calendar
« Mrz123456789101112131415161718192021222324252627282930 Mai »

Metadiskussion: Das Rätsel Polizeigewerkschaften

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.

Polizeigewerkschaften sind mir wirklich ein Rätsel. Immer wieder fordern sie reflexhaft, laut und vehement… populistischen Unsinn, der den Interessen ihrer Mitglieder letztlich widerspricht.

Wann immer ein Verbrechen auf einem öffentlichen Platz stattfindet, folgt garantiert die Forderung einer Polizeigewerkschaft nach noch mehr Überwachungskameras. Dabei gibt es inzwischen mehrere Studien, die nachweisen, dass diese wenig effektiv sind und sogar zu Personalabbau führen, weil die Polizeipräsenz vor Ort reduziert wird – “wir haben ja jetzt die Kameras”.

Ebenso unverständlich, warum Polizeigewerkschaften Fans von Internetsperren sind. Das Argument wurden in diesem Blog bereits oft genug wiederholt: Die an die Öffentlichkeit gekommenen ausländischen Sperrlisten beweisen schon, dass man dort illegale oder einfach nur unbequeme Seiten sperren ließ, aber damit den Fall als erledigt betrachtete.

Die Polizei mag damit ihre Fallstatistik aufblasen, aber fängt sie damit Täter? Nein. Ein Ermittler kann mit so einer Pseudolösung doch kaum zufrieden sein. Die Polizei könnte gegen Kinderporno-Server so effektiv sein wie die Bankenwirtschaft gegen Phishing, wenn sie so ausgestattet und motiviert wäre wie die Banken. Warum sagen das die Polizeigewerkschaften nicht zur Politik?

Der vom Bund der Kriminalbeamte (BdK) vielgepriesene 110-Button im Browser wäre auch so ein System zur ungebremsten Generierung von Fallzahlen: Mit “Web Patrol” würde die Polizei in sinnlosen Meldungen ersticken. Gerade Polizisten wissen doch, dass man nicht möglichst viele, sondern möglichst gute Berichte über Straftaten benötigt.

Morgen will der BdK beim FDP-Parteitag demonstrieren, u.a. weil sich die Partei und ihre Justizministerin klar gegen die Vorratsdatenspeicherung positioniert haben.

Ein abseits der bürger- und datenschutzrechtlichen Fragen kaum beachteter Grund für die sechsmonatige VDS ist, dass es zu wenig fachlich ausgebildete Polizisten gibt, um die bereits heute existierenden Datenspuren zeitnah auszuwerten: Es gibt einen Ermittlungsstau bei Internet-Verbrechen.

Eigentlich müssten sich Polizeigewerkschaften doch ein Loch in den Bauch freuen, wenn z.B. die Vorratsdatenspeicherung nicht kommt, denn sie können nun genau das fordern, was was ihren Mitgliedern zu gute kommt und ja auch die Kritiker wollen: Mehr Fachpersonal, bessere Ausbildung (und somit höhere Gehälter), bessere IT-Ausstattung.

von netzpolitik.org » Datenschutz, gepostet am Freitag, 23. April 2010 um 15:35
Aufgrund der Textinhalte könnten folgende Beiträge thematisch zu diesem Beitrag passen:
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: