Gesichtserkennung bei Massenveranstaltungen
Für neuen Gesprächsstoff in der Post-Privacy-Debatte sorgt gerade ein hochauflösendes Foto von Besuchern des Glastonbury Festivals. Unter dem Titel Glastotag wird dazu aufgerufen, Freunde und Bekannte zu tagggen, um “vielleicht sogar den Rekord für das meistgetaggte Bild zu brechen.”
Bisher sind ca. 9.000 Menschen identifiziert – Fehlerquote unbekannt. Um selber taggen zu dürfen, muss Glastontag Facebook App aktiviert werden, die hinsichtlich der eingeforderten Zugriffsrechte auf den eigenen Account nicht zimperlich ist. Man darf allerdings auch darum bitten, entfernt zu werden. Dazu muss man sich, um Missbruch zu vermeiden, per Email und Auf Nachfrage auch per Foto klar identifizieren.
Ich habe ja ein bisschen die Vermutung, dass das für ungewollt getaggte Personen eine Anforderung darstellt, die ihren Wünschen zuwiderlaufen könnte. Immerhin: Sie dürfen ihre Gründe für die Ablehnung zu Protokoll geben – eine Auswertung könnte hier interessant werden.
Für Besucher des Rheinkultur-Festivals 2011 in Bonn gibt es übrigens genau das gleiche Projekt. Ein interessantes Experiment gegen das sich wohl nur wenig Protest richten wird. Aber es stimmt natürlich auch nachdenklich: Vorbei, das gelassene “krank feiern” auf Sommerfestivals. Vorbei, die Anonymität bei großen Demonstrationen. Wie Udo Vetter schon schreibt:
Das bedeutet also Post Privacy. Man sollte es immerhin wissen…
…Und fleißig lernt die Facebook-Gesichtserkennung, denn “uns” bringt das bei aller Liebe zur Offenheit nicht wirklich weiter. Mal wieder findet das Projekt auf geschlossenen Servern statt: Die “Teilnehmerliste” haben nur Facebook und Glastotag. Das sollte eigentlich auch den hartgesottensten Post-Privatler ärgern.



