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Mach Dich nackig, Untertan

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Im Moment machen die Körperscanner in den Medien, der Presse und bei einigen Politikern des Europäischen Parlaments und des Bundestags die Runde. Und das, obwohl bereits spätestens Ende der 90er Jahre die Forschung und Entwicklung neuer Durchleuchtungstechniken begann. Eine erste Welle erlebten die neuen Geräte 1 -2 Jahre nach 9/11. Die Techniken und Geräte haben fast alle ihren Ursprung in Forschungsprojekten, die bei Rüstungskonzernen angesiedelt waren.

Bereits damals musste jedem, der sich mit der Technik beschäftigte, klar werden, dass sie das Grundrecht auf Achtung der menschlichen Würde verletzten und das es so etwas wie eine körperliche Privatsphäre gibt, in die Regierungen mit ihren neuen Scanner einzudringen begannen. Das trifft in anderer Qualität auch auf DNA-Tests oder die Videoüberwachung zu, wird aber nicht so deutlich und offensichtlich wie beim verordneten "Nackig machen" per Terahertz oder Millimeterwelle. Deshalb halten sich die Hersteller der Geräte wohlweislich mit einer Bilderflut zu den Leistungskapazitäten ihrer Systeme zurück.
QinetiQ SPO-20QinetiQ SPO-20

Eines der neusten Produkte der Körperscanner ist das mobile SPO-20 "Peope Screening System" von QinetiQ, das wie fixe Körperscanner mit Millimeterwellen arbeitet und Menschen während des Gehens scannt. Laut eines QinetiQ Werbefilms ist das oben abgebildete Modell für das US-Militär entwickelt worden, man denkt aber für Flughäfen an eine Miniaturisierung bis zur Größe einer Videoüberwachungskamera, so dass die Scanner unter den Kameras nicht mehr auffallen werden.
Das man erst jetzt auf die Körperscanner aufmerksam wird – immerhin, wo die Scanner nach den USA ihren Weg auch in Europa und Deutschland antreten sollen, zeigt, dass die politischen Mechanismen zur Technologiefolgeabschätzung und das politische Gespür der Parlamentarier für Grenzen und Auswirkungen neuer invasiver Überwachungstechniken wenn nicht versagen, zumindest verkümmert sind und viel zu spät anschlagen. Die aktuellen Reaktionen und Diskussionen zeigen auch, dass die Schwelle, ab der in der Gesellschaft Protest entsteht, wenn der Staat versucht, in Grundrechte einzugreifen und sich der Privat- und Intimsphäre seiner Bürger zu bemächtigen, um "Sicherheit" zu fabrizieren, bei Unterwäsche und nackter Haut angelangt ist.

Weil ich gestern nach Beiträgen zu diesem Teilbereich der Überwachungstechniken gefragt wurde, eine Auflistung bereits erschienener Beiträge zu den "Nacktscannern":

Radar-Überwachung (31.10.2003)
Mit Terahertz gegen Terror (08.07.2004)
Bis auf die Haut (16.03.2005)
Körperbox (05.10.2006)
Forschung für den europäischen Überwachungs-Komplex (04.01.2007)
Wenn Big Brother seine Bürger auspackt (29.01.2007)
Gepäck-Screening, das peinlich werden könnte (06.10.2008)

P.S.: Ich stimme nicht mit Florian Rötzer überein, der im Artikel Die Aufregung um die "Nacktscanner" das Nacktscannen gegen die übrigen Überwachungs- und Kontrollstrukturen oder die "Sexualisierung in der westlichen Welt" abwägt und deshalb im Ganzkörper-Scan keinen so massiven Eingriff in Art. 1 GG und die Privatsphäre sieht, aber ansonsten teile ich seine übrigen Meinungen.
von ravenhorst - Owl, gepostet am Freitag, 24. Oktober 2008 um 8:49
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