calendar
« Jul12345678910111213141516171819202122232425262728293031 Sep »

Tiefer geht nimmer: Mathias Müller von Blumencron auf einer Stufe mit Franz-Josef Wagner

Dieser Text ist im Cache von metaowl.de - das Original ist hier zu finden.

spiegel_pencil
Bild: F!XMBR

Thilo Sarrazin hat ein Buch geschrieben: der rechte Pöbel feiert seinen Helden – die Vorabdrucke im SPIEGEL und in der BILD lassen jedem Stammtischrassisten feuchte Träume bekommen. Endlich einmal das Höchste der sexuellen Gefühle, wenn schon keine Frau in der Nähe ist. Franz-Josef Wagner von der BILD dankte Thilo Sarrazin heute für seine Meinung und die ausgesprochene Wahrheit, verklärt so Rassismus zu einem Meinungsbeitrag und macht sich diesen Rassismus zu eigen – die BILD selbst macht Sarrazin zum Klartext-Politiker.

Rassismus ist in Deutschland wieder en vogue und wird als Meinung deklariert.

Es muss nicht großartig über Thilo Sarrazins offensichtlich tief verankerten Rassismus diskutiert werden – allein Rassenhygiene, Eugenik sind Punkte, über die gerade wir Deutschen besser bescheid wissen sollten. Es verwundert auch nicht, dass Stammtischrassisten wie die von Politically Incorrect Sarrazin feiern — auch die rechtsradikalen Parteien, jenseits unseres Grundgesetzes feiern den SPD-Politiker: Thilo Sarrazin schreibt ein regelrechtes NPD-Buch. Seine ausländerpolitischen Aussagen atmen durch und durch den Geist nationaldemokratischer Überfremdungskritik. Gesagt hat dies ein unterbelichteter NPD-Landtagsabgeordneter. Der kümmerliche Haufen von Pro Deutschland bietet ihm gar den Parteivorsitz an, feuchte Träume von 20% Wählerpotential lassen jeden Rechten in Deutschland vor Kraft kaum laufen. Zu guter Letzt: Die NPD wirbt bereits mit Flugblättern und Sarrazin-Zitaten.

Dass unter Umständen der Rassismus Sarrazins sogar den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt – geschenkt. Thilo Sarrazin selbst bestätigt, was von seinem Elaborat zu halten ist. Das SZ Magazin weiß mehr: Es war keine ausländerfeindliche, rassistische oder beleidigende Bemerkung. Ausländerfeindliche, rassistische und beleidigende Bemerkungen sind harmloses Gequassel gegen das, was er wirklich gesagt hat. […] Sarrazin gab zu, dass er keinerlei Statistiken dazu habe. Er gab zu, dass es solche Statistiken auch gar nicht gibt. Sprich: Sarrazin hat seine im Buch verwendete Zahlen erfunden. Das ist nicht der dumpfe Rassismus, wie ihn die deutsche Stammtischbrigade von sich gibt, man kann davon sprechen, dass Sarrazins Buch Rassismus mit Vorsatz ist.

Doch zurück zum SPIEGEL und seinen Chefradakteur Mathias Müller von Blumencron. Die taz hat ein Interview mit dem obersten Hirten des ehemaligen Nachrichtenmagazins geführt. von Blumencron gibt dort zu Protokoll: Aber so ist das bei Meinungstexten: Um Debatten einzuleiten, müssen wir auch Beiträge drucken, mit deren Aussagen wir nicht einverstanden sind. Mal abgesehen davon, dass ich von Blumencron kein Wort der Distanzierung glaube – er geht den gleichen Weg wie Franz-Josef Wagner von der BILD und verklärt Rassismus zu einem Meinungsbeitrag. Das ist für das ehemalige Nachrichtenmagazin, das ehemalige Sturmgeschütz der Demokratie, ein neuer – nie gedachter – Tiefpunkt.

Der SPIEGEL distanziert sich nicht von Sarrazin, kommentiert den Vorabdruck nicht, veröffentlicht ihn, wie jeden anderen redaktionellen Beitrag auch. Der SPIEGEL, mit seinen verantwortlichen Chefredakteuren Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo, macht sich so die Aussagen und Texte Sarrazins zu eigen – mit der gleichen hanebüchenen Begründung, wie sie Franz-Josef Wagner in der BILD veröffentlicht hat. Wer hätte gedacht, dass mit jedem neuen Tag der SPIEGEL immer tiefer — immer weiter nach rechts — driftet? Rudolf Augstein würde sich im Grab umdrehen. Unter Augstein hätte ein Mathias Müller von Blumencron nicht einmal in der Poststelle Karriere gemacht – aber das ist nur ein Meinungsbeitrag. Aber immerhin kein rassistischer.

von F!XMBR, gepostet am Freitag, 27. August 2010 um 17:58
Aufgrund der Textinhalte könnten folgende Beiträge thematisch zu diesem Beitrag passen:
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: