Wie die BILD einen Bürgerkrieg herbeiredet
Es wundert nicht, dass die BILD in den letzten Wochen den Fantasy-Roman Sarrrazins beworben hat – mit unzähligen Artikeln, Interviews und Vorabdrucken. Die BILD steigerte die eigene Auflage, Sarrazin wird ein reicher Mann, das Land rutscht weiter nach rechts. Einen besseren Coup kann es für den Axel-Springer-Verlag kaum geben. Mission accomplished. Ich habe mir gestern Abend tatsächlich das erste Mal Beckmann angeschaut. Eines wurde mehr als deutlich: Sarrazin reduziert die Gesellschaft auf Zahlen – noch nie habe ich einen Menschen mit einer derartigen sozialen Kälte erlebt. Am interessantesten waren die Einlassungen des Berliner Streetworkers Thomas Sonnenburg und der die Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan. Beide sagten unisono, dass das Buch unsere Gesellschaft spalten könne, den Frieden gefährde. Und das nicht in der typischen Politikeraufgeregtheit, die Einschätzung beruht auf die eigene, tägliche Arbeit mit denen, um die es geht. In dem Moment wusste die gesamte Runde bei Beckmann kaum etwas zu erwidern, bis wieder Nebenkriegsschauplätze eröffnet wurden.
Heute titelte die BILD «Alle gegen Sarrrazin» – und tat völlig überrascht, dass der neue Held von NPD, pro Deutschland, Politically Incorrect & Co. kritisiert wurde. Was für eine Heuchelei. Doch wer sich die Zeilen der BILD dann durchliest, wird nur noch fassungslos mit dem Kopf schütteln. Es ist erschreckend, dass folgende Zeilen in der größten deutschen Tageszeitung zu finden sind – in der NPD-Parteizeitung, auf anderen Publikationen, nennen wir sie Gesamtrechts oder Altermedia, sind sie auch täglich zu finden. Ein gewisser Nikolaus Blome1 schreibt:
Erste Buch-Lesungen sind schon abgesagt. Wegen „Sicherheitsbedenken”.
Zwischen Politikern und Bürgern steht ein großes Missverständnis, ein umfassendes, dramatisches Nicht-Verstehen. Sarrazins Thesen und die Reaktionen darauf sind wie ein Brennglas: Gut möglich, dass der Graben zwischen Wählern und Gewählten bald in Flammen steht.
Ein Land, das in Flammen steht – die feuchten Träume der BILD-Redaktion werden Wirklichkeit. Dass man beim Axel-Springer-Konzern in der Vergangenheit schwerlich von Journalismus reden konnte, ist jedem normal denkenden Menschen wohl klar. Mit der Causa Sarrazin, dieser unverblümten Freude über einen eventuellen Bürgerkrieg, Bürger gegen Politik genannt, Deutsche gegen Ausländer ebenso gemeint, hat die BILD unsere demokratischen und gesellschaftlichen Grundfeste verlassen.
In der Folge fabuliert Blome davon, dass die Politik einpacken könne, sie habe keine «Geschäftsgrundlage und Daseinsberechtigung» mehr. Solche Worte kennt man zu genüge – Udo Voigt, Holger Apfel oder Udo Pastörs schwadronieren auch davon, dass die Menschen hinter der NPD stehen, aber der CDU und der SPD ihre Stimme geben würden. Unredlich, wie es meine Großmutter früher genannt hätte, ist das nicht mehr. Es ist gefährlicher Wahnsinn. Man ist versucht zu schreiben, dass sich die BILD hier eine selbst erfüllende Prophezeiung schaffen möchte. Der Auflage würde ein Bürgerkrieg wohl nicht schaden.
Es ist offensichtlich, dass die BILD nicht mehr die konservative, unabhängige, pro-israelische und boulevardeske Stimme in diesem Land ist. Man träumt offensichtlich vom Bürgerkrieg, spricht von Politikern ohne Volk, redet der NPD nach dem Mund.
Die BILD steht spätestens seit heute außerhalb unserer Verfassung.
So zumindest mein Meinungsbeitrag.
Unsere Gesellschaft sollte anfangen, nachzudenken:

- Ich weigere mich, ihn Autor, Redakteur oder Journalist zu nennen.

