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Von: Melancholia

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«unsere Großväter haben im Schweiße ihres Angesichts für mehr Abeitnehmerrechte gekämpft, über Generationen wurden die sozialen Sicherungssysteme aufgebaut. Unsere Vorfahren haben zum Teil mit ihrem Blut dafür bezahlt.»

- sehr richtig, und wenn hier schon so viel von Geschichte die Rede ist, hier mal ein kleines, hässliches Detail:

Der Sprecher des Seeheimer Kreises, Herr Kahrs, ist wohl erklärter Fan dieses Herren, Gustav Noske. Wer war Herr Noske? Ein rechtes SPD-Mitglied, und nicht nur das, alles weitere dazu weiß Wikipedia.

Das Problem dieses SPD-Flügels war immer ein merkwürdig-ambivalentes Verhältnis zu den damaligen noch bürgerlichen «Eliten» (imm Sinne von Machteliten).

Man wollte diese nicht verschrecken, man wollte eine Art Burgfrieden, man sah zu ihnen auf, man war schliesslich fasziniert von ihnen, und wollte eigentlich auch so werden. Der Volksmund kennt dafür die hässliche Redewendung «nach oben buckeln, nach unten treten», und sieht man sich die heutige «Schmarotzer»-Rhetorik eines Clement oder eben diese ganze Agenda-Politik an, so ist das durchaus eine passende Beschreibung. Diese heutige SPD-Generation besteht zu weiten Teilen aus sozialen Aufsteigern, die in den 70ern, ohne Studiengebühren, großzügig über 2. Bildungswege gefördert, nach «oben» kamen, und dann aber, wie Franz Walter im Spiegel mal so schön beschrieb, «die Strickleitern hochzogen».

Dazu kommt das grundsätzliche Problem unserer Zeit, nämlich dass irgendwann in den 80ern ein Phänomen begann, das ebenso bizarr, wie weitenteils unaufgearbeitet ist: Alle Parteien, von Grünen über CDU bis hin eben zur SPD, hatten seit den 80ern scheinbar interne Diskussionen, in denen sie schliesslich zum Schluss kamen, dass Reagan, Thatcher und der Vulgärliberalismus a la INSM recht hatten, sie selber dagegen alles falsch gemacht hatten. Belege dafür schienen z.B. die Massenarbeitslosigkeit im alten Labour-GB, das Ende des Fordismus und der damalige Wohlstand und die Wirtschaftskraft der USA zu sein. Nun hätten sie natürlich alle ihre Parteien auflösen können oder müssen, und die Wahl der FDP empfehlen können, das wäre das konsequenteste gewesen.

Was man aber stattdessen tat, war dies: Man behielt eine hohle Fassade und die Machtapparate von SPD (oder auch CDU) als zeichenhafte Oberfläche, entleerte sie aber ihrer ursprünglichen Inhalte, und verfolgte stattdessen eine «moderne» Thatcher-FDP-Politik, der man dann jeweils unterschiedliche Namen und Slogans verpasste. Das hielt man für sehr schlau, und das hat ja auch funktioniert. Zuerst die CDU unter Kohl, dann die SPD unter Schröder, inzwischen auch die Grünen.

Wo immer man heute diese unsäglichen zynischen Vokabeln hört — «Etatismus», «Volksbeglückungspolitik», wo immer auf den Strohmann «Lafo» eingedroschen wird, wo immer «Härten», «weitere Reformen» usw. gefordert werden, oder auch «Generationengerechtigkeit», «Nachhaltigkeit», «Chancengerechtigkeit», was ja alles zunächst gut und plausibel klingt; wo immer man all das antrifft, sollte man zumindest kurz mal innehalten, und schauen, ob man es hier nicht einfach nur mit umlackierten FDP-Inhalten und –Phrasen zu tun hat. Und in der SPD steht, ganz recht, besonders der «Seeheimer Kreis» für diese intellektuelle Bankrotterklärung und Selbstabschaffung.

So, und die Verschwörungstheoretiker dürfen jetzt noch nach der «Mount-Pelerin-Society» googlen, sich bischen gruseln, und sich dann langsam auch mal überlegen, was man diesen mehr als 60 Jahren alten Konzepten denn nun Modernes (!) entgegensetzen könnte. Zeit wirds nämlich.

von Kommentare zu: Wie der Seeheimer Kreis Geschichtsklitterung betreibt und offensichtlich die SPD in Gnze zerstren will, gepostet am Mittwoch, 26. März 2008 um 13:48
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