Gestern, ja gestern war die Welt noch in Ordnung
Gestern da war ich jung, da wollte ich die Welt erobern, da wollte ich nicht Wahlvieh sein, da wollte ich dem hoi polloi angehören - dem bösen Mob beiwohnen, aktiv gegen rechts, aktiv gegen konservative Kräfte wirken. Gestern da nähte mir meine liebe Frau Mama Buttons auf, gestern da ging ich auf Demos, gestern verteilte ich Flugblätter in der Fußgängerzone, gestern da begeisterte ich mich für die SPD, gestern da lauschte ich den Worten des noch recht frischen Landesvaters Lafontaine und ging zu den Jusos. Ja gestern, da war die Welt noch in Ordnung.
Dann kam der Einstieg in das Leben, erste Erfahrungen wurden gesammelt - positiver als auch negativer Natur, es gab Fortschritt und es gab die unvermeidlichen Rückschläge. Alles live und in Farbe, kein Bilderbuch, kein Ponyhof, kein Ghetto - nur die blanke Realität mit ihren Hoch und Tiefs. Die Reise ging weiter, weitere Bildung wurde angestrebt, um dem Arbeiterdasein zu entfliehen, mehr aus dem Leben zu machen, mehr wiederum für den großen Rest der Bevölkerung tun zu können - so jedenfalls die Theorie oder kurzum der Glaube. Den Genossen folgte man immer noch aktiv, aktiv bis zu jenem Zeitpunkt der Wahrheit an welchem der Landesvater das in ihn gesetze Vertrauen maßlos enttäuschte. Man brach mit den Genossen, lebte zwar links und war dennoch irgendwie politisch orientierungslos - denn Wahlvieh wollte man nie sein, aktives Wirken war die einzige probate Lösung.
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