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Kritik: Die Überwacher

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Edition16-=berwachung-CoverNachdem Dietmar Kammerer bereits hier im Blog auf die neueste Ausgabe der Edition Le Monde diplomatique – Die Überwacher. Prism, Google, Whistleblower – hingewiesen hat, möchte ich hier eine kurze Rezension des Heftes vornehmen.

Das Heft ist in Teilen die deutsche Ausgabe der französischen Ausgabe, die unter dem Reihentitel Manier die Voir zweimonatlich erscheint. “Souriez vous êtes surveillés erschien im Februar/März 2014. Der Titel setzt einen anderen Schwerpunkt und auch sind in beiden Ausgaben durchaus unterschiedliche Artikel zu finden. In der aktuellen deutschen Ausgabe sind dieses vor allem Texte von deutschen Autoren, was sehr erfreulich ist und so den Fokus noch einmal anders setzt.

Unter den deutschen Autoren sind u.a. auch Dietmar Kammerer, mit einem Artikel zum Komplex von Militär und Überwachung (Software, die zur Waffe wird), der in der aktuellen Ausgabe der Le Monde diplomatique erschienen ist – nach wie vor einer der besten politisch, kritischen Monatsmagazine. Außerdem Konstanze Kurz, Katharina Döbler (Lmd), Hauke Gierow (Reporter ohne Grenzen) oder Alexander Ehmann vom CCC und Svenja Bergt von der taz. Die großen internationalen Autoren sind u.a. Giorgio Agamben mit einem Text zur Geburt des Sicherheitsstaates oder Dan Schiller, der sich mit Google und der NSA auseinandersetzt.

Viele Text, so auch diese, sind nicht neu, sondern wurden bereits in verschiedenen Ausgaben der Lmd veröffentlicht – das ist das Konzept der Editions-Ausgaben. Aber thematisch versammelt und neu aufgearbeitet bieten sie als Themenheft einen sehr guten Überblick über das Thema, welches sich hier eher auf die Überwacher, die Geheimdienste und die Verzahnungen mit andern gesellschaftlichen Bereichen konzentriert.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich schon lange (zu lange?) mit dem Thema Überwachung, Überwacher beschäftige, dass ich manches in den Texten unter den Rubriken “nicht überraschend” oder “nicht neu” für mich ablege. Insgesamt aber bietet sich hier den LeserInnen, die weniger professionell belastet sind, ein weitläufiger Überblick, kritisch, anders, manchmal mit den bereits in vielen Medien diskutierten Argumenten und einer gewissen Empörung. Dennoch wäre dem Heft eine weite und große Leserschaft vergönnt, denn einen solchen Überblick, der nicht rein akademisch daherkommt, ist äußerst selten. Und, in anderen Qualitätsmedien so nicht zu finden.

Das Thema Whistleblowing beschäftigt sich dann auch mit einem Bereich, der in der französischen Variante nicht vorkommt und der nicht erst seit Snowden, aber besonders seit ihm, zu einem Thema geworden ist, das im Mainstream disktutiert wird. Und das ist bereits ein großer Verdienst und eine gute Entwicklung. Regelmäßigen Lesen von Lmd kommt vieles bekannt vor – für Studierende, Interessierte, politisch offene und alle anderen, ist das Heft ein Muss und bietet auch über die aktuellen Empörungswellen hinaus gute Informationen und Ansätze, dass Thema weiter zu tragen.

Was mir leider fehlt, sind die tollen Karten, die es in der französischen Ausgabe gibt und die hierzulande zu selten Beachtung finden. Mehr Kartographie zum Weltverstehen, wäre hier eine klasse Ergänzung gewesen. Dafür gibt es aber auch noch das Kartenarchiv bei Lmd, in Deutsch als auch im Original.

von Surveillance Studies.org, gepostet am Donnerstag, 23. Oktober 2014 um 12:51
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