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Zum Vergessen

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Heute stellte auf Einladung der Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner der Saarbrücker Informatiker Michael Backes eine Software namens X-Pire vor, die digitales Rechtemanagement bei Bildern bieten soll. Vergessen ist in mancherlei Hinsicht wichtig, aber die vorgestellte Lösung gehört auf den Schrotthaufen technizistischer Ansätze.

Hier die wichtigsten Punkte:

1. Es handelt sich um eine kostenpflichtige Firefox-Erweiterung. Ein Großteil der Nutzer ist nicht einmal in der Lage, eine Erweiterung zu installieren. Kostenpflicht für ein Projekt eines Informatikprofessors halte ich für bedenklich
2. Die verschlüsselten Bilder sind nur anzeigbar für Nutzer mit a) Firefox und b) dem Plugin. Das ist inakzeptabel.
3. Die Software ist proprietär. Sollte X-Pire einmal Pleite sein, sind alle Nutzer angeschmiert – und ihre Daten verschlüselt, denn:
4. Ein zentraler Keyserver ist eine tolle Idee. Kleine DDoS-Attacke, schon ist es bildarm im Netz.
5. X-Pire.de hätte die volle Übersicht über Bildabrufe im Internet.
6. Die Verschlüsselung ist mit einfachen Mitteln zu knacken, zum Beispiel mit der Killerapplikation Screenshotmachen.

Nein, so geht das nicht. Es geht nur auf eine Art: Jedes etwas bessere CMS kennt Auslaufdaten (Expire-Dates). Dabei werden die Dateien vom Server gelöscht, was nicht wesentlich unsicherer ist als die screenshotanfällige X-Pire-Lösung. Das Einrichten von Auslaufdaten für Inhalte sind also serverseitig im Rahmen des technisch Möglichen machbar und könnten tatsächlich auch verpflichtend in Recht gegossen werden. Zudem könnte man einführen, dass nach einer gewissen Inaktivität und fehlgeschlagener Kontaktaufnahme Inhalte gelöscht werden. Das alles wäre eine Art Vergessen, aber ohne zentralistischen, für die Nutzer kostenintensiven DRM-Unfug a la X-Pire.

von netzpolitik.org » Datenschutz, gepostet am Dienstag, 11. Januar 2011 um 16:37
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