Mit Jens Best hat die hässliche Fratze der Charakterlosigkeit ein Gesicht bekommen

Bild: Echelon, Wikimedia Commons
Lassen wir einmal die Diskussion pro/contra Google Street View beiseite, ob die Privatsphäre oder das so genannte öffentliche Gut im Vordergrund stehen sollte. Die Diskussion wird an anderen Stellen ausgiebig geführt. Es gibt in der Diskussion noch einen weiteren, viel wichtigeren Punkt, den es zu beachten gilt. Nicht jeder Mieter oder Hauseigentümer wird sich erschöpfend über Google Street View informiert haben, man kann sogar davon ausgehen, dass die wenigsten Menschen, die bei Google Street View Widerspruch eingelegt haben, die Diskussionen (im Netz) verfolgt haben. Und trotzdem haben diese Menschen gute Gründe, Widerspruch einzulegen – wahrscheinlich viel bessere Gründe, als die Befürworter und Gegner bisher im Netz vorgetragen haben.
Die Wohnung, das eigene Haus ist der Lebensmittelpunkt der Menschen, wo sie leben, sich lieben und streiten, Langeweile haben und ihre Phantasien ausleben, wo sie träumen und zu neuer Stärke finden, ihren Lebensabend verbringen und ihre Kinder großziehen, es ist ihr Rückzugsort, wo sie von ihren Alltagssorgen Abstand nehmen und entspannen können. Es ist der Ort, an dem sie sich sicher und geborgen fühlen.
Es ist ihr Zuhause.
Dass viele Menschen ihr Zuhause nicht bei Google Street View sehen möchten, ist verständlich und sollte von den Befürwortern zumindest respektiert und auch akzeptiert werden. Das ist inmitten der an vielen Stellen entstandenen Diskussion das mindeste, was man von den Befürwortern von Google Street View erwarten kann. Doch dieser Respekt und Anstand fehlt – zumindest bei einer immer größer wachsenden Gruppe, die vom Berliner Jens Best gegründet wurde.
Best, der sich selbst «Freiheitskämpfer» und «Sprecher der Digitalen Armee Fraktion» nennt, hat eine Gefolgschaft um sich versammelt, die kurz gesagt verpixelte Häuser in Google Street View aufspüren, diese dann fotografieren, in der Folge online stellen und mit einem Geo-Dienst verbinden möchte. Best und seine Unterstützer, zu denen selbstverständlich auch Mario Sixtus und Michael Seemann gehören, scheren sich einen Dreck um die Wünsche der Menschen. Dem eigenen Egoismus und der eigenen Vorstellung von Öffentlichkeit haben sich alle anderen Menschen unterzuordnen.
Die Wikipedia schreibt: «Totalitarismus bezeichnet in der Politikwissenschaft eine diktatorische Form von Herrschaft, die, im Unterschied zu einer autoritären Diktatur, in alle sozialen Verhältnisse hinein zu wirken strebt, oft verbunden mit dem Anspruch, einen „neuen Menschen“ gemäß einer bestimmten Ideologie zu formen. Während eine autoritäre Diktatur den Status quo aufrechtzuerhalten sucht, fordert eine totalitäre Diktatur von den Beherrschten eine äußerst aktive Beteiligung am Staatsleben sowie dessen Weiterentwicklung in eine Richtung, die durch die jeweilige Ideologie angewiesen wird.»
Best und seine Mitstreiter ignorieren den Wunsch und die Entscheidung der Menschen, nicht ihr Zuhause mit Google Street View (oder einem anderen Geo-Dienst) im Internet verbunden zu sehen. Selbst wenn man der Argumentation der Befürworter Google Street Views folgen möchte und von Häuserfassaden und öffentlichem Gut spricht, würde in diesen Fällen die Argumentation nicht greifen. Selbst wenn die Menschen «nur» gefühlt den Eindruck haben, Google würde mit Street View in ihr Zuhause eindringen, so ist das zu respektieren. Ohne Wenn und Aber. Geschieht dies nicht, wird de facto in das Zuhause der Menschen eingedrungen. Best und seine Mitstreiter tun dies bewusst.
Ich nenne das charakterlos.
Meine Großmutter hätte früher gesagt, das sei unredlich. Das war der wahrscheinlich größte Ausbruch der alten Dame um ihr Missfallen über diverse Missstände auszudrücken – und es trifft die Sache sehr gut. Die Gruppe um Jens Best hat keinen Anstand, sie respektiert nicht den Wunsch der Menschen, wenn es um ihr Zuhause geht. Und wenn wir hier von einer gefühlten Unsicherheit sprechen, dann erinnere ich an die Stolpe-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Es ist eine andere Baustelle, aber durchaus vergleichbar.
Wie sehr die Gruppe um Jens Best im Übrigen es ernst meint mit der Öffentlichkeit wird klar, wenn man sich die Gruppe ein wenig genauer anschaut. Es finden sich illustre Namen wie Ameive, AlBundy, azr, B4sti4n, christo, DerSchwarzePeter, emedia, usw. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die wenigsten haben zumindest den Anstand und Mut, ihre Daten offen zu legen.
Man kündigt unter dem Deckmantel der Anonymität an, sich den Wünschen der Menschen zu widersetzen, die ihr Zuhause nicht bei Google Street View sehen möchten. Das ist nicht nur zynisch; wenn man aus dem Verborgenen agiert, ist das ist meiner Meinung nach sogar eine gewisse Form von Stalking. Wie man diese Form von Stalking organisiert, ist im Forum der Gruppe ersichtlich. Im Moment sind es noch die verhassten Politiker, morgen dann die restliche Bevölkerung:
Und man macht sich auch schon Gedanken darüber, sollte der deutsche Gesetzgeber in naher Zukunft reagieren und ein Gesetz auf den Weg bringen:
Man ist sich also durchaus bewusst, auf welch dünnem Eis man sich bewegt – und man denkt darüber nach, (zukünftigen) Rechtsbruch in die USA auszulagern, da dort die Opfer kaum die Möglichkeit haben, zu reagieren.
Meine Meinung zu Google Street View ist bekannt, ich habe schon meine Schwierigkeiten, mit denen, die pro Street View argumentieren. Die Gruppe um Jens Best jedoch, ist eine weitere Eskalationsstufe. Best hat im Interview mit dem ehemaligen Nachrichtenmagazin angegeben, er würde sogar für sein Wirken in den «Knast» gehen. Das ist natürlich Humbug. Da will sich jemand selbst zum Märtyrer ernennen um sich selbst gewinnbringend zu vermarkten. Zum Märtyrer taugt Best nun wirklich nicht. Best und seine Mitstreiter haben keinen Anstand, respektieren die Wünsche und Entscheidungen ihrer Mitmenschen nicht.
Sie sind charakterlos.
Lesetips:
Don Alphonso: Der analoge Balkon– und Streetview
Don Alphonso: Balkone, Twitter, Blogs und die Strassenschauerei
Oliver: Schäuble is my homeboy
nnier: You Guys
mark793: Gugel-di-guck

