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Digg.com 4.0 – der erste Sargnagel auf dem Weg ins digitale Nirwana

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Nach einer längeren Betaphase hat Digg.com nun die Version 4.0 freigeschaltet. Ich konnte, wie auch einige andere Kollegen, die Beta testen – und war dabei eigentlich immer von einem, für mich entscheidenden, Punkt ausgegangen: die Kategorie Upcoming wird schon irgendwann wieder eingebaut werden. Kurz erklärt: unter Upcoming konnten alle neuen, eingestellten Nachrichten angeschaut werden, sogar in einzelne Bereiche unterglieder – wie Politik, Technik oder auch unterteilt zwischen Bilder und Videos. Gerade dort hatte ich meinen besonderen Spaß. Dort fand man teilweise wirklich Neuigkeiten, die noch nicht über Twitter und Blogs verbreitet wurden.

Wie Kevin Rose, Macher von Digg.com aber nun mitgeteilt wird, kommt die Sektion Upcoming nicht zurück. Kevin schreibt: The upcoming section is gone. Out of 200+ Million pageviews in July, only 0.4% was from upcoming (yes, that’s less than 1/2 of a percent). I definitely see the fun behind wanting to see stories just before they jump, so we’ll add a view of upcoming popular stories soon. Nun mag man das Argument der 0,4% Seitenzugriffe im ersten Moment nachvollziehen können – doch ist dies viel zu kurz gedacht.

Die einzige Möglichkeit, die man nun hat, neue Nachrichten zu erkunden und zu bewerten, ist das eigene Netzwerk. Man muss, wie auf Twitter, Usern (oder auch Webseiten) folgen, um an neue Nachrichten zu kommen – ansonsten hat man nur noch die (alte) Startseite, sprich die Nachrichten, die sowieso schon unzählige Male bewertet und per Twitter rumgereicht wurden. Digg.com bietet neuen Nutzern und Außenstehenden keinen Zugang mehr an – es sei denn, man mag Nachrichten, die schon bei SPIEGEL Online oder der BILD zu finden sind.

Digg.com zementiert damit die Macht der Poweruser (aus den USA), die sich dort schon immer gegenseitig auf die Startseite verholfen haben. Nutzer mit einem kleinen Netzwerk, Neuankömmlinge, die sich neu registrieren, bleiben völlig außen vor. Beispiel: Wenn man Techmeme, Techcrunch und vielleicht Mashable abonniert hat, muss man schon mehrfach täglich vorbeischauen, sonst gehen andere Dinge unter, die eigene Timeline ist mit Nachrichten aus den genannten Publikationen überflutet. Das ist nicht wirklich sinnvoll – was man im Feedreader noch überlesen kann, nimmt hier einfach Platz weg und lenkt die Aufmerksamkeit ab. Kevin schreibt selbst, dass man den Powerusern mehr Macht hat zukommen lassen: Power users have been given more power over the front page.

Das neue Digg.com macht Spaß, die Technik beeindruckt, ist immer noch dem deutschen Klon Yigg.de meilenweit voraus – und doch wird der Relaunch der erste Sargnagel für Digg.com sein. Digg.com 4.0 ist rückwärtsgewandt – neue Nutzer, die Zukunft hat man nicht mehr im Blick. Um es mal politisch zu vergleichen: es wäre das gleiche, als würde sich eine Partei ausschließlich um die Rentner kümmern, diese werden irgendwann wegsterben, man hat es aber versäumt, sich um die nachfolgende ältere Generation zu kümmern. Diese standen vor verschlossener Tür und haben sich anderweitig umgesehen. Irgendwann steht man da und niemand kommt mehr zur Tür herein.

Mir ist durchaus bewusst, dass dies noch sehr lange dauern wird – im Juli hat Digg.com über 200 Mio. Seitenzugriffe zu verzeichnen. Und doch ist diese durchaus beeindruckende Zahl eher im unteren Segment der großen Web-2.0-Angebote zu sehen. Digg.com war mal vor wenigen Jahren die angesagteste Seite des Web 2.0, noch lange vor Twitter und Facebook. Man hat sich auf diesen Lorbeeren ausgeruht, nun folgte der Kraftakt mit dem Relaunch. Man hat Funktionen der Kontrahenten eingebaut – diese aber völlig überzogen, inkonsequent und falsch umgesetzt.

Der Abstieg von Digg.com wird weitergehen, den ersten Sargnagel hat man gerade selbst mit dem Relaunch eingeschlagen.

Kleine Anekdote zum Schluss: wir wurden einmal gediggt. Innerhalb der ersten Stunde kamen allein über die Frontpage von Digg.com knapp 50.000 unique Visitors zusammen. Der Server hat gehalten – aber auch nur weil eine Grafik direkt verlinkt wurde, nicht F!XMBR selbst. Das hätte der Server nicht ausgehalten. ;-)

von F!XMBR, gepostet am Samstag, 28. August 2010 um 23:07
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