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Umfrage: Datenschutz vordringlicher als innere Sicherheit

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Eine Umfrage im Auftrag von Unisys vom 02.04.2008 gibt wichtige Aufschlüsse über das Sicherheitsgefühl der Deutschen und ihre Prioritätensetzung.

Um ihre persönliche Sicherheit in den nächsten sechs Monaten waren nur 27% der befragten Deutschen sehr besorgt (Vorjahr: 23%). 43% waren etwas besorgt, 29% nicht besorgt. Im internationalen Vergleich ist die Besorgnis eher gering. Junge Leute (18-24 Jahre) und ärmere Menschen (Monatseinkommen unter 1.000 Euro) sorgten sich erheblich häufiger um ihre Sicherheit.

Auf die Frage nach der Sicherheitslage in Deutschland insgesamt zeigten sich 54% der befragten Deutschen sehr besorgt (Vorjahr: 50%). 34% waren etwas besorgt, 11% nicht besorgt. Im internationalen Vergleich liegen diese Werte im Durchschnitt, im europäischen Vergleich indes überdurchschnittlich hoch. Ältere Menschen (ab 55 Jahre) waren besorgter um die allgemeine Sicherheitslage als jüngere, ärmere besorgter als reichere und Frauen besorgter als Männer.

In Übereinstimmung mit einer neuerlichen EU-Studie zeigten sich 78% der Befragten sehr besorgt um die Gefahr eines illegalen Zugriffs auf oder eines Missbrauchs ihrer persönlichen Daten (Vorjahr: 78%). Nur 21% machten sich kaum oder keine Sorgen deswegen. Im Vergleich zu den anderen abgefragten Risiken und auch im internationalen Vergleich ist die Sorge um den Datenschutz hierzulande am größten.

Das Risiko eines Missbrauchs von Bank- oder Kreditkarten macht 72% der Befragten Sorgen, während 27% wenig oder nicht besorgt sind.

Insgesamt gesehen machen sich die Deutschen überduchschnittlich viele Sorgen (Rang 3 von 11 weltweit). Es äußerten mehr als doppelt so viele Menschen Sorgen wie in Frankreich.

Bewertung

Die Antworten im Bereich der physischen Sicherheit entsprechen dem bekannten Phänomen, wonach das persönliche Sicherheitsrisiko leicht, das allgemeine Sicherheitsrisiko aber weit überschätzt wird. Die Ursache liegt darin, dass die Medien – insbesondere Boulevardzeitungen und Privatfernsehen – und die Politik der Kriminalität überproportional viel Aufmerksamkeit widmen, so dass ein falscher Eindruck hinsichtlich des objektiven Kriminalitätsrisikos entsteht.

Die Antworten im Bereich des Datenschutzes dürften Datenschützer und Bürgerrechtler freuen. Die Deutschen sind sich der Gefahren um die Sicherheit ihrer Daten bewusst. Hierzu können Aktionen der Bürgerrechtler, die zahlreichen Skandale der letzten Zeit oder auch die Exzesse der unersättlichen Innenpolitik beigetragen haben.

Besonders erfreulich ist der Nachweis, dass die Deutschen den Schutz ihrer Daten inzwischen für weitaus problematischer halten (78%) als die Kriminalitätslage (54%). Wenn die Politik dieser Prioritätensetzung weiterhin keine Rechnung trägt und ihre Pläne zur weiteren Erfassung der Bürger unbeirrt voran treibt, dürfte sich dies für die Staatsparteien bei den nächsten Wahlen schmerzhaft bemerkbar machen. In Schleswig-Holstein hatten diese Parteien bereits erhebliche Verluste zu verzeichnen, in Bayern zeichnet sich Ähnliches ab. Dass gleichzeitig freiheitsfreundlichere und überwachungskritischere Kräfte Auftrieb erhalten, ist erfreulich und auch bitter nötig.

von Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy Metaowl-Watchblog, gepostet am Sonntag, 1. Juni 2008 um 19:29
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