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“Time for Kids” listet Sportwebseite unter “Pornographie”

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"Initiative für ein sauberes Internet an bayerischen Schulen": Der Dienstleister "Time for Kids", der nach eigener Aussage Internetfilter für Schulen bereitstellt und "bereits 600 Pilotschulen" für seine Produkte angibt, kennzeichnet nicht nur gefährdende Inhalte - sondern beispielsweise auch jugger.org.au, die Sportwebseite der australischen Juggerspieler, als "pornographisch". Und jugger.de bekommt den Vermerk "Gewalt/Extrem". In der, laut Fimra, "weltweit größten und aktuellsten URL-Datenbank".

Screenshots vom 21.9.2010, 09:25

Und so sieht das dann im Browser aus, wenn man über ein gewöhnliches Schul-WLAN online geht:



Screenshots vom 21.9.2010, 09:25

Dieses Beispiel belegt die Gefahr, die in solchen Filterdiensten liegt. Das Verfahren lädt geradezu zu übler Nachrede und Verleumdung ein; mit wachsender Zahl von Dienstleistern dieser Art wird es immer schwerer, nachzuforschen, ob beispielsweise eigene Webseiten in einer dieser Listen geperrt sind, und eine Freischaltung bzw. Korrektur zu bewirken kostet Zeit. Zudem darf es nicht sein, daß das Opfer einer Verleumdung die Verantwortung für die Bereinigung dieser Verleumdung aufgebürdet bekommt, nach dem Motto: "Schicken Sie uns doch einfach eine Mail!". Denn das Opfer weiß wahrscheinlich selber gar nichts davon oder erfährt es irgendwann durch Zufall.

In solchen Fällen zensiert nicht etwa der Staat, sondern Privatpersonen respektive private Firmen nach Gutdünken (oder Nachlässigkeit). Die Schulen wiederum glauben sich auf derlei Listen verlassen zu können, und schon haben wir Inhalte, die wegen Unwissen, Böswilligkeit oder Mißverständnis als "nicht kindgerecht" gesperrt oder gar als halbseiden gebrandmarkt werden. Eine Brandmarkung, die dann wiederum in andere Suchdienste weiterwandern könnte, falls diese sich selber an der Kennzeichnung des Dienstleisters orientieren.

So kann die Veranwortung für ein kindgerechtes Internet nicht aussehen. Die Firma habe ich um eine Stellungnahme gebeten.

PS. Im Übrigen wirkt der Name der Firma wie ein Anachronismus. Würden wir uns wirklich "Zeit für Kinder" nehmen und sie fit machen für die Neuen Medien, bräuchten wir keine Filter von Drittanbietern.

Aktualisierung: Weder auf meine Nachfrage per Mail, noch auf meine postalische Bitte um Stellungnahme hat die Firma bislang reagiert. Dafür ist jugger.org.au nun (3.11.2010) nur noch unter "Sport" gelistet. Das ist aber nicht Kern der Kritik, ich erwarte weiterhin klare Aussagen zum Vorgehen.

von Uhus *finest-assorted* Weblog Droppings, gepostet am Dienstag, 21. September 2010 um 7:49
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