Freiheit statt Angst 2008
In 34 Städten haben bis zum frühen Abend Tausende Bürger an einem Aktionstag unter dem Motto “Freiheit statt Angst” teilgenommen. Aufgerufen zu den friedlichen Protesten etwa gegen die im Rahmen des Telekom-Bespitzelungsskandals an Aktualität gewinnende verdachtslose Protokollierung der Telefon- und Internetdaten, die heimliche Online-Durchsuchung, biometrische Ausweisdokumente oder die elektronische Gesundheitskarte hatte der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung.
Allgemein halte ich nichts viel von Demos obwohl ich früher selbst vielen beiwohnte, man war jung und glaubte mehr an die direkte Aktion, denn Nachhaltigkeit. Wobei beides sich natürlich nicht ausschließt, letzteres heute aber als nahezu fehlend zu vermerken ist. Dabei ist es gerade die Nachhaltigkeit, die letztendlich zum Momentum gereicht und Dinge wirklich zu ändern vermag. Heutzutage organisiert man Demos, offeriert dabei Feindbilder, spricht im Rahmen der Veranstaltung einige Dinge an und hinterläßt danach ein Vakuum, welches mit Buttons oder weiteren Aufmerksamkeitsaktionen im Netz ausstaffiert wird. So kann man zwar ein paar tausend bundesweit mobilisieren, wundert sich jedoch warum von den knapp 90 Mio Menschen nicht ein paar mehr auf die Straße gehen. Vielleicht liegt es am Wetter, vielleicht liegt es am Desinteresse, vielleicht liegt es auch so manches Mal an der fehlenden Information.
Information ist erst einmal alles, aber mancher benötigt mehr als nur BILD-Polemik, auch wenn sie in diesem Fall einem guten Zweck dient. Und letztendlich lassen sich jene, welche sich mittels dieser doch recht kurzatmigen Infos herumreißen lassen nach belieben steuern, wenn denn nur die passenden Argumente fallen. Schwieriger gestaltet sich dies jedoch bei jenen, die mittels ausführlicher Information an die Materie herangeführt wurden, eine kurzatmige Zerstreuungstaktik, das taktische Zünden von Nebelkerzen, verpufft hier wirkungslos.
Hauptsache es bewegt sich erst einmal etwas …, erst einmal Aufmerksamkeit erlangen … ist der Tenor, welcher einem bei derartiger Kritik entgegenschallt. Eine Argumentation die schon zahllosen Generationen der inhaltlichen Ignoranz diente. Die primäre Fixierung beispielsweise auf die Risiken und Nebenwirkungen des Internets und die teils nebensächliche bis kaum erwähnte Relevanz in Bereichen der Grundrechte allgemein, abseits des Computers, trägt nicht unbedingt zur Mobilisierung der Bevölkerung bei. Es ist schlicht Arroganz pur, wenn man denn annimmt der Rest der Bevölkerung interessiert die Belange einer Piratenpartei etc., wenn man doch mit diesem oft gelebten Tunnelblick eben Desinteresse an anderen, ebenso relevanten Problemen der Gesellschaft zeigt.
Im Grund genommen müssen Informationen mehrfach aufbereitet werden und zwar nicht nur redundanter Natur in unterschiedlichen Medien offeriert, ein Umstand der ebenso oft zu kurz kommt, sondern man muß auch den Kontext der jeweiligen Person ansprechen. Ein Nerd beispielsweise faßt diese Dinge völlig anders auf als z.B. ein Professor, der u.U. ein größeres Spektrum ins Auge gefaßt hat in puncto Grundrechte und sich von diesem eng abggrenzten Bereich kaum angesprochen fühlt. Diese Fachleute da, die mit dem Computer, die sehen doch immer und überall Gespenster …
Darüber hinaus wirken zuviele Parteien bei derlei Dingen mit und mißbrauchen die dort postulierten Thematiken für ihre eigenen biederen Zwecke. Denn in der Opposition kämpft es sich immer recht gut, nur in politischer Verantwortung versagten bisher alle. Da hilft es auch nichts, wenn sich die Liberalen aktuell Freiheit auf die Fahnen schreiben und sich anno ‘98 mitverantwortlich für den großen Lauschangriff zeigten. Die Beispiele sind Legion, die Wirkung auf die Öffentlichkeit ist desaströs, Dinge werden relativiert, kleingeredet.
Hier steht also noch eine Menge Arbeit aus, um erst überhaupt Momentum zu erlangen. Denn die beste Etappenaufmerksamkeit mutiert letztendlich nur zum bürgerrechtlichen Happening, wenn denn die Qualität fehlt. Qualität in puncto Information und Qualität in der Art und Weise wie man diese Information zum Volk kommuniziert. Aussicht auf Änderung? Im Moment wohl kaum, man fixiert sich nicht nur zunehmend ausschließlich auf die exemplarisch vorgetragende Problematik in puncto Internet, sondern ignoriert auch zunehmend die reale Welt da draußen. In dieser jedoch veranstaltet man die Demo, von der das Gros, wenn überhaupt, jedoch nur etwas im Internet vernahm. Das Gros des Volks ist weder im Internet beheimatet, noch sind jene die dieses Netz häufiger nutzen derart technisch fixiert, um überhaupt mit derartigen Informationen in Kontakt zu kommen.
Ich will dies hier gar nicht dissen, eine Demo ist besser als gar nichts, nur ein Plus an Nachhaltigkeit würde vielleicht auch mal die eine oder andere Änderung herbeiführen und dazu bedarf es des Gros der Bevölkerung. Leute wie ich oder jene die hier lesen sind im Prinzip irrelevant, da muß man nicht mehr überzeugen …
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