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Die Woche mit Peter Glaser (KW49)

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Mehr oder weniger regelmässig gibt es hier zukünftig “Die Woche mit Peter Glaser”. Peter Glaser begleitet seit Anfang der 80er Jahre als Schriftsteller und Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs (CCC) die Entwicklung der digitalen Welt. Sein Blog “Glaserei - Bemerkenswertes aus der digitalen Welt” betreibt er bei der Stuttgarter Zeitung. Ich freue mich, ihn als Kommentator gewonnen zu haben, der mir Fragen beantwortet.

Was war gut diese Woche?

Dass ich mal in Stuttgart war, um zu beweisen dass es mich gibt. Ich schreibe seit acht Jahren eine Kolumne für die Stuttgarter Zeitung, das lief immer alles per Mail. Jetzt war ich eingeladen. Wunderbar. Alles wie echt.

Fast 100.000 Bilder der jüngeren deutschen Zeitgeschichte aus dem Bundesarchiv sind jetzt befreit wurden. Was soll als nächstes kommen?

Als nächstes sollten Lehrer anfangen, Wandertage durch die Bilderberge zu veranstalten und den Kinderlein zeigen, was es da für schöne und hochinteressante Strukturen und Muster und Zugehörigkeiten zu entdecken gibt.

Fast 2200 Anfragen zur Vorratsdatenspeicherung kamen von der Polizei innerhalb von drei Monaten zustande. Was denkst Du, wie viel Zeit hat sich die Justiz für die rechtsstaatliche Kontrolle genommen?

Kann man versuchsweise ausrechnen. Drei Monate (Mai, Juni, Juli) gleich 92 Tage = 2208 Stunden, bei 2186 Verfahren macht das - einen 24-stündigen Schichtbetrieb vorausgesetzt - ziemlich genau 1 Stunde Zeit pro Verfahren. Nehmen wir an, es wird etwas weniger enthusiastisch an der Kontrolle der Zulässigkeit von Vorratsdatenzugriffen gearbeitet, nehmen wir eine 40-Stunden-Woche mal drei Monate gleich 12 Wochen = 480 Stunden, macht bei 2186 Verfahren 13,1 Minuten. Das wäre das Pensum für einen Richter, ohne Mittags- und Klopause. Natürlich ist da mehr als ein Richter rechtsstaatlich tätig. Die Zahl der Verfahren ist erstaunlich hoch, wenn man bedenkt, dass der Zugriff auf Vorratsdaten nur bei schweren Straftaten und “erheblichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit” (= Terrorismus) zulässig ist.

Diese Woche wurden die Rufe nach Netzsperren lauter. Die Familienministerin will Kinderpornographie aussperren und der hessische Innenminister Glücksspielseiten. Wen oder was würdest Du gerne mal im Netz sperren?

Das ganze Netz. Das Internet aus dem Internet auszusperren ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Firmen wie AOL haben das mit proprietären Systemen schon in den neunziger Jahren versucht. Bei Second Life versucht man einen solchen Datenkäfig mit lauwarmer 3D-Grafik zu realisieren. Modern daran ist, dass man die Gitter nicht mehr sehen kann, obwohl sie selbstverständlich da sind. Mit der Sperrung einzelner Sites sollte man sich erst gar nicht aufhalten, das muß konsequent das ganze Netz umfassen. Regierungen wie die in Vietnam sind da beispielgebend. Da läuft der gesamte Datenverkehr über einen staatlichen Proxy-Server. Vor einiger Zeit ist der bei einem Update abgekachelt, da war dann Vietnam ein paar Tage lang komplett aus dem Netz verschwunden. An sowas sollte man sich bei Netzsperrungen orientieren.

von netzpolitik.org Datenschutz, gepostet am Montag, 8. Dezember 2008 um 11:50
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