Warum der nächste Kanzler Karl-Theodor zu Guttenberg heißt
Bild: Agenda 2013
Angela Merkel befindet sich gerade im Herbst ihrer Kanzlerschaft, die SPD und die Grünen frohlocken, scheinen die Umfragen doch auf eine rot-grüne Bundesregierung 2013 hinauszulaufen. Doch da haben sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht, in diesem Fall die rechts-konservativen Kreise, an der Spitze die Bild-Zeitung. Der nächste Bundeskanzler wird mitnichten Sigmar Gabriel oder gar der neoliberale Zombie Peer Steinbrück heißen – ab 2013 wird das erste Mal ein CSU-Politiker im Kanzleramt Platz nehmen: Karl-Theodor zu Guttenberg.
Schon seit zu Guttenberg den Problembären Michael Glos in der letzten Legislaturperiode als Wirtschaftsminister ablöste, galt er als der neue Shootingstar. Die Bild hob den Adligen auf ein Podest, der Rest der Medien folgte, Deutschland hatte einen neuen Politstar. zu Guttenberg spielte diese Popstar-Klaviatur perfekt – man denke nur an das für jeden normal denkenden Menschen lächerliche Foto am New Yorker Time Square. Wenn zu Guttenberg eines verstanden hat, dann sich selbst über die Bild und die restlichen Medien zu vermarkten.
Und selbst als Angela Merkel den Shootingstar im neuen Kabinett ins vermeintliche Verlierer-Ressort, dem Verteidigungsministerium, abschob, konnte das den Freiherrn aus dem Süden nicht stoppen. Selbst die Kunduz-Affäre, seine offensichtlichen Lügen, schadeten ihm nicht. Andere Minister sind für ganz andere Dinge zurückgetreten – mit jeder Schlagzeile, auch wenn sie negativ war, stieg die Popularität zu Guttenbergs.
In den letzten Wochen präsentierte sich unser Verteidigungsminister als ein Top-Gun-Tom-Cruise-Verschnitt. Während Dirk Niebel ausgelacht wird, scheint zu Guttenberg die bessere Werbeagentur zu beschäftigen. Deutschland kann auf seinen Tom Cruise wahrlich stolz sein, die Menschen lieben ihren Verteidigungsminister. Die Medien nehmen diese Bälle natürlich dankbar auf – eine Boulevardisierung der Politik bringt Quote und Einnahmen.
Es verwundert dabei nicht, dass zu Guttenberg der erste Politiker war, der Thilo Sarrazin verteidigt hat – über die Bild ließ er mitteilen, dass Sarrazin die «richtige Debatte angestoßen» habe. In den nächsten Monaten wird darauf zu achten sein, wie sehr zu Guttenberg den konservativen Flügel der Union anspricht, die CSU, Horst Seehofer hat damit schon begonnen.
Doch was wäre Deutschland ohne eine «atemberaubende» First Lady — hier kommen wir nun zum letzten Puzzleteil. Bisher hat sich die Freifrau Stephanie zu Guttenberg eher zurückgehalten – in den letzten Tagen jedoch wird auch sehr medial vermarktet und Fotos von ihr veröffentlicht, die eher an einen Filmstar erinnern, als eine Politikerehefrau.
Vera hat nebenan einen komischen Verdacht – sicherlich, ein Buch will verkauft werden. Doch ich denke, das Ziel ist ein anderes. Stephanie zu Guttenberg hat sich schon während der Debatte um die Netzsperren als Kinderschützerin sehr gut verkauft, nun zieht sie gegen die Pornografie zu Felde – wer möchte nicht eine so engagierte First Lady im Kanzleramt sehen?
Zensurremix – Ursula von der Leyen, Brigitte Zypries & Karl-Theodor zu Guttenberg ft. Special Guests
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Hintergrundmusik: T r y ^ d — The final Rewind unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend. Werkzeuge: Audacity und MP3Gain.
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Im nächsten Jahr wird Schwarz-Gelb die Landtagswahl in Baden-Württemberg verlieren. Nicht nur für Guido Westerwelle wird dies der Anfang vom Ende sein – insbesondere für die Union wird diese Wahl einem Erdbeben gleichen, ähnlich wie es die Landtagswahl 2005 in Nordrhein-Westfalen für die SPD war.
Die FDP wird sich Christian Lindner zuwenden – und die Union wird Angela Merkel zu verstehen geben, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Sie ist in der Union ähnlich beliebt, wie es Gerhard Schröder innerhalb der SPD war. Beide wurden geduldet – solange man Erfolge vorweisen konnte. Für Merkel wird nun eine Serie der Niederlagen beginnen – so wird man sich ihrer schon bald entledigen. Während Schröder noch als Wahlkämpfer gebraucht wurde, wäre dies bei Angela Merkel eine Belastung.
Und so wird die Union spätestens 2012 Karl-Theodor zu Guttenberg zu ihrem Kanzlerkandidaten küren. Die Bild hat nach jahrelanger Arbeit wieder einen Kanzler ihrer Gnaden — den sie selbst geschaffen hat, eine selbst erfüllende Prophezeiung. Wenn die Debatte um Thilo Sarrazin eines gezeigt hat, dann ist es der Umstand, dass die rechts-konservativen Meinungsmedien in unserem Land die Macht besitzen und sie gnadenlos ausspielen. Die NPD hängt riesige Sarrazin-Plakate auf – und niemand (außer, welch Ironie, dem Aufgehängten selbst) stört sich daran. Das Land ist in den letzten Wochen stark nach rechts gerückt – und es braucht auch keine lächerlichen Parteigründigen diverser Rechtspopulisten. Die Bild und andere haben ihr bestes Pferd noch im Stall:
Karl-Theodor zu Guttenberg wird der nächste Bundeskanzler unsers Landes.

