der «digitale Bürgerrechtler» oder die unendliche Geschichte vom Scheitern

Ich bin es leid wieder und wieder Dinge zu erklären, die längst offenkundig sein sollten. Ich bin es auch leid, wieder und wieder gegen Menschen anzukämpfen, die ob ihres offensichtlichen gelebten Fun-Faktors Dinge, die sich nicht im Ansatz verstehen bzw. verstehen möchten, lobpreisen und damit einem nicht abzusehenden Kolateralschaden willfährig den Weg bereiten. Diese unbedarften Zeitgenossen, bezeichnen jene Kritiker als «analoge Menschen», «Schrebergärtner» usw. Da wird von «Gartenzwergfotografiererei» fabuliert, garniert wird dies mit Cassandra-Rufen bezüglich der Netzneutralität, gleichsam tangiert die Realität vor Ort, dieses sogenannte Reallife, nicht im geringsten. Die Vorratsdatenspeicherung wird als abstrakte Größe im «Netz» gehandhabt, ohne daß viele das Ausmaß dieser überhaupt begreifen, wie sonst wäre die Lobhudelei zu Gunsten Streetviews zu verstehen, von der virtuellen Ignoranz gegenüber der kommenden Volkszählung ganz zu schweigen?
Es dreht sich alleinig um dieses «Netz», man schaut in vielen «Aktionisten» einzig den Datenwolf im bürgerrechtlichen Schafspelz. Kann man denn teilhaben an der immensen Datenflut, sinkt zugleich auch die Hemmschwelle und vor dem geistigen Auge manifestieren sich allerlei Mashups. «Timeo danaos et dona ferentes» … Geschenke waren schon immer eine Gefahr für nur recht oberflächlich «engagierte» Zeitgenossen — jene die halt ansonsten doch eher mit den Wolfen heulen. Hier der omnipotente Staat, dort «SSchäuble», an jeder Ecke lauter «Zensursula» mit ihren Stopschildern, Kameras, ja gar die «Stasi 2.0″ schaut man in jeder Handlung des Staats etc. pp. — doch tatsächlich begriffen hat man nichts.

Google hingegen ist der Freund und selbst als Eric Schmidt just in einer Rede vom kommenden Ende der Anonymität im Netz fabulierte, ob einem Plus an vermeintlicher Sicherheit und dies unisono mit Facebooks Zuckerberg tat — beide sehen dies privat natürlich völlig anders, da ging dennoch kein wirklicher Aufschrei durchs Netz. Netzneutralität hingegen, ja die «Neutralität» … my ass. Man kann sich nicht des Eindruckes erwehren, daß alleinig die Angst davor, tiefer in die Tasche langen zu müssen bei vielen die ausschließliche Motivation darstellt.
Ergo sehe ich auch nicht viel Hoffnung im Wirken des «Netzes» und einer nachhaltigen Wirkung auf dieses reale Leben da draußen. Zu einem Aktionismus der übelsten Art gereicht dieses sicherlich, im Einzelfall kann man im kleinen Maßstab mitunter gar etwas bewegen — vielleicht findet wer einen Job oder überzeugt einen Abmahner vom Gegenteil, aber Nachhaltigkeit oder gar ein kollektives Wissen ist nur schwer zu realisieren. Zu sehr fehlt es doch an der Basis beim Gros, dieses Netz und seine Möglichkeiten abseits von Fun zu gebrauchen.
Vor ein paar Jahren gaben wir unser Projekt .get privacy auf. Es war nicht mehr schön mit anzusehen, daß wir zunehmend Bedenken und Fakten bezüglich eines stetigen Verlustes an Freiheit verteidigen mußten gegenüber Legionen von Lemmingen, die nichts zu verbergen hatten. Die Freiheit, geht uns mehr und mehr verlustig … vielleicht können wir uns zumindest jene im Netz bewahren, so eine Art goldener Käfig: Surfen bis der Arzt kommt, Filesharing betreiben in Terabyte-Größenordnungen oder WoW bis zum Morgengrauen zocken …
Die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt und nur wenn man sich der gesamten Tragweite bewußt ist — in digitalen Gefilden, als auch in dieser vom Netzvolk geführchteten «analogen Welt» — dann kann man auch konsequent und nachhaltig Veränderungen einleiten.
Bild: Wikimedia Commons, II

