers meines Internetproviders gelöscht, den ich sonst frequentierte. Newsserver und NNTP sind zwar (noch) nicht Teil der Vorratsdatenspeicherpflichten, aber Newsgroups waren schon immer im Fokus der Sicherheitsbehörden, von Personaldienstleistern und Martbeobachtungsunternehmen. Außerdem gehört zu einem Internetnutzer-Profil (wer auch immer ein Interesse an solchem hat), welche Newsgroups abonniert sind und damit, welche Interessen und Hobbys ein Usenetnutzer im Auge hat. Das mag bei de.katzen.fotos nicht so tragisch sein, bei anderen Newsgroups unter Umständen schon.

Über Disenter und newzbot! wurde nach Vergleich und Test ein offener Newsserver mit passender Newsgroupanzahl, genügender Uptime und ausreichender Verbindungsgeschwindigkeit herausgepickt. Da ich wie gesagt nicht posten will, war das Merkmal "Posting erlaubt" nicht von Belang, aber auch solche Newsserver sind zu finden.

Dann die nötigen Einstellungen im CCProxy:
CCProxy Einstellungen

Hier werden die Dienstprotokolle und Ports aktiviert, für die Verbindungen der Anwendungen weitergeleitet werden sollen. Für's Usenet eben News und Port 119. Unten bestimmt man noch, an welchem Interface der Proxy lauschen soll. "Auto hide" verbannt den Proxy einfach in den Systray.

CCProxy Einstellungen

Die generelle Weiterleitung aller Verbindungen der aktivierten Dienste an Tor.

CCProxy Einstellungen

Hier sollte man noch 127.0.0.1 eintragen. Der Proxy soll über das Aufrufen konfigurierbarer Websites prüfen, ob eine Internetverbindung besteht – braucht man aber nicht, man hat ja Augen im Kopf.
Dann bleibt nur noch, im Thunderbird (oder einem anderen Newsreader) als Newsserver die IP-Adresse des Interfaces und den Port einzutragen, an dem der CCProxy lauscht. Für das Beispiel also 192.168.1.10:119. Als Benutzernamen übergibt man die Adresse des Newsservers mit einer #, also #mein.news.server und als Passwort enteder ein richtiges Passwort, falls der (offene) Newsserver ein Passwort verlangt oder einfach ein " " Leerzeichen oder gar nichts (muss man testen). Wird eine Benutzerkennung benötigt, dann benutzerkennung#mein.news.server als Benutzernamen im Newsreder übergeben.

Danach verbindet sich der Newsreader mit dem lokalen CCProxy, der alles an den lokalen Tor Onion Proxy weiterleitet und danach findet die Kommunikation mit dem Newserver anonymisiert über das Tor Netzwerk statt.
von ravenhorst - Owl, gepostet am Dienstag, 1. Januar 2008 um 13:46
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