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A-Space als SpySpace für US-Spooks

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.
Wir haben unsere Weblogs und die Blogosphäre, Facebook, StudiVZ, MySpace und Xing, sofern man soziale Netzwerkdienste nutzt. Am 22. September erhalten die wichtigsten 16 US-Geheimdienste die Entsprechung der Blogosphäre und der Welt der sozialen Netzwerke in Form des "Analyst Space" (A-Space), wie die Federal Computer Week (FCW) im Artikel A-Space set to launch this month und CNN im Beitrag CIA, FBI push 'Facebook for spies' berichten.

Der A-Space ist eine Webplattform, die Analysten von Geheimdiensten wie der CIA, DEA, NSA und des FBI die Möglichkeit bietet, eigene Weblogs einzurichten, zu führen und sich untereinander zu verlinken, Profile zur Person, Tätigkeiten und Arbeitsschwerpunkten anzulegen, sich per RSS Feeds zu informieren, Wikis zu führen oder auf Wikis wie die Intellipeda, dem Gegenstück zur Wikipeda, zuzugreifen, sich Videos wie bei YouTube anzuschauen, nur das es vielleicht Aufnahmen der Spionage-Satelliten des National Reconnaissance Office (NRO) und der National Geospatial-Intelligence Agency (NGA) sind, über Webapplikationen, wie wir sie von Google kennen, gemeinsam an Projekten, Analysen und Dokumenten zu arbeiten, Dateien und Nachrichten auszutauschen, über interne Suchmaschinen, Tagging und Indizes neue Quellen, Informationen und mögliche Arbeitspartner suchen und – wie es in dem Artikel U.S. Spy Agencies Go Web 2.0 In Effort To Better Share Information der InformationWeek hieß, die Daten von "drei große Datenbanken mit Terabytes an aktuell erfassten Geheimdienstdaten" zu durchsieben, zu denen nach dem Launch des A-Space weitere Datenbankanbindungen hinzukommen sollen: Die FCW spricht bereits von insgesamt sechs Datenbanken, die u. a. von der NSA, der DIA und dem US-Außenministerium verfügbar gemacht werden.

Über die Datenbankabfragen und Funktionen zur Datensuche und Datenverknüpfung können so Agenten und Analysten eines Geheimdienstes dienstübergreifend auf die klassifizierten Erkenntnisse anderer Geheimdienste zugreifen, wozu auch – wie die FCW anmerkt – laut der Designer des A-Space Inhalte gehören, die "verbündete Länder" mit den USA austauschen und teilen.
"It's every bit Facebook and YouTube for spies, but it's much, much more. It's a place where not only spies can meet but share data they've never been able to share before. This is going to give them for the first time a chance to think out loud, think in public amongst their peers, under the protection of an A-Space umbrella."

Michael Wertheimer, Assistant deputy director of national intelligence for analytic transformation and technology beim ODNI.
Die "Designer" des A-Space ist McDonald Bradley, nach Aufkauf nun die ManTech International Corporation, die 2007 von der Defense Intelligence Agency (DIA) einen 3 Millionen US$ Auftrag zur Entwicklung des A-Space erhielt als eine der Initiativen, die vom Office of the Director of National Intelligence (ODNI) gestartet wurde, um den Defiziten beizukommen, die nach dem 11. September 2001 und im folgenden "Globalen Krieg gegen den Terror" als hauptsächliche Probleme der Geheimdienste ausgemacht wurden: Mangelnde Kooperation, das eifersüchtige Verbergen eigener Erkenntnisse vor den "Kollegen" der anderen Dienste, kein zeitnaher und permanenter Austausch neuer Fakten, Infos und Quellen, keine Vernetzung wegen fehlender Infrastrukturen, keine Verbindungen unter allen Geheimdienst-Knotenpunkten und damit auch keine Verbindung einzelner, verstreut vorliegender Daten und Informationen über potentielle, vermeintliche oder tatsächliche Terroristen, das die US-Geimdienstler seit 2001 mit "Connecting the dots" umschreiben.

Da im A-Space hochklassifizierte Daten, Informationen und Dokumente zirkuliert und transportiert werden, wird der A-Space auf den abgesicherten Netzwerken für SECRET und TOP SECRET Daten aufgesetzt und zugänglich gemacht, zu denen das "Joint Worldwide Intelligence Communications System (JWICS)" und das "Secret Internet Protocol Router Network (SIPRNet)" gehört. Nur die Angehörigen der Geheimdienste, die überhaupt die nötige Freigabe besitzen, können sich in den A-Space einloggen und über ein abgestuftes Zugriffskontrollsystem auf die unterschiedlichen Dienste und Quellen im A-Space zugreifen, wobei alle Zugriffe und Nutzungen protokolliert und überwacht werden. Die Geheimdienst-Analysten im A-Space, die mit ihrer Arbeit alle verfügbaren Quellen analysieren, um Muster für aktuelle und zukünftige Bedrohungen als Nadeln in unzähligen Heuhaufen zu erkennen, werden selbst analysiert, um Nutzungs- und Verhaltensmuster zu detektieren, die auf missbräuchliche Zugriffe und Nutzungen oder gar feindliche Spionage hindeuten.

Für die interne und externe Absicherung wird man viel unternommen haben. Ob in ausreichendem Maß, das Datenlecks und Gegenspionage verhindern kann, wird sich in Zukunft zeigen – wenn man dazu überhaupt etwas erfährt.

Was aber mit dem A-Space wie u. a. auch mit dem Netz der vernetzten Fusionszentren der Geheimdienste aus dem Boden gestampft wurde, ist nicht nur ein "Raum", in dem sich die Geheimdientler sozial vernetzen, aggregieren und austauschen können, sondern auch ein weiterer "Raum", von dem man nur schwerlich annehmen kann, dass in ihm so etwas wie das deutsche Trennungsgebot überhaupt noch Gültigkeit hat und in dem den Geheimdiensten überhaupt irgendwelche Schranken auferlegt werden, die über die eigene interne "Selbstüberwachung" und "Selbstaufsicht" hinausgehen. Der A-Space ist ein weiteres Modul, mit dem sich die Geheimdienst-Community weiter in eine eigene Sphäre katapultieren kann (und darf), die abgeschottet und nahezu – wenn nicht vollständig – unkontrollierbar in der Sphäre existiert, die wir mit den Begriffen "Politik", "Demokratie" oder "Rechtsstaatlichkeit" kennzeichnen.

Ein Modell, das, wie es in einem Artikel heißt, schon viele begeisterte Anhänger findet und in Zukunft Vorbild und Blaupause auch unter den "verbündeten Ländern" wird. Bei BKA und LKAs, BND, MAD, Zoll, Bundespolizei, Verfassungsschutz, im Bundesinnenministerium und bei der EU dürfte der A-Space jedenfalls zu erhöhtem Speichelfluss führen, wenn sich die Damen und Herren das Konzept zu Gemüte führen. Wenn demnächst wieder in den Gazetten zu lesen ist, dass man beim neuesten Datenaustausch-Abkommen mit den USA darauf geachtet hat, dass im Abkommen Datenschutzregularien zur Beachtung deutscher und europäischer Datenschutzstandards enthalten sind und man auf das Wort und die Versprechen des transatlantischen Partners baut, wird jedenfalls einer (mal wieder) laut und schallend lachen.
von ravenhorst - Owl, gepostet am Samstag, 6. September 2008 um 22:20
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